von Kolja Marker

Eine Deutsche Kindersendung, in der sich Trickfilme zur Unterhaltung und Realfilme zur Wissensvermittlung wechselseitig ergänzen.

Handlung

Die chronologische Struktur der Sendung ist seit Folge 1 nahezu unverändert geblieben. Nach dem deutschsprachigen Vorspann, der seit 1973 von einem identischen, jedoch fremdsprachigen Vorspann ergänzt wird, folgen meist im Wechsel Trick- und Realfilme, ergänzt um Zeichentrickeinspielungen mit der Maus. Im Laufe der Jahre werden diese Geschichten um zusätzliche Charaktere wie den Elefanten (ab 23. Februar 1975) und die Ente (ab 2. Januar 1987) erweitert. Zu den Trickfilmen, den sog. Lachgeschichten, zählen Geschichten vom Kleinen Maulwurf oder dem Eisbären Lars. Ab 6. Oktober 1991 besteht der Schlussteil der Sendung aus einer Kurzgeschichte der Puppe Käpt'n Blaubär. Neben der Hauptfigur werden die Geschichten von Blaubärs drei Enkeln Gelb, Grün und Rosa sowie der Ratte Hein Blöd geprägt.

Die Realfilme, als Sachgeschichten tituliert, dienen der Wissensvermittlung und haben eine thematisch weit gefasste Bandbreite. So werden hier in allgemein verständlichem Sprachduktus Fragen etwa nach dem genauen Ablauf der Herstellung von Zahnpasta beantwortet oder der Produktionsprozess von Käse dokumentiert. Ferner behandelt werden Themen wie die Herstellung einer Kerze, eines Bleistiftes oder den Bau eines Flugzeuges. Die Autoren der Filme legen bei der Themenwahl ihren Schwerpunkt meist auf Fragen, die sich die primäre Hauptzielgruppe der jungen Kinder in ihrem direkten Alltagsumfeld stellen.

Langjährige Produzenten der Realfilme sind Armin Maiwald und Christoph Biemann, die die Sendung nachhaltig als Autoren, Regisseure und Darsteller prägen; 1999 wird das Team um Ralph Caspers ergänzt.

Populärrezeption

Das Format wird ab 1970 vom Leiter der WDR-Kinderredaktion, Gert K. Müntefering, sowie seinen Mitarbeitern Siegfried Mohrhof, Monika Paetow und Armin Maiwald entwickelt und am 7. März 1971 in der ARD erstausgestrahlt. Der ursprüngliche Sendungstitel Lach- und Sachgeschichten, unter dem die Reihe bis Anfang 1972 firmiert, wird nach der Umbenennung in Die Sendung mit der Maus fortan als Untertitel verwendet.

Im Laufe der Jahre popularisiert sich die Reihe zunehmend und etabliert sich nachhaltig im ARD-Programm. Ab den 1990er-Jahren geht der WDR als Produzent der Sendung dazu über, Jubiläen öffentlichkeitswirksam zu begehen. So kommen 1996 zum 25. Geburtstag der Sendung 500000 Menschen in der Kölner Innenstadt zusammen, 2001 sind es ebendort schließlich 650000 Menschen, die den 30. Geburtstag feiern. Ferner kann der WDR die Sendung mit der Maus im Laufe der Jahre in mehr als 100 Länder verkaufen.

Die Popularität der Reihe und insbesondere ihrer namensgebenden Hauptfigur führt zu einer Potenzierung ihrer Verwertung auch in anderen Bereichen des öffentlichen Lebens. So veröffentlicht der Entertainer Stefan Raab zum 25. Geburtstag 1996 die Musiksingle Hier kommt die Maus, deren Melodie auf der Originalkomposition des Maus-Titelstückes von Hans Posegga basiert. Die Single erhält die Goldene Schallplatte. Ferner erscheint 1998 eine durch die Bundesregierung herausgegebene Briefmarke, auf der die Hauptprotagonisten Maus, Elefant und Ente abgebildet sind. 2000 ist die Maus-Figur Teil des deutschen Pavillons bei der Weltausstellung EXPO in Hannover.

Zur Serie entstehen diverse Spin-Offs, dazu zählt ab 2006 auch die abendfüllende Quizshow Frag doch mal die Maus. In ihr werden unter anderem eingeschickte Kinderfragen von den Kandidaten sowie den Maus-Machern Maiwald, Biemann und Caspers beantwortet. Bereits ab 2005 sendet der deutsch-französische Kulturkanal ARTE wöchentlich mit La souris souriante eine französische Version der Sendung.

Das Zuschauerspektrum der Sendung mit der Maus ist in dieser Form nahezu einzigartig im deutschen Fernsehen. Es reicht vom Kleinkind bis zum älteren Erwachsenen. Verschiedene Untersuchungen ergeben in den 2000er-Jahren, dass 73% aller Zuschauer älter als 14 Jahre, und davon wiederum 65,1% über 20 Jahre alt sind. Das Durchschnittsalter des Sendung mit der Maus-Zuschauers liegt nach einer anderen Erhebung gar bei 39 Jahren.

Die Reihe ist mit über 100 nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet. Zu den wichtigsten Auszeichnungen zählen der Bambi (1973), der Adolf-Grimme-Preis in Gold (1988) und die Goldene Kamera (1997). Die Hauptautoren Maiwald und Biemann erhalten zudem 1995 jeweils das Bundesverdienstkreuz.

Sendeplatz in der ARD ist seit Start der Reihe unverändert der Sonntagvormittag. Die Sendung wird zudem in Wiederholungen in den Dritten Programmen und im KI.KA ausgestrahlt.

Wissenschaftliche Rezeption

Konträr zur immensen Breitenwirkung wurde sich auf wissenschaftlicher Ebene bisher vergleichsweise wenig mit der Sendung mit der Maus befasst. Die Auseinandersetzung erschöpft sich überwiegend in der Veröffentlichung von allgemeinen Artikeln, die sich kritisch mit dem Kinderfernsehen in Deutschland auseinandersetzen. Die Sendung mit der Maus findet in diesen Beiträgen ein überwiegend positives Echo. So werden, etwa bei Bachmair und Hofmann (1998), die Art der Darstellung von Alltagssituationen („empathisch“) und die Art der Erzählung („nachvollziehbar für Kinder“) gelobt.

Eine der wenigen größeren wissenschaftlichen Auseinandersetzungen mit der Sendung mit der Maus nimmt Stötzel (1990) vor. Er analysiert in seiner Arbeit die Redaktions- und Sendungskonzeption des Formates und kommt zu dem Schluss, dass sich die Sendung mit der Maus durch eine „erstaunliche Stabilität“ in Bezug auf ihre Konzeption auszeichnet, die Veränderungen betreffen lediglich Nuancen. Die letzten marginalen Experimente wurden demnach Ende der 1970er-Jahre vorgenommen, als man sich entschied, die Zahl der Filme pro Sendung zu verringern und als Konsequenz daraus die Dauer jedes Films zu verlängern.


Literatur

  • Bachmair, Ben und Ole Hofmann: Lernen mit dem Kinderfernsehen: Wunsch oder Wirklichkeit? In: TelevIZIon 11 (1998), H. 2. S. 4-20.
  • Epperlein, Renate: Katalog zur Ausstellung “Maus Oleum - 25 Jahre Sendung mit der Maus“. Köln: WDR, 1996.
  • Handbuch des Kinderfernsehens. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Hrsg. von Hans Dieter Erlinger. Konstanz: UVK Medien, 1998.
  • Grimm, Petra, Sandra Horstmeyer und Jutta Weiß: Kinderfernsehen und Wertekompetenz. Stuttgart: Franz Steiner Verlag, 2003.
  • von Lenthe, Sophie: Das Mausbuch – Die besten Lach- und Sachgeschichten der „Sendung mit der Maus“. München: Zabert Sandmann GmbH, 2000.
  • Stötzel, Dirk Ulf: Das Magazin „Die Sendung mit der Maus“: Analyse einer Redaktions- und Sendungskonzeption. Wiesbaden: Harrassowitz, 1990.
  • Das Fernsehlexikon. Alles über 7000 Sendungen von Ally McBeal bis zur ZDF-Hitparade. Hrsg. von Michael Reufsteck und Stefan Niggemeier. München: Goldmann, 2005.

Erstveröffentlichung: 28.02.2012


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