von Scarlett Saurat

Noahs Lieblingselefant heißt Oliver – Oliver ist immer dabei, auch beim Weihnachtseinkauf. Während seine Mutter die Geschenke zusammensucht, veranstalten Noah und sein kleiner Freund allerlei Unfug. Doch plötzlich ist Oliver verschwunden… Lou Peacock und Helen Stephens erzählen in typographisch geschickt umgesetzten Reimen und detailreichen Bildern von diesem spannenden Kaufhaus-Abenteuer.

Peacock, Lou/Stephens, Helen: Oliver Elefant.
A.d. Engl. v. Heinz Janisch.
Annette Betz, Berlin, 2018.
32 Seiten, 14,95€
ISBN 978-3-219-11777-6.
Empfohlen ab 3 Jahren.

Inhalt

Noah ist mit seiner Mutter, seiner kleinen Schwester Marie und seinem geliebten Oliver Elefant in einer verschneiten Stadt unterwegs, um Weihnachtsgeschenke zu besorgen. Es gilt, eine lange Liste an Geschenken abzuarbeiten, denn viele Verwandte und Freunde wollen bedacht werden. Auf Mamas Liste steht aber noch etwas, was die drei unbedingt besorgen müssen: den Stern für den Weihnachtsbaum. Im großen, festlich geschmückten Kaufhaus macht sich die Familie also auf die Suche.

Nach und nach finden sie für jeden etwas Passendes, z.B. ein Buch zum Kochen für Opa Jochen und ein Stück Seife verpackt mit einer Schleife für Tante Claudette. Während seine Mutter mit den Einkäufen beschäftigt ist, treiben Noah und sein tierischer Freund allerlei Schabernack mit den verschiedenen Gegenständen, die sie im Kaufhaus finden. Mal steckt Oliver seinen Rüssel in einen Socken, spielt Verstecken oder tanzt auf dem Tisch. Als er jedoch am Christbaumschmuck riecht, geht eine der Christbaumkugeln zu Bruch. Der kleine Elefant ist nun ganz geknickt und muss von seinem Freund Noah getröstet werden: "Sowas passiert eben dann und wann!" (o.S.) Endlich sind alle Besorgungen erledigt und alle ruhen sich erstmal im Café um die Ecke bei einem großen Stück Kuchen aus. Als sie gestärkt sind, will die Familie wieder aufbrechen, doch Oliver ist verschwunden. Noah ist fürchterlich traurig. Seine Mutter nimmt ihn in den Arm und verspricht ihm, nicht ohne Oliver nach Hause zu gehen.

Auf der Suche nach dem kleinen Elefanten durchstöbern sie die unterschiedlichen Geschäfte. Doch er ist nirgendwo zwischen all den Süßigkeiten, Büchern, Stofftieren und Kleidern zu finden. Als Noahs Schwester Marie verschmitzt lacht, kommt Mama eine Idee und tatsächlich: Unter den Decken im Kinderwagen schlüpft der Vermisste hervor. Die Freude ist groß und nun kann die Familie nach Hause aufbrechen. Als sie das Kaufhaus schon verlassen haben, fällt Noah ein, dass sie noch etwas vergessen haben: Den Stern für den Weihnachtsbaum.

Kritik

Die Geschichte um Noah und sein Lieblingsstofftier wird in Gänze in Reimform erzählt. Hier ist insbesondere die Leistung des Übersetzers Heinz Janisch hervorzuheben, dessen Reime in kindgerechter aber poetischer Sprache ineinandergreifen. Bei dem einen oder anderen Wort, wie "Trubel" oder "verschmitzt" wird sicher manches Kind nachfragen müssen und so kann direkt ein Gespräch über das Gelesene entstehen. Auch inhaltlich ist die Geschichte bereits für die Kleinsten geeignet. Die alltägliche Handlung des Einkaufens und die vielen Gegenstände rund um das Thema Weihnachten, die gezeigt werden, bilden einen unmittelbaren Anschluss an deren Lebenswelt. Das offene Ende kann ebenfalls ein guter Anstoß für ein Gespräch über das Gelesene sein. Woher bekommen Noah und seine Familie nun noch einen Stern für den Weihnachtsbaum? Besonders erfrischend: Das einzig belehrende Element ist die oben beschriebene Szene, in der Oliver versehentlich etwas kaputt macht und getröstet wird. In diesem Sinne ist Oliver Elefant eine willkommene Abwechslung auf dem Bilderbuchmarkt und erzählt primär von einem aufregenden Abenteuer. Denn auch Kinderlektüre ohne vordergründige Moral ist wertvoll, da sie Freude am (Vor)Lesen wecken und einen Anlass zum gemeinsamen Lesen und Besprechen von Büchern bieten kann.

Der Text ist typografisch clever gestaltet, indem die betonten Wörter größer hervorgehoben werden. So wird dem Vorleser und vor allem auch dem Erstleser eine gewisse Hilfestellung geboten. Auch die Bedeutung der Worte spiegelt sich hier in der Schriftgestaltung wider, beispielsweise, als Noah ein großes Stück Kuchen bekommt und das Adjektiv größer als die anderen Wörter gesetzt ist.

Dieses weihnachtliche Bilderbuch eignet sich bereits für sehr junge Kinder, da die farbenfrohen Illustrationen im Verhältnis zu den Texten deutlich mehr Raum einnehmen. Das etwas größere Format von 25,8 cm Breite auf 29,7 cm Höhe passt hervorragend zu Stephens' Illustrationen. So kommen alle Details, die sie in ihren Bildern versteckt, wie die vielen Gegenstände und Personen in der großen Kaufhaushalle und den verschiedenen Geschäften, gut zur Geltung. Der Wechsel zwischen Illustrationen, die gesamte Doppelseiten ausfüllen und kleineren Bildern mit und ohne Hintergrund ist an die Handlung angepasst. Das Foyer des Kaufhauses mit dem großen Weihnachtsbaum oder der Vorplatz mit dem Weihnachtsmarkt werden großflächig auf je einer Doppelseite gezeigt. Als Oliver verschwunden ist, sehen wir Noah ganz allein vor weißem Hintergrund, was seine Einsamkeit in diesem Moment noch unterstreicht. Die Suche nach dem Elefanten wird wiederum in kleinen Vignetten dargestellt, von denen gleich mehrere auf einer Seite platziert werden, um so die Vielfalt der durchsuchten Orte abzubilden. Die verschiedenen Bilder erinnern hier an eine Montage, wie man sie aus zahlreichen Filmen kennt, in der verschiedene Ausschnitte einer Handlung gezeigt werden, um das Verstreichen der Zeit anzudeuten.

Stephens deutet manche Strukturen von Stoffen oder Gegenständen nur mit ein paar Strichen an oder lässt Details wie die Schrift auf den Namensschildern der Kassiererinnen einfach weg. So gibt es für die jungen Rezipienten viel zu entdecken, ohne sie zu überfordern. Wunderbar gelingt es ihr hierbei, die Emotionen der Charaktere zu zeigen, obwohl deren Gesichtszüge ebenfalls nur aus wenigen Strichen bestehen. Auffallend und passend zum weihnachtlichen Thema sind die Farben rot und grün besonders häufig vertreten, so etwa bei Noahs rotem Pullover und seiner grünen Hose. Auch der Umschlag von Oliver Elefant wurde mit diesen Farben gestaltet. Die durch eine glänzende Folierung hervorgehobenen Elemente, wie der Titel, die Kette, die den Weihnachtsbaum schmückt und zahlreiche Sterne, verleihen dem Buch eine gewisse Wertigkeit. Der ebenfalls auf diese Weise glänzende Silberstreifen am linken Bildrand wirkt hierbei wie ein Geschenkband, das um das ganze Buch geschlungen wurde und verweist einmal mehr auf das Weihnachts-Thema, ohne dabei ins Kitschige abzurutschen.

Fazit

Dieses liebevoll gestaltete Bilderbuch eignet sich zum Vorlesen und zum Selbstlesen in der Weihnachtszeit und bietet viele Möglichkeiten, sich über das Fest, über das Schenken und die vielen Gegenstände, die auftauchen, zu unterhalten. Im Gegensatz zu anderen Bilderbüchern wird hier nicht vordergründig versucht, eine moralische Lehre zu transportieren. Stattdessen wird eine für Kinder ansprechend gestaltete, spannende Geschichte in der Vorweihnachtszeit erzählt. Mit vielen Details und einem anregenden Wortschatz ist dieses Buch für Kinder ab drei Jahren sicherlich ein wundervoller Begleiter für die kalte Jahreszeit.

Wir verlosen dieses Bilderbuch: Schreiben Sie uns zur Teilnahme an der Verlosung einfach eine eMail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! mit dem Titel des Bilderbuchs, Ihrem Namen und Ihrer Adresse an dem Tag, an dem wir das Bilderbuch vorstellen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Scarlett Saurat und die Redaktion wünschen Ihnen viel Glück und drücken alle Daumen!


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