Der Begriff der Ständeklausel bezeichnet die von Aristoteles benannte Forderung, dass die Figuren der Tragödie von höherem Stand und die der Komödie von niederem Stand sein müssen.

Explikat 

Aristoteles bestimmt als Personal der Tragödie "gute Menschen" (Aristoteles 2014, S. 17) und verweist damit auf den höheren Stand der Figuren. Im Gegensatz dazu weist er die "schlechteren Menschen" (ebd.) als Figuren der Komödie aus, wobei er schlecht im Sinne von Lächerlichkeit definiert (vgl. ebd.). 

Mit dem bürgerlichen Trauerspiel und der Dramentheorie Gotthold Ephraim Lessings wurde die Ständeklausel weitestgehend aufgegeben. So formuliert Lessing in der Hamburgischen Dramaturgie

Die Namen von Fürsten und Helden können einem Stücke Pomp und Majestät geben; aber zur Rührung tragen sie nichts bei. Das Unglück derjenigen, deren Umstände den unsrigen am nächsten kommen, muß [sic] natürlicherweise am tiefsten in unsere Seele dringen; und wenn mir mit Königen Mitleiden haben, so haben wir es mit ihnen als Menschen und nicht als Königen. (Lessing 1978, S. 57)

Nachweisen lässt sich das Einhalten der Ständeklausel nichtsdestotrotz bspw. in den Klassikeradaptionen für das Kinder- und Jugendtheater. So ist das Figurenensemble in Torsten Letsers Der kleine Prinz von Dänemark von Königen, dem titelgebenden Prinzen, Hofräten und Politikern geprägt (vgl. Lester 1984, Personen).

Ähnlich gestaltet ist auch die Figurenkonstellation in Medeas Kinder von Per Lysander und Suzanne Osten, wobei sich die Figuren selbst ihres hohen Standes bewusst sind:

KLEIN-JASON beginnt mit der Erzählung auf der rechten Seite im Zuschauerraum.
Es war einmal ein griechischer Prinz, der hieß – Jason läuft herein – Jason. […]
KLEIN-JASON, KLEIN-MEDEA UND DIE AMME […]
Doch der König hatte eine wunderschöne Tochter – (Lysander und Osten 1984, S. 63)

Auch die Amme Anna betont – etwas polemisch – den höheren Stand der Hauptfiguren

AMME telephoniert [sic] auf dem Steg
Hallo, Mama! Mir geht es gut … feine Leute … scheinen Geld zu haben … Stars? … ja, die das goldene Vlies erobert haben … Aber so toll wie auf den Bildern sieht sie nicht aus, finde ich … (ebd. S. 70)  


Bibliographie

Primärliteratur 

  • Aristoteles: Die Poetik. Bibliographisch ergänzte Ausgabe. Stuttgart: Reclam, 2014.
  • Lysander, Per; Osten, Suzanne: Medeas Kinder. In: Fröse, Dirk H. (Hrsg.): Schwedisches Kindertheater. Fünf Stücke. Frankfurt am Main: Verlag der Autoren, 1984. S. 59-106.

Sekundärliteratur 

  • Lessing, Gotthold Ephraim: Hamburgische Dramaturgie. Stuttgart: Alfred Kröner, 1978.   

 Erstveröffentlichung: 12.01.2017


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