von Anna K. Reistorff

Pippilothek??? Eine Bibliothek wirkt Wunder erzählt die Geschichte einer pfiffigen und lesebegeisterten Maus, die einem nicht-lesenden Fuchs die vielen Möglichkeiten einer Bibliothek zeigt. Dort lernt er nicht nur Bücher kennen, sondern eignet sich auch Wissen an und lernt durch ein Huhn das Lesen.

Pauli, Lorenz (Text)/Schärer, Kathrin (Bild): Pippilothek??? Eine Bibliothek wirkt Wunder!
atlantis, Zürich, 2011.
32 Seiten, 14,95 €
ISBN 9783715206202.
Empfohlen ab 4 Jahren.

Inhalt

In der Abendstille schleicht sich der Fuchs an die Maus heran und jagt sie durch ein Kellerfenster und enge Rohre bis in die "Pippilothek" wo sich die Maus hinter Regale flüchten kann. Die pfiffige Maus hält den Fuchs an und erklärt ihm, dass man in keinem Jagdgebiet, sondern in einer Bibliothek ist, wo es gewisse Regeln gibt und Bücher ausgeliehen werden können, um etwas zu lernen. So lenkt sie ihn mit einem Bilderbuch davon ab, sie zu fressen.

Am nächsten Tag kommt der Fuchs wieder und möchte die Maus mitnehmen, aber diesmal nicht zum Fressen, sondern damit sie ihm vorlesen kann, da er selbst noch nicht lesen kann. Die Maus hat aber keine Zeit und so geht der Fuchs erneut auf eine Jagd. Sein neuer Gaumenschmaus – das Huhn – rettet sich, indem es ihm versichert, dass Hühnerknochen für seinen Hals gefährlich seien. Es unterrichtet ihn aus einem Tierlexikon, einem Haustier-Ratgeber und weiteren Büchern, die das Huhn alle lesen kann. Der Fuchs beschützt das Huhn, indem er auf dem Bauernhof einen Fluchttunnel baut. Im Gegenzug soll das Huhn ihm das Lesen lehren. Zum Schluss ruft die Maus ihnen noch hinterher, dass sie ja alle Bücher rechtzeitig zurückbringen müssten, schließlich gebe es in der Bibliothek Regeln.

Kritik

Nach Ich mit dir, du mit mir (2008), mutig, mutig (2009) und Oma – Emma – Mama (2010) folgte 2011 ein weiterer Bilderbucherfolg des Autor- und Illustratorin-Duos Lorenz Pauli/Kathrin Schärer. Da die Handlung des Buches in der Abendstille spielt, wo keine Menschen in der Bibliothek sind, stellt die Illustratorin sowohl das Cover als auch die großen Doppelseiten in der Farbgestaltung sehr dunkel dar. Teilweise wird mit weißer Schrift auf schwarzem Hintergrund die düstere Atmosphäre in der Bibliothek gezeigt. Dennoch ist der Text auf dem einfarbigen Hintergrund gut leserlich und die Illustrationen beziehen sich immer auf die Textteile der entsprechenden Doppelseiten. Schärers Illustrationen sind auf einfache und klare Zeichnungen grafisch reduziert, sodass Unwichtiges in den dunklen Hintergrund rückt und das Augenmerk auf den tierischen Hauptakteuren und deren Handlungen liegt. Deshalb fällt auf den ersten Blick etwa der Verweis auf die Grafik Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer von Francisco de Goya gar nicht auf; erst beim näheren Betrachten des dunklen Hintergrunds sieht man die unheimlichen nächtlichen Wesen, die hinter dem schlafenden Fuchs und Huhn lauern (vgl. Abbildung). Durch den Einbezug von Collageelementen und der illustrierten Mimik der Tiere entsteht eine gewisse Lebendigkeit, sodass die Emotionen der liebenswerten Wesen dargestellt werden.

© 2011 Atlantis, Zürich

Auch durch die vielen Dialoge zwischen Fuchs und Maus erscheint die Geschichte lebendig. Die einfach formulierten Sätze lassen schon Vorschulkinder die Handlung leicht nachvollziehen. Der beiläufige Hinweis der Maus, dass man Hörbücher ausleihen darf, falls man noch nicht lesen kann, erscheint besonders für diese Zielgruppe oder ungeübte Leserinnen und Leser wertvoll. Eine Identifikation mit der Geschichte und den Akteuren (zum einen die pfiffige Maus und zum anderen der analphabetische Fuchs) ist für junge Kinder durchaus möglich. Das Buch kann als eine Art Einführung in die Welt der Bücher, der Bibliothek und des Lesens (vor)gelesen werden.

Dadurch, dass konkret das Lesen, die Bibliothek und insbesondere die Bücher im Vordergrund des Bilderbuchs stehen, ist es natürlich nicht abwegig, dass Lorenz Pauli die besondere Form des Bildzitats verwendet und hier Bücher im Buch genutzt werden. Zudem setzt er mit seiner Geschichte an das Motiv der Scheherazade aus tausendundeiner Nacht an, denn sowohl die Maus als auch das Huhn retten sich vor dem Tod durch Literatur (Vorlesen/Geschichtenerzählen).

© 2011 Atlantis, Zürich

Eine Fortsetzung der Pippilothek??? Eine Bibliothek wirkt Wunder wird es wohl nicht geben, da alle anfänglichen Probleme gelöst wurden und dem Fuchs und den Hühnern das Universum des Lesens von Bibliotheksbüchern eröffnet wurde. Jedoch kann auf ein weiteres aktuelleres Bilderbuch verwiesen werden, das eine ähnliche tierische Thematik hat: Ein Löwe in der Bibliothek von Michelle Knudsen und Kevin Hawkes (unsere Rezension hier).

Fazit

Da die Maus nicht nur dem Fuchs, sondern auch den jungen Leserinnen und Lesern das Verhalten in einer Bibliothek beschreibt und erklärt, eignet sich dieses Bilderbuch perfekt für Kinder ab ca. vier Jahren, die zum ersten Mal die Bibliothek besuchen. Besonders wertvoll erscheint die Tiergeschichte auch für die mediale Einführung in eine Schulbücherei.


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