Synekdoche: Trope, bei der ein Ausdruck durch einen entweder "semantisch engeren" oder "weiteren Ausdruck" (Spörl 2007) ersetzt wird 

Explikat 

Anstatt des eigentlichen Ausdrucks wird bei der Synekdoche ein anderer Ausdruck aus demselben Wortfeld oder Bedeutungszusammenhang verwendet und zwar einer, der entweder das Gemeinte mit umfasst oder von diesem mit umfasst wird. Zu unterscheiden sind dabei zwei verschiedene Formen der Synekdoche, die sich über die Relation des Teil zum Ganzen, zum Besonderen oder zum Allgemeinen unterscheiden lassen (vgl. ebd.). 

Die erste Form stellt die partikularisierende Synekdoche dar, bei der ein semantisch weiterer Ausdruck einen weniger weiten Ausdruck ersetzt – der Teil, das Besondere steht für das Ganze (vgl. ebd.). 

So beschreibt Meggie, als sie Staubfinger zum ersten Mal begegnet, ihn in Form einer partikularisierenden Synekdoche: "Ah, der Fuchsbart bekam einen Tee zum Aufwärmen." (Funke 2003, S. 15) Der Bart steht hier als Teil des Gesichts bzw. als Teil der Person für diese.

Auch Elinors Warnung an Meggie bzw. an Meggies Finger und über diese an Meggie als Person wird über eine Synekdoche realisiert, wobei die Beziehung vom (Körper-)Teil zur Person auch über die Erzählerfigur unterstrichen und hervorgehoben wird: 

"Sollten sich gewisse Finger nicht beherrschen können und irgendwann eins davon herausziehen", sie warf Meggie einen kurzen Blick zu, "so wird das keine ernsthafteren Folgen haben. Solange diese Finger, nachdem ihre Neugier befriedigt ist, jedes Buch wieder an seinen Platz stellen und keine unappetitlichen Lesezeichen darin hinterlassen." (ebd. S. 46)

Und auch der Vergleich der anstehenden Reise von Meggie und Elinor mit derjenigen Reise, die die Hobbits im Herr der Ringe unternehmen, wird über eine partikularisierende Synekdoche realisiert, die die Füße der Hobbits fokussiert: "Du wirst sehen, unsere Reise wird nicht halb so schlimm wie die der armen Pelzfüße und sehr viel kürzer." (ebd. S. 120) Diese Anspielung auf Tolkiens Herr der Ringe-Romane ist nicht nur Vergleich, sondern auch Allusion (vgl. Spörl 2007).

Im Umkehrschluss dazu wird bei der generalisierenden Synekdoche ein semantisch engerer Ausdruck durch einen weiteren ersetzt. In diesem Fall steht eine Gruppe oder Menge für das oder den Einzelnen, das Allgemeine steht für das Besondere oder das Ganze steht für den Teil (vgl. ebd.). Bei Vergil findet sich der Satz "Turnus als erster schleuderte eine brennende Fackel" – im lateinischen Original wird aber "pinu flagranti" geworfen, zu Deutsch: "mit einer brennenden Fichte/Pinie". Die Übersetzung verwendet somit eine generalisierende Synekdoche: aus der brennenden Pinie wird eine brennende Fackel (die ja auch aus Eichenholz oder Buche sein könnte).

Ebenso wie bei anderen Tropen sind auch viele synekdochetische Formulierungen bereits Katachresen geworden und sind damit in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen (vgl. ebd.). Allen voran das berühmt berüchtigte 'solange deine Füße unter meinem Tisch', das in zahlreichen Jugendromanen auftaucht:

"'Bis dahin ist noch ein Jahr, und solange du...' 

'deine Füße unter unseren Tisch stellst', äffte Lou den Tonfall ihrer Mutter nach [...]" (Löhnig 2013, S. 7)

Sogar in den Fotoromanen der Bravo und ihrer Ableger sind synekdochetische Formulierungen zu finden: "Vater: 'Solange du deine Füße unter meinen Tisch steckst, kommt mir solcher Abschaum nicht ins Haus!'" (BRG 6/1997: S. 50)


Literatur

Primärliteratur

  • Funke, Cornelia: Tintenherz. Hamburg: Cecile Dressler Verlag, 2003.
  • Löhnig, Inge: Dein Blick so kalt: Arena X-Thriller. Würzbug: Arena. 2013. 
  • Bravo Girl 6 (1997). 

Sekundärliteratur

Erstveröffentlichung: 22.09.2015, aktualisiert am 26.01.2017

 


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