von Frank Münschke

Bunte Farben, schnelle Schnitte und sehr viel Werbung. Willkommen in der Welt des Internets und des Disney-Animationsfilms Ralph reichts 2: Chaos im Netz, der den Zuschauer mit auf eine atemberaubende Reise nimmt.

Inhalt

Die beiden Freunde Randale-Ralph und Vanellope von Schweetz sind Teil einer Videospielwelt und des niedlichen Kart-Rennspiel Sugar Rush, in dem Vanellope regelmäßig ihre Kontrahenten hinter sich lässt. Doch die Zukunft des Spiels steht in den Sternen, denn das Lenkrad des Spielautomaten, mit dem Kinder in einer Spielhalle Sugar Rush spielen können, ist defekt und wird nicht mehr produziert. Ein gebrauchtes kostet bei Ebay 200 Dollar – doch das kann sich der Spielhallen-Besitzer nicht leisten. Also nehmen Ralph und Vanellope die Sache selbst in die Hand und begeben sich in der Welt des Internets auf die Suche nach einem Ersatzlenkrad.

Das Internet wird in Chaos im Netz visualisiert und ist aufgebaut wie eine Megacity: Jedes Unternehmen hat ein eigenes Gebäude, überall herrscht reger Betrieb, Webseiten-Anwerber verstopfen die Straßen. Ralph und Vanellope müssen sich zuerst orientieren, finden aber relativ schnell den Weg zur Ebay-Zentrale – und entdecken auch die Auktion des Lenkrads. Nur wissen sie leider nicht, wie das Prinzip der Auktionsplattform funktioniert und ersteigern das Ersatzteil für satte 27.001 Dollar. Sie haben nun 24 Stunden Zeit, um das Geld aufzutreiben und dabei passiert so einiges: Ralph wird ein YouTube-Star, Vanellope fährt in dem modernen und gefährlicheren Autorennen Slaughter Race mit, sie lernen teilweise sehr obskure Figuren kennen. Die beiden stoßen dabei an ihre Grenzen und ihre Freundschaft geht fast in die Brüche.

Kritik

Chaos im Netz ist die Fortsetzung des Animationsfilms Ralph reichts aus dem Jahr 2012. Die Disney Animationsstudios gehen – ebenso wie Pixar mit Die Unglaublichen 2, der Ende September 2018 in den deutschen Kinos anlief – kein Risiko ein und veröffentlichen den zweiten Teil einer erfolgreichen Produktion. Das funktioniert zu großen Teilen: Die Handlung ist spannend und teilweise atemberaubend, die Themen werden größtenteils kindgerecht umgesetzt und es kommt immer wieder zu humorvollen Szenen – auch wenn es dabei zu einigen repetitiven Momenten kommt.

Im Zentrum der Handlung steht die Freundschaft zwischen Vanellope und Ralph, die zwischenzeitlich auf eine harte Probe gestellt wird. Das Ende ist dabei durchaus überraschend: Vanellope kehrt nicht in ihr ziemlich eintöniges Videospiel zurück – sondern bleibt in der Welt des Abenteuers und der stetigen Veränderung. Das ist für eine Disney-Produktion, in denen ansonsten oftmals konservative Lebenskonzepte und Botschaften im Zentrum stehen, fast schon innovativ. Darauf wird in Chaos im Netz übrigens selbstironisch angespielt, wenn Vanellope auf der Disney-Webseite in einem Raum auf alle Prinzessinnen des Universums trifft – eine gewisse Parallele zu den Shrek-Filmen, in denen der Protagonist immer wieder mit verschiedenen Märchenfiguren zusammenstößt, ist dabei nicht von der Hand zu weisen.

Die Figuren sind klar gezeichnet: Randale-Ralph ist etwas naiv und ungeschickt, aber gutmütig und verlässlich, Penelope ist pfiffig, aufgedreht, unorganisiert und liebevoll. Sie ergänzen sich durch ihre Gegensätzlichkeit, bilden ein scheinbar perfekt eingespieltes Team und bieten sich als Identifikationsfiguren für ein kindliches Publikum an.

Erzählerisch orientiert sich Chaos im Netz an der klassischen 3-Akte-Struktur und geht in dieser Hinsicht kein Risiko ein, sondern vertraut auf eine gängige Dramaturgie. Was auffällig ist: Der Film weist eine enorm hohe Schnittfrequenz auf und passt sich damit (wohl) den aktuellen Sehgewohnheiten von Kindern und Jugendlichen an, die sich auch auf Plattformen wie YouTube widerspiegeln – und auch ein Zeichen für die Hektik im digitalen Zeitalter sind. Dadurch entsteht eine kurzweilige und temporeiche Erzählung, die den kindlichen (und erwachsenen) Zuschauer auf der Handlungsebene gut unterhält und nicht zur Ruhe kommen lässt. Das kann allerdings durchaus kritisch gesehen werden, denn der Zuschauer findet keine Zeit, sich auf einzelne Bilder und Einstellungen einzulassen und den Blick für Details, für den visuellen Aufbau eines Bilds, für die Mise-en-Scène zu schulen.

Die Visualisierung des World Wide Web ist bunt und grell: eine Überflutung von Reizen, sie gleicht einem Wimmelbild. Doch wenn Ralph kurz im Darknet untertaucht, um einen Virus zu kaufen, dann kommt es zu einem Bruch mit diesem Glanz und der Farbenbracht. Gerade wenn der Virus das Autorennspiel Slaughter Race angreift, sich Ralph anschließend vertausendfacht, überwiegt eine düstere Bildsprache und die Szenen wirken durchaus bedrohlich, weshalb der Film erst ab acht Jahren empfohlen wird. Ebenso wie der erste Teil bedient sich Chaos im Netz zudem immer wieder einer Computerspielästhetik: Das wird gerade in den beiden Autorennspielen durch Kameraperspektiven, Montage und die grundsätzliche visuelle Gestaltung deutlich.

Bei einem kritischen Blick auf Chaos im Netz kann man zudem zu dem Schluss kommen, dass es sich dabei um eine Dauerwerbesendung handelt, in der sowohl die mächtigsten Internetfirmen wie Amazon oder Ebay prominent platziert werden als auch ikonographische Disneyfiguren selbst – von subtiler Intertextualität kann hier zumindest nicht gesprochen werden.

Fazit

Ralph Reichts 2: Chaos im Netz von Phil Johnston und Rich Moore ist insgesamt eine bildgewaltige und hektisch erzählte Entdeckungsreise durch das Internet, die einer gängigen Dramaturgie folgt, die Freundschaft zwischen den beiden Hauptfiguren zentral verhandelt und mit einem durchaus mutigen Schluss aufwartet. Kinder ab acht Jahren, aber auch internetaffine Erwachsene dürften ihren Spaß haben.

 

Titel: Ralph reichts 2: Chaos im Netz
Originaltitel: Ralph breaks the Internet
Genre: Animation, Komödie
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2018
Dauer: 113 Minuten
Altersfreigabe: Ab 6 Jahren
Erscheinungsdatum (Deutschland): 24.01.2019
Verleih: Disney
Einspielergebnis weltweit: 458 Mio. US-$ (Stand: 24.01.2019)
Regie: Phil Johnston, Rich Moore
Drehbuch: Phil Johnston, Pamela Ribon
Musik: Henry Jackman
Synchronsprecher: Randale-Ralph (Stimme im Original: John C. Reilly), Vanellope von Schweetz (Stimme im Original: Sarah Silverman)
Kamera: Nathan Warner
Schnitt: Jeremy Milton, Fabienne Rawley
Produzent: Clark Spencer
Empfohlen ab acht Jahren

 


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