von Dr. phil. Iris Mende

Verrottende Leichen statt glitzernder Vampire – Warm Bodies ist das bessere Twilight.

Inhalt

R (Nicolas Hoult) ist ein ziemlicher Loser. Den ganzen Tag schlurft er durch die Gänge eines alten Flughafens. Seine Gespräche mit "Freunden" beschränken sich auf Stöhnen und Grunzen. Gelegentlich frisst er menschliche Organe, am liebsten Gehirn. R ist ein Zombie.

An sein Leben vor der Zombie-Apokalypse kann sich R nicht mehr erinnern. Auch seinen eigenen Namen hat er vergessen – er weiss nur, dass er mit "R" anfing. Er versucht, sich einen Rest von Menschlichkeit zu bewahren, indem er in einem stillgelegten Flugzeug Erinnerungsstücke hortet. Doch seine Zukunft sieht düster aus: alle Zombies verwandeln sich langsam in lebende Skelette, die nicht einmal mehr ein schlechtes Gewissen haben, wenn sie die Lebenden fressen.

Verleih: Concorde

Doch alles ändert sich, als R Julie (Teresa Palmer) kennen lernt. Sie gehört zu den letzten überlebenden Menschen, die sich in der nahe gelegenen Stadt verbarrikadiert haben. Als sie und ihre Freunde sich auf der Suche nach Medikamenten die schützenden Mauern verlassen, werden sie von einer Gruppe Zombies überfallen. R frisst dabei das Gehirn von Julies Freund und erlebt eine seltsame Veränderung: er verliebt sich in Julie. Statt auch sie anzugreifen, rettet er sie vor den anderen Zombies und bringt sie in sein Flugzeug.

Es ist der Beginn einer ziemlich schrägen Liebesgeschichte. Julie, anfangs gelähmt vor Angst, erkennt, dass R nicht das seelenlose Monster ist, für das sie ihn gehalten hatte. Und R findet durch seine Gefühle für Julie tatsächlich zurück ins Leben. Natürlich birgt diese seltsame Beziehung großes Konfliktpotential, nicht nur, weil R Julies Ex-Freund getötet hat. Dass Julies Vater ein fanatischer Zombie-Jäger ist, macht die Sache auch nicht einfacher.

Doch der Familienstreit muss zunächst zurückstehen, denn es ist Gefahr im Verzug: Rs Verwandlung hat sich auf die anderen Zombies ausgewirkt, die ebenfalls wieder menschliche Gefühle entwickeln. Das wiederum stört die Skelett-Zombies, die sich daraufhin zum Angriff bereit machen. Menschen und Zombies müssen zusammenarbeiten, wenn sie überleben wollen…

Verleih: Concorde

Kritik

Das Genre des Zombie-Films boomt. Das Thema der lebenden Toten ist durch Horror-Filme wie 28 Days later (Danny Boyle, 2002), I am Legend (Francis Lawrence, 2007) oder World War Z (Marc Forster, 2013) und Parodien wie Shaun of the Dead (Edgar Wright, 2004) längst im Mainstream-Kino angekommen.

Doch ein Zombie in einer Liebesgeschichte? Das wirkt zumindest auf den ersten Blick befremdlich. Die Umdeutung funktioniert jedoch erstaunlich gut. Statt einfach nur in Form des seelenlosen Menschenfressers als Gegenspieler der menschlichen Protagonisten zu dienen, wird R von Anfang an als Identifikationsfigur eingeführt. Über Voice-over hören die Zuschauer die Gedanken Rs und stellen fest, dass die Untoten tatsächlich noch fähig sind, zu denken. Und abgesehen von seiner kulinarischen Vorliebe für menschliche Gehirne ist R eigentlich ein ganz sympathischer junger Mann.

Auch die Themen, die verhandelt werden, sind eigentlich ganz normale Teenager-Probleme: Wie kommt man an die Person heran, in das man sich verliebt hat? Wie verhält man sich, wenn man zum ersten Mal zusammen alleine ist? Und was macht man, wenn die Eltern den Freund nicht mögen?

Den Versuch, einer Teenager-Liebesgeschichte durch paranormale Aspekte mehr Exotik zu verleihen, kennt man natürlich schon aus der Twilight-Reihe. Zwar verfügt Warm Bodies ähnlich wie Twilight über die typischen Elemente, die ein jugendliches Zielpublikum ansprechen: Gutaussehende Hauptdarsteller, eine romantische Liebesgeschichte und Übernatürliches. Doch damit enden auch schon die Gemeinsamkeiten. Vor allem werden anders als in der Bis(s)-Reihe die unschönen Aspekte des Untoten-Daseins nicht umgedeutet und verharmlost. Die Zombies bleiben verrottende Kadaver, und sie werden auch nicht zu "Vegetariern", sondern fressen Gehirne, wie es sich für richtige Zombies gehört.

Verleih: Concorde

Dieses Prinzip wird allerdings nicht konsequent genug beibehalten. R ist zwar eine lebende Leiche, aber ansonsten körperlich unversehrt und daher für junge Mädchen immer noch attraktiv. Und gegen die unnatürliche Blässe hilft einfach ein bisschen Make-up. Ausserdem stellen die Zombies zwar für die Menschen eine Gefahr dar, diese ist aber wenig fassbar. Die einzige Szene, in der tatsächlich ein Angriff von Zombies auf Menschen stattfindet, stellt vor allem die erste Begegnung von R und Julie in den Vordergrund und macht weniger deutlich, welche Bedrohung tatsächlich besteht. Ohne richtige Gegner kommt der Film natürlich auch nicht aus, weswegen es zwei Stufen des Zombie-Daseins gibt: Zum einen die gewöhnlichen Zombies wie R, leicht vertrottelt, aber mit einem guten Kern, und zum anderen die lebenden Skelette, die eigentlichen Monster.

Der Film verfügt vor allem am Anfang über einen deutlich ironischen Unterton, der sich vor allem in Rs Kommentaren über sich selbst und die anderen Zombies äußert (R: "Was mache ich bloß aus meinem Leben? Ich sollte mehr an die frische Luft gehen. Und gesünder essen. Meine Körperhaltung ist miserabel. Ich sollte grader gehen. Man hätte mehr Respekt vor mir, wenn ich aufrechter ginge. Was ist los mit mir? Ich will doch nur Freunde finden. Warum krieg' ich keinen Kontakt zu anderen Menschen? Oh. Richtig. Weil ich tot bin. Ich sollte nicht so streng zu mir sein. Ich meine, wir sind ja alle tot. Dieses Mädchen ist tot. Der Kerl da ist tot. Der Typ da hinten in der Ecke ist definitiv tot. Gott, sehen wir schrecklich aus.").

Der grundlegenden Botschaft hingegen fehlt jegliche Ironie: Liebe überwindet alle Hindernisse und kann sogar die Welt verändern. Das mag für Erwachsene Zuschauer kitschig anmuten, sollte aber einem Film, der sich vorrangig an junge Menschen richtet, keinesfalls negativ angerechnet werden.

Fazit

Als etwas harmlose, aber durchaus ansprechende Liebeskomödie spricht Warm Bodies in erster Linie Teenager an. Seine komische Seite macht den Film aber auch für Erwachsene sehenswert.

Titel: Warm Bodies
Originaltitel: Warm Bodies
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2013
Dauer: 98 Minuten
Altersfreigabe: Ab 12 Jahren
Erscheinungsdatum (Deutschland): 21.02.2013
Verleih: Concorde
Einspielergebnis: $66.359.959 (Stand: 3. Mai 2013)
Regisseur: Jonathan Levine
Drehbuch: Jonathan Levine
Buchvorlage: Isaac Marion – Mein fahler Freund
Darsteller: Nicolas Hoult (R), Teresa Palmer (Julie Grigio), Analeigh Tipton (Nora), John Malkovich (General Grigio), Dave Franco (Perry), Robert Coddry (M)
Kamera: Javier Aguirresarobe
Musik: Marco Beltrami, Buck Sanders
Schnitt: Nancy Richardson
Produzent: David Hobermann, Todd Liebermann, Bruna Papandrea

 


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