von Sören Schmidt

Superhelden sind ein maßgeblicher Bestandteil der gegenwärtigen Kinolandschaft, und durch die Übernahme der Marvel-Filmstudios im Jahr 2009 dominiert Disney den Markt. Mit Baymax — Riesiges Robowabohu brachte der Medienkonzern die bis dahin relativ unbekannte Marvel-Comicreihe Big Hero 6 als lose Adaption auf die Leinwand.

Inhalt

Der Robotik-begeisterte Vollwaise Hiro Hamada vertreibt sich seine Zeit damit, in San Fransokyo Geld bei sogenannten "Bot-Kämpfen" zu verdienen — dort treten ferngesteuerte Miniaturroboter gegeneinander an. Sein älterer Bruder Tadashi wünscht sich allerdings, dass Hiro mehr aus seinem Potenzial macht und beschließt, ihm das Robotiklabor der Technischen Universität zu zeigen, an der Tadashi studiert. So lernt Hiro Tadashis Freunde Fred, GoGo, Wasabi und Honey Lemon kennen — und macht Bekanntschaft mit dem von Tadashi entwickelten Roboter Baymax, der programmiert wurde, um notleidenden Menschen zu helfen und in der Lage ist, Krankheiten und Verletzungen zu behandeln.

Der junge Hiro zeigt sich begeistert von den verschiedenen Forschungsprojekten und entscheidet sich daraufhin, ebenfalls Mitglied der Hochschule zu werden. Um sich für eine Aufnahme zu qualifizieren, arbeitet er an einem Projekt, das er auf der Wissenschaftsmesse präsentieren will: Er entwickelt sogenannte Microbots, eine Vielzahl kleiner Roboter, die sich mithilfe eines Transmitters vielfältig kombinieren lassen. Im Zuge der Präsentation zeigt sich der leitende Professor Robert Callaghan von Hiros Fähigkeiten beeindruckt und nimmt ihn in sein Programm auf. Der Professor warnt Hiro außerdem vor Alistair Krei, dem Präsidenten einer Robotik-Firma, der ebenfalls an dem Erwerb der Technologie interessiert ist. Hiros Erfolgshoch dauert allerdings nicht lange an, denn im Gebäude bricht ein Feuer aus. Tadashi läuft ins brennende Gebäude zurück, um seinen Mentor zu retten, als sich eine Explosion ereignet…

Hiro, welcher in jungen Jahren bereits seine Eltern verlor, muss durch den Tod seines Bruders nun einen weiteren Schicksalsschlag bewältigen. In tiefer Trauer kehrt er der Universität und Tadashis Freunden den Rücken. Einige Zeit später aktiviert Hiro jedoch aus Versehen Tadashis Roboter Baymax. Gemeinsam entdeckt das ungleiche Duo, dass ein maskierter Mann Hiros Idee der Microbots gestohlen hat und diese nun in Unmengen produziert. Um den augenscheinlichen Bösewicht zu stellen, der vermutlich für den Brand im Universitätsgebäude verantwortlich war, rüstet Hiro Baymax in einen karatekundigen Kampfroboter um. Es dauert nicht lange, bis der Roboter durch seine programmierte Fürsorglichkeit und durch das tapsige Erscheinungsbild den Jungen für sich einnimmt. Fred, GoGo, Wasabi sowie Honey Lemon ergänzen das Duo schließlich zu einem waschechten Superheldenteam.

Es gelingt der Gruppe um Hiro, den maskierten Mann auf einer Insel zu orten. Sie stellen fest, dass Alistair Krei dort an teleportfähigen Portalen arbeitete. Ein Teleportationsversuch endete dabei in einer Katastrophe: Eine junge Frau ging in einem instabilen Portal verloren, bevor es in sich zusammenbrach. Die Gruppe hat jedoch keine Zeit, um weitere Investigationen zu initiieren, da postwendend ein Angriff des maskierten Bösewichts erfolgt. Dieser entpuppt sich überraschenderweise als Professor Callaghan, der mithilfe der entwendeten Microbots das Feuer der Universität überlebte. Wie sich später herausstellt, will er den Verlust seiner Tochter rächen — jener Pilotin, die in Kreis Portal verschwand.

Hiro sinnt aufgrund von Tadashis Tod ebenfalls auf Rache und befiehlt Baymax, den Professor zu vernichten. Die anderen Mitglieder des Teams können dieses Vorhaben jedoch unterbinden und so gelingt es dem Gegenspieler, zu entkommen. Wütend lässt Hiro seine Freunde allein auf der Insel zurück und versucht erneut, Baymax umzuprogrammieren, als er alte Videoaufnahmen von Tadashi und Baymax entdeckt. Die Aufnahmen rufen Hiro wieder die eigentliche Aufgabe des Roboters in den Sinn, nämlich notleidenden Menschen zu helfen, wodurch der Junge seinen Rachewunsch überwinden kann.

Callaghan hingegen hält an seinem Rachefeldzug fest, welcher ihn schließlich zum Unternehmenssitz von "Krei Tech Industries" führt. Dort will er durch ein rekonstruiertes Portal den Firmenchef Alistair Krei und dessen Unternehmen zerstören. Es beginnt das finale Gefecht zwischen Hiros Superheldenteam und dem Professor. Auch wenn der Hauptsitz von Krei Tech wenig später nur noch aus Schutt und Asche besteht, kann das bunte Kollektiv schlussendlich dennoch den Tag retten und kämpft fortan in San Fransokyo für Recht und Ordnung.

Kritik

In der Gesamtheit fühlt sich Baymax — Riesiges Robowabohu wie ein typischer Film des gegenwärtigen Superheldenkinos an, dessen Schemata er gezielt bedient: Er ist tempogeladen, bietet zahlreiche Action-Sequenzen, stellt ein Kollektiv dar, welches mithilfe von besonderen Fähigkeiten selbstlos gegen das Böse kämpft — und hält für Kenner von Comicverfilmungen nicht zuletzt den Marvel-typischen Gastauftritt von Stan Lee als kleine humoristische Überraschung bereit.

Für den Film rund um den Roboter Baymax schlagen die Walt Disney Animation Studios also nach dem eher klassischen und gesangslastigen Die Eiskönigin — Völlig unverfroren eine moderne Richtung ein, die so sicht- wie hörbar ist: Während Idina Menzel beim Film rund um die namensgebende Eiskönigin melancholisch über das Loslassen singt, gibt bei Baymax — Riesiges Robowabohu nun die Rockband Fall Out Boy beim Titellied mit Bass, Gitarre und Schlagzeug den Ton an, und der von Henry Pryce Jackman komponierte Score erinnert eher an genreverwandte Superheldenfilme wie Marvel's The Avengers als an die traditionellen Disney-Animationsfilme.

Auch das Setting unterscheidet sich von den Naturlandschaften der klassischen Disney-Werke, die statt Superhelden vor allem Prinzessinnen beheimaten: Superhelden ersetzen einen altertümlichen Hochadel, Wolkenkratzer ersetzen Schlösser und Technologie ersetzt Magie. Das kunterbunte, detailliert gestaltete San Fransokyo ist ein Hybrid aus San Francisco und Tokyo, eine Metropole, in der modernste Technologie und Retro-Romantik miteinander verschmelzen. Während sich etwa in einem Viertel eine antike Straßenbahn ihren Weg durch eine urige Straße bahnt, bewegt sich in einem anderen Stadtteil eine moderne Hochbahn rasant zwischen neuartigen, mit knallbunten Neonreklamen bespickten Wolkenkratzern hindurch.

Der Protagonist des Films, Hiro Hamada, durchläuft eine ähnliche Charakterentwicklung wie viele andere Disney-Hauptfiguren: Zunächst rebellisch, muss der Junge durch den plötzlichen Verlust eines nahestehenden Verwandten lernen, autonom sowie verantwortungsbewusst zu agieren und entwickelt sich so schließlich zu einem selbstlos handelnden Erwachsenen. Das Motiv des unvollkommenen Superhelden ist zwar sattsam bekannt, aber vor allem für jüngere Rezipienten bietet Hiro ausreichend Identifikationspotenzial.

Der eigentliche Star des Films ist aber der namensgebende Roboter Baymax, welcher im Original von dem US-Amerikaner Scott Adsit und im Deutschen von dem Komödianten Bastian Pastewka synchronisiert wird. Während Baymax in der Comic-Vorlage als synthetisches, drachenähnliches Wesen dargestellt wird, ist er im Disney-Film ein minimalistisch gestalteter aufblasbarer Roboter, der durch sein tapsiges Erscheinungsbild einen hohen Wiedererkennungs- und Vermarktungswert hat, was zweifelsohne dem Merchandising des Disney-Konzerns in die Karten spielt.

Im Großen und Ganzen funktioniert der 2015 mit dem Oscar als bester Animationsfilm ausgezeichnete Film als stimmiger und kurzweiliger Family-Entertainment-Film, der zwar keine neuen erzählerischen Wege beschreitet, aber auf für alle Altersstufen interessante Weise klassische Motive wie Freundschaft, Rache und Verlust behandelt. Diese Disney-typischen Motive sind dabei lebensweltnah und für die Rezipienten unterschiedlichsten Alters leicht nachzuvollziehen. Durch die Figurenvielfalt werden die Motive zusätzlich für verschiedene Altersgruppen aufbereitet. So wird etwa der Rachewunsch zum einen anhand des heranwachsenden Hiros und zum anderen anhand des erwachsenen Robert Callaghan thematisiert. Hinzu kommt, dass alleine schon der Roboter Baymax und sein pflichtgemäßer Umgang mit den Herausforderungen und Gefahren das Werk zu einem sehenswerten und unterhaltsamen Erlebnis für Jung und Alt machen. In diesem Sinne: "Ba-la-la-la-la-la!"

Fazit

Wenngleich Baymax — Riesiges Robowabohu kein erzählerischer Disney-Meilenstein ist, bietet der Film rund um den aufblasbaren Roboter filmische Unterhaltung für junge und alte Rezipienten. Dass der Film dabei auch für die kleineren Filmfans geeignet ist, liegt vor allem daran, dass Hiros heldenhaftes Team weniger schonungslos agiert als einige Mitglieder diverser anderer Superheldenkollektive der gegenwärtigen Kinolandschaft.

 

 

Titel: Baymax – Riesiges Robowabohu
Originaltitel: Big Hero 6
Genre: Superheldenfilm, Science-Fiction, Komödie, Action
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2014
Dauer: 102 Minuten
Altersfreigabe: ab 6 Jahren
Erscheinungsdatum (Deutschland): 22.01.2015
Verleih: Walt Disney Germany
Einspielergebnis weltweit: 658 Mio. US-$ (laut boxofficemojo.com, Stand: Mai 2017)
Regisseur: Don Hall, Chris Williams
Drehbuch: Jordan Roberts, Robert L. Baird, Daniel Gerson
Musik: Henry Jackman
Sprecher:

Scott Adsit / Bastian Pastewka  (Baymax), Ryan Potter / Amadeus Strobl (Hiro), T.J. Miller / Andreas Bourani (Fred), Jamie Chung / Nora Huetz (GoGo), Damon Wayans Jr. / Daniel Zillmann (Wasabi), Génesis Rodríguez / Maria Hönig ( Honey Lemon), Daniel Henney / Daniel Fehlow (Tadashi), Maya Rudolph / Vera Teltz (Cass Hamada), James Cromwell / Ronald Nitschke (Robert Callaghan), Alan Tudyk / Peter Flechtner (Alistair Krei), Stan Lee / Peter Groeger (Freds Vater)

Schnitt: Tim Mertens
Produzent: Roy Conli
Empfohlen ab neun Jahren

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