Die Modernisierung Lummerlands

von Nadja Bischoff

Michael Endes Erfolgsromane zweimal anders: Ab 1976 verzaubert die Augsburger Puppenkiste mit der Verfilmung von Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer und Jim Knopf und die Wilde 13 die Zuschauer mit ihren Marionetten. Seit 1999 sind Michael Endes beliebte Figuren auch als Helden einer bunten und rasanten Zeichentrickserie im Fernsehen zu sehen.

Inhalt

Während sich die Versionen der Augsburger Puppenkiste eng an Endes 1960 erstmals erschienener Vorlage orientieren, geht die 52 Folgen umfassende Zeichentrickserie freier mit dem originären Stoff um. Die Unterschiede zwischen beiden Adaptionen zeigen sich bereits in der jeweils ersten Folge:

In der ersten Folge der Adaption der Augsburger Puppenkiste, Von Lummerland nach China, bringt der Briefträger ein mysteriöses Paket auf die kleine Insel Lummerland. Diese ist die Heimat des Lokomotivführers Lukas, seiner Lokomotive Emma, König Alfons des Viertelvorzwölften, des Inselfotografen Herr Ärmel und von Frau Waas, die einen Krämerladen betreibt. In dem Paket befindet sich ein Baby. Die Inselbewohner beschließen, das Baby aufzunehmen und geben ihm den Namen Jim. Als Jim zu einem Teenager herangewachsen ist, entscheidet König Alfons, dass die Lokomotive Emma wegen Platzmangels die kleine Insel verlassen muss. Lukas beschließt deshalb, Lummerland gemeinsam mit seiner Lokomotive zu verlassen. Doch auch Jim, der die Pläne seines besten Freundes mitangehört hat, schließt sich ihnen an. Gemeinsam verlassen Jim, Lukas und Emma die Insel und erleben fernab der Heimat viele aufregende Abenteuer.

Die erste Folge der von Bruno Bianchi gedrehten Zeichentrickserie (Titel der Folge: The surprise package) beginnt nicht auf Lummerland, sondern in der Heimat des Drachen Frau Mahlzahn: Ihr Arzt gibt Frau Mahlzahn den Rat, dass Lachen hilft, glücklich zu sein. Dazu braucht Frau Mahlzahn Kinder, die ihr dies beibringen. Sie beauftragt die Piraten der Wilden 13, Kinder zu entführen. Nachdem die Piraten ihre Kinderbeute abgeliefert haben und ihren Geldlohn erhalten haben, stellen sie auf hoher See fest, dass sie ein Kind an Bord vergessen haben. Sie beschließen, dieses per Post an Frau Mahlzahn zu schicken, um sich den erneuten Rückweg zu ersparen. Auf dem Postamt kommt es zu einem glücklichen Missgeschick und zwei Pakete werden vertauscht...

                       

 

Kritik

Die Verfilmung der Augsburger Puppenkiste besticht durch die mit den ästhetischen Mitteln des Fernsehens umgesetzte Darstellung des Puppentheaters und einer geringen Anzahl an Charakteren. Typisch für den Augsburger Marionettenstil sind die charismatisch geschnitzten Marionettenfiguren, eine geringe Bild- bzw. Schnittsequenz, langsames Sprechtempo und auffällig viele Wortwiederholungen. Im deutlichen Gegensatz zu dieser gleichsam bundesrepublikanischen Gemütlichkeit steht die Zeichentrickserie, mit der dem Fernsehzuschauer eine bunte, rasante und actionreiche Serie geboten wird. Die Serie bietet eine wesentlich größere Anzahl an Charakteren, eine deutlich höhere Bild- bzw. Schnittsequenz sowie temporeichere Musik und schnelleres Sprechtempo.

Auch wählen die Adaptionen unterschiedliche Einstiege in die Geschichte von Jim und Lukas: Die Augsburger Puppenkiste beginnt mit der Vorstellung Lummerlands und seiner Bewohner und handelt die Ereignisse, die dazu führen, dass Jim in einem Paket auf der Insel landet, im Verlaufe der Serie in Rückblenden bzw. Charakterdialogen ab. Zudem bleibt es lange Zeit unklar, warum Jim in dem Paket gelandet ist. Die Zeichentrickserie hingegen entscheidet sich für eine chronologische Vorgehensweise und beginnt mit den auslösenden Ereignissen bei Frau Mahlzahn.

Deutliche Unterschiede gibt es bei der ästhetischen Gestaltung der Serien: Der Augsburger Gemütlichkeit Lummerlands und ihrer Bewohner, deren einfache Dialoge allesamt auf Kinder ausgelegt sind, und dem unvergesslichen Titelsong von Hermann Amann steht eine rasant und in bunten Bildern inszenierte Trickserie gegenüber, die der Medienkompetenz ihrer heutigen Zuschauer angepasster ist.

Fazit

Wird die Zeichentrickserie eher den Geschmack der heutigen jungen Zuschauer treffen, bleibt der Kultstatus der Verfilmungen der Augsburger Puppenkiste bei jungen wie älteren Zuschauern dennoch ungebrochen. Beide Adaptionen bilden auf ihre Art und Weise einen gelungenen Weg, die wundervollen Geschichten Michael Endes über Jim Knopf und Lukas den Lokomotivführer kennen und lieben zu lernen.

 

Titel: Augsburger Puppenkiste: Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer
Produktionsland: Bundesrepublik Deutschland
Produktionsjahr: 1976
Folgen: Folge 1: Von Lummerland nach China; Folge 2: Von China in die Wüste; Folge 3: Von der Wüste in die Drachenstadt; Folge 4: Von der Drachenstadt nach Lummerland
Dauer: 113 Minuten (alle vier Episoden zusammen)
Altersfreigabe: Ohne Altersbeschränkungen
Erscheinungsdatum (Deutschland): 06.02.1977
Verleih: S.A.D. Home Entertainment GmbH
Regisseur: Manfred Jenning
Drehbuch: Manfred Jenning
Buchvorlage: Michael Ende
Kamera: Jürgen Hermann, Eckhard Lübke
Musik: Hermann Amann, Josef Furchtner
Bühnenbild: Traudl Vogler
Puppen: Hannelore Marschall
Kostüm: Rose Oehmichen
Produzent: Heinz Niemczik

                

 

Titel:

Jim Knopf
Originaltitel: Jim Button and Lucas the Engine Driver
Produktionsland: Deutschland und Frankreich
Produktionsjahr: 1999/2000
Dauer: 25 Minuten pro Episode
Altersfreigabe: Ohne Altersbeschränkung
Erscheinungsdatum (Deutschland): 12.11.1999
Verleih: CinéGroupe
Regisseur: Bruno Bianchi
Drehbuch: Philippe Daniau, Sophie Decroisette, u.a.
Buchvorlage: Michael Ende
Synchronsprecher: Konrad Bösherz (Jim Knopf), Thomas Fritsch (Lukas), Wolfgang Hess (Chef der Seeräuber), Gisela Fritsch (Frau Malzahn), Marie-Luise Marjan (Frau Waas)
Musik: Michel Dax
Produzent: Bruno Bianchi, Léon Arcand

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