von Sarah Aßmann

In der heutigen Zeit, wo alles schneller, effizienter und vor allem besser gehen muss, wird Kindern viel zu selten die Bedeutsamkeit ihrer eigenen Fähigkeiten und Fantasie bewusst gemacht. Dieses Buch schätzt auch die kleinen Dinge wert und verbreitet damit jede Menge Lebensfreude.

Bell, Davina (Text); Colpoys, Allison (Bild): Was du nicht alles kannst!
A. d. Englischen von Kathrin Köller.
Insel, Frankfurt, 2020.
32 Seiten, 14,90 €
ISBN 978-3-458-17860-6.
Empfohlen ab 3 Jahren.

Inhalt

Lesen können, in der Natur kleine Käfer entdecken, basteln, spielen, andere Leute trösten. Sich für Dinge interessieren, neugierig sein, Träume haben und sich in fantasievolle Welten begeben. All diese unscheinbar wirkenden Fähigkeiten von Kindern geraten allzu oft ins Hintertreffen. In einer Welt, in der Erfolg großgeschrieben wird, macht dieses Buch aufmerksam auf diese wichtigen, kleinen Eigenschaften.

Kritik

Das Buch Was du nicht alles kannst!, geschrieben von Davina Bell, ist ein lebensfrohes Mutmach-Buch. In liebevollen, kurzen Reimen wird den jungen Leserinnen und Lesern aufgezeigt, dass all ihre Eigenschaften, scheinen sie auch noch so bedeutungslos, sehr wertvoll sind und sie einzigartig machen. Dabei werden Charakterzüge mit ungewöhnlichen Tätigkeiten verknüpft.
So heißt es:

"Du bist schlau, weil du dich traust
und aus Kisten Boote baust." (o.S.)

Auch werden Fantasie und Träumereien positiv hervorgehoben.

"Ihr denkt euch tolle Spiele aus,
du träumst dich in die Welt hinaus." (o.S.)

Zudem wird Kindern vermittelt, dass allein ihre Fähigkeiten zählen und sie sich nicht mit denen anderer vergleichen oder gar messen sollten.
Durch diese schönen, gehaltvollen Texte wird nicht nur den kleinen, sondern vor allem auch den großen Lesern und Leserinnen wieder einmal die Bedeutsamkeit all dieser Fähigkeiten bewusst gemacht. Gerade in der heutigen Zeit, in der die Digitalisierung und damit auch die Schnelllebigkeit immer mehr Raum einnimmt, geraten Fantasie und Träumereien zu oft in Vergessenheit. Zeit, den eigenen Interessen nachzugehen, zu malen oder zu basteln, bleibt selten. Durch die wunderbaren, farbenfrohen und freundlichen Zeichnungen der Illustratorin Allison Colpoys werden die Aussagen nicht nur verstärkt, sondern sie regen zugleich die Fantasie an. Da sitzt ein kleines Kind auf einem Ast, umgeben von winzigen Feen. Ein Junge tröstet einen Dinosaurier und ein verkleidetes Mädchen lädt ein schüchternes Monster zum Spielen ein. Die Illustrationen spiegeln eine unbeschwerte Kindheit wider, wie sie, wortwörtlich, im Bilderbuch zu finden ist. Die Kinder auf den Bildern erforschen neugierig die Natur oder reiten in ihren Träumen auf einem Drachen.

Durch eine bunte Mischung aus verschiedenen Szenarien, angefangen im Dschungel, über den Zoo bis hin zur Feenwelt, spricht das Buch Mädchen und Jungen gleichermaßen an. Auf Geschlechtergleichheit wurde auch in den Texten ein Augenmerk gelegt. Oft werden die Leser und Leserinnen mit "Du" angesprochen, ansonsten ist es mal eine "Sie", dann wieder ein "Er". Besonders schön ist zudem, dass am Ende noch einmal alle Illustrationen, die die verschiedenen Charakterzüge und Fähigkeiten der Kinder verkörpern, zusammenkommen. Dabei bekommt man einen guten Überblick darüber, was man nicht alles kann.

Bei ihrem Zeichenstil verzichtet Allison Colpoys auf harte Konturen und setzt stattdessen auf Farbe, mit der die einzelnen Komponenten abgegrenzt werden. Dadurch entsteht ein schöner Kontrast. Farblich sind die Zeichnungen hauptsächlich in Blau, Grün und Orange gehalten. Beim ersten Durchblättern wirkt vor allem letztere Farbe sehr grell, wie ein Textmarker. Doch durch gekonnt gesetzte Akzente und ein geschultes Auge für schöne Farbkompositionen gelingt es der Illustratorin wunderbar, lebensfrohe Seiten zu gestalten.

Fazit

Gemeinsam haben Davina Bell und Allison Colpoys mit Was du nicht alles kannst! ein Buch geschaffen, dass Mut macht, Freude am Leben verbreitet und vor allem stolz macht, auf all die kleinen und großen Dinge, die man selbst kann. Eine Geschichte, die in jedes Kinderzimmer gehört und auch in den Bücherregalen der Erwachsenen stehen sollte. Zum Vorlesen ideal für Kinder ab drei Jahren oder zum selbst lesen für alle, die manches Mal an ihren eigenen Fähigkeiten und Werten zweifeln.

Erstveröffentlichung: 03.04.2020


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