von Svenja Thomas

Seit 2017 veröffentlicht das Streaming-Portal Netflix die in den USA bekannten Archie-Comics als Serienadaption: Im Mittelpunkt der Real-Serie steht der 17-jährige High-School-Schüler Archie, der zusammen mit seinen Freunden Betty, Veronica und Jughead die Geheimnisse und Intrigen in seiner kleinen Heimatstadt Riverdale aufzudecken versucht.


Inhalt

Nach dem mysteriösen Verschwinden und wahrscheinlichem Tod des ebenso beliebten wie geheimnisvollen Schülers Jason Blossom nach einer Bootsfahrt mit seiner Zwillingsschwester Cheryl (Madelaine Petch) herrscht in der verschlafenen Kleinstadt Riverdale noch immer Entsetzen und Trauer über den plötzlichen Verlust. Während die Polizei unter dem Druck der Eltern und Einwohner versucht, die Puzzleteile im Falle Blossom zusammenzutragen, bereiten sich die Schüler der Riverdale-High-School nach ihrer langen Sommerpause auf den Beginn des nächsten Schuljahres vor.

Archibald "Archie" Andrews (K. J. Apa), der sich in den Sommerferien dazu entschlossen hat, eine Karriere als Musiker zu beginnen, statt weiter Football zu spielen, versucht noch vor Schulbeginn die Freundschaft zu seinem langjährigen Schulkameraden Jughead "Jug" Jones (Cole Spouse) nach einer längeren Kontaktpause wieder aufzunehmen. Der eigensinnige Jughead hingegen ist gerade damit beschäftigt, die mysteriösen Ereignisse in Riverdale schriftstellerisch zu durchleuchten, mit dem Ziel, die Geheimnisse zu lüften und seinen ersten Roman fertigzustellen.

Zur gleichen Zeit freut sich die Vorzeige-Schülerin Elizabeth "Betty" Cooper (Lili Reinhart) darauf, ihren besten Freund und geheimen Schwarm Archie wiederzusehen, um ihm ihre Liebe zu gestehen – und hoffentlich bald mit ihm zusammen zu sein. Als jedoch die neue Schülerin Veronica Lodge (Camila Mendes) zusammen mit ihrer Mutter Hermione (Marisol Nichols) in das sonst so langweilige Städtchen zieht und schnell Archies Aufmerksamkeit gewinnt, scheint der Traum von einer Beziehung mit Archie für Betty zu platzen. Veronica, die sich seit der Verurteilung ihres reichen, jedoch kriminellen Vaters dazu entschlossen hat, ein besserer Mensch zu werden, steht aber zu ihrer neu gewonnen Freundin Betty und verspricht ihr, die Finger von Archie zu lassen.

Während die vier Jugendlichen ihre sozialen Beziehungen zueinander neu ausloten, wird Jason Blossoms Leiche im Fluss gefunden — und die Todesursache lässt schnell auf Mord schließen. Dabei rückt insbesondere die Zwillingsschwester des Verstorbenen, Cheryl, in den Fokus der Ermittlungen und das allgemeine Misstrauen der Bewohner Riverdales wächst zunehmend.

Im weiteren Verlauf der ersten Staffel versuchen Archie, Betty, Veronica und Jughead den mysteriösen Mord an Jason Blossom aufzuklären – dabei kommt es immer wieder zu geheimnisvollen Umständen, die die Zahl der verdächtigen Personen stetig größer werden lässt und die Ermittlungen in überraschende Richtungen lenkt. Die vier jugendlichen Protagonisten versuchen — trotz Ausgangssperren und Verboten seitens ihrer Eltern — die Rätsel und Intrigen ihrer kleinen Heimstadt selbständig zu lösen. Dabei decken sie nicht nur erschütternde Familiengeheimnisse und Korruption innerhalb Riverdales politischer Spitze auf, sondern kommen auch dem wahren Mörder ihres Schulkameraden gefährlich nahe.

Verleih: Berlanti Productions, Warner Bros.

Kritik

Die Archie-Comics werden seit den frühen 1940ern vom gleichnamigen Verlag Archie Comic Publications (früher: MLJ Magazine) herausgegeben und sind in Amerika bis heute sehr beliebt. In Deutschland hingegen sind die Archie-Comics weitgehend unbekannt, wobei andere Comics wie beispielsweise Sabrina, the Teenage Witch (zu deutsch: Sabrina – Total Verhext!) als Serienadaption auch im deutschen Fernsehen der 90er Jahre erfolgreich waren. Bei der seit 2017 auf Netflix laufenden Serie Riverdale handelt es sich um eine von dem Produzenten Greg Berlanti entwickelte, moderne Interpretation der Archie-Comics, die sich durch die starke Einbindung von Mystery-Elementen vom Original abgrenzt. Im Gegensatz zu den Comics, die typischerweise bunt, fröhlich und überzeichnet gestaltet sind, wirkt die Serienadaption durch ihre starken, gesättigten Farbkontraste, oftmals diffusen und weitläufigen Kameraeinstellungen und des Voice-Overs des fiktiven Erzählers Jughead Jones düsterer und bisweilen surrealistisch. Diese teils beklemmende Düsternis wird jedoch durch den Wortwitz der Hauptfiguren und die poppigen und oftmals originellen Lieder von "Josie and the Pussycats", der ausschließlich mit weiblichen Mitgliedern besetzten Schulband, unterbrochen. Obwohl die Serie zeitlich in der Gegenwart spielt, werden immer wieder anachronistische Elemente hervorgehoben. So wirkt das Anwesen der reichen Blossom-Familie wie aus der Zeit gefallen, auf den Straßen fahren bisweilen restaurierte Oldtimer und auch der Lieblingstreffpunkt der Protagonisten, ein Straßendiner, atmet die Atmosphäre der 50er Jahre. Die Ausstattung der Serie lässt sich somit teils als Hommage an die Ästhetik der klassischen Archie-Comics verstehen.

Dramaturgisch ist Riverdale ähnlich konzipiert wie die meisten beliebten Teenie-Drama-Serien und stellt eine runde Mischung aus Teenager-Soap wie in Gossip Girl, starken Mystery-Elementen à la Twin Peaks und Krimianteilen im Stile von Pretty Little Liars dar. So weckt die Serie das Interesse der Zuschauer für die Lebenswelt der jungen Hauptfiguren bereits ab der ersten Folge und erhält den Spannungsbogen über die gesamte Staffel hinweg aufrecht. Wie schon in den Comics stehen die vier jugendlichen Freunde Archie, Betty, Veronica und Jughead im Vordergrund der Erzählung: Sie versuchen, die Geheimnisse und Intrigen ihrer Heimatstadt aufzudecken und werden dabei immer öfter mit unliebsamen Wahrheiten konfrontiert. In dieser Konstellation entwickeln sich im Laufe der 13 Folgen verschiedene, teils komplexe Beziehungsmuster zwischen den jungen Protagonisten.

Dabei sind insbesondere die Hauptfiguren nicht so stereotypisch dargestellt, wie es bei einer solchen Teenager-Serien zu erwarten wäre: Die Serie legt offenbar großen Wert auf die Umkehr von eindimensionalen Klischees über jugendliche Figuren. So beschließt der beliebte Archie, sein Sporttrikot – und somit auch seine Position als Captain – für seine musikalische Leidenschaft an den Nagel zu hängen. Die reiche und bisher recht verwöhnte Großstadtprinzessin Veronica versucht währenddessen, sich von ihren alten, schlechten Gewohnheiten zu trennen, um ein besserer Mensch zu werden. Die Vorzeige-Schülerin Betty schlägt ebenfalls einen neuen Weg ein und beginnt, entgegen dem Willen ihrer strengen Eltern, eine kritische und investigative Journalistin zu werden, während der eigenbrötlerische Außenseiter Jughead langsam wagt, vertrauensvolle Beziehungen aufzubauen. Auf diese und andere Weise unterwandert die Serie konsequent Perfektionserwartungen, was es den Zuschauern erlaubt, immer tiefer hinter die idealisierte Fassade des Kleinstadtlebens von Riverdale zu blicken. Diese gesellschaftskritischen Ansätze sind neu und haben wenig mit den Original gemein, geht es in den klassischen Archie-Comics doch meist allein darum, dass Hauptfigur Archie als "America's typical teenager" versucht, das andere Geschlecht zu beeindrucken.

Mit der Entscheidung, mehrere Hauptfiguren zu etablieren, geht die multiperspektivische Erzählstruktur der Serie einher: In jeder Folge wird der Fokus auf die verschiedenen – teils verbundenen, teils voneinander unabhängigen – Erlebnisse der zentralen Figuren gesetzt. Somit kann der Zuschauer verschiedene Perspektiven nachvollziehen und weiß zumeist mehr als die einzelnen Figuren. Dennoch ist nicht immer klar erkennbar, welchen der dargestellten Personen tatsächlich zu trauen ist und wer sich hinter seinen Lügen versteckt. Auf diese Weise wird auch der Rezipient am Rätsel um die Ermordung von Jason Blossom und die Geheimnisse von Riverdale beteiligt und muss bis zur Auflösung seine eigenen Theorien bilden.

Verleih: Berlanti Productions, Warner Bros.

Fazit

Greg Berlanti ist eine originelle Interpretation der Archie-Comics gelungen, die zwar nicht unbedingt durch eine innovative Geschichte, dafür aber durch eine neuartige Darstellung der einzelnen Charaktere, einen poppigen Soundtrack und überzeugende Schauspieler glänzt. Da es sich um eine Teenie-Serie handelt, deren Erzählgrundlage auf dem Mord eines Schülers beruht, ist eine Altersempfehlung von 16 Jahren angebracht.

Titel: Riverdale
Originaltitel: Riverdale
Comicvorlage: Archie Comic Publications: Archie
Genre: Jugendserie: Drama, Mystery
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2016
Dauer: 43 Minuten pro Episode (13 Episoden in der 1. Staffel)
Altersfreigabe (FSK): Ab 12 Jahren
Erscheinungsdatum (Deutschland): 27.01.2017 auf Netflix
Verleih: Berlanti Productions, Warner Bros.
Produzenten: Greg Berlanti, Jon Goldwater, Sarah Shechter, Roberto Aguirre-Sacasa u.a.
Drehbücher: Roberto Aguirre-Sacasa u.a
Musik: Blake Neely
Darsteller: K.J. Apa (Archie Andrews), Lili Reinhart (Betty Cooper), Camila Mendes (Veronica Lodge), Cole Sprouse (Jughead Jones), Casey Cott (Kevin Keller), Madelaine Petsch (Cheryl Blossom), Luke Perry (Fred Andrews), Ashleigh Murray (Josie McCoy), Marisol Nichols (Hermione Lodge), Mädchen Amick (Alice Cooper), Skeet Ulrich (FP Jones), Lochyn Munro (Hal Cooper), Mark Consuelos (Hiram Lodge), Nathalie Boltt (Penelope Blossom), Hayley Law (Valerie Brown) u.v.m.
Regie: Lee Toland Krieger, Mark Piznarski, Jesse Warn u.a
Empfohlen ab sechzehn Jahren

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