Personifikation: Trope, Darstellungsverfahren, bei dem Abstrakta, Kollektiva, Naturerscheinungen oder Konkreta als Mensch bzw. Person abgebildet werden

Explikat

Die Personifikation stellt einen Spezialfall des Anthropomorphismus dar und geht über diesen hinaus.

Über den Anthropomorphismus können dabei allgemeine oder abstrakte Gegenstände, Gedanken, Sachverhalte oder Begriffe anthropomorph, d.h. menschengestaltig dargestellt werden. So stellt die auch grafisch hervorgehobene Beschreibung des weißen Kaninchens in Alice's Abenteuer im Wunderland einen Anthropomorphismus dar:  

Aber als das Kaninchen seine Uhr aus der Westentasche zog, nach der Zeit sah und eilig fortlief, sprang Alice auf; denn es war ihr doch noch nie vorgekommen, ein Kaninchen mit einer Westentasche und einer Uhr darin zu sehen. (Carroll) 

Auch die Kleidung tragenden Tiere in The Wind in the Willows können als Beispiel für diesen gelten:

A broad glistening muzzle showed itself above the edge of the bank, and the Otter hauled himself out and shook the water from his coat. (Graham)

Erich Kästner hingegen lässt über seine Erzählerfigur den Dackel Piefke zunächst anthropomorph erscheinen und bricht diesen Eindruck jedoch sofort wieder komisch. (vgl. Richter-Vapaatalo 2007, S. 146-147)

…saß Piefke, der Dackel, und runzelte die Stirn. Übrigens runzelte er die Stirn nicht etwa, weil er verstimmt war, sondern er hatte zuviel Haut am Kopf. Und weil die Haut nicht wußte wohin, schlug sie Dauerwellen. (Kästner 1938, S. 16)

Der Prozess der Personifikation geht jedoch weiter, in dem die benannten Gegenstände, Gedanken, Sachverhalte und Begriffe nicht nur menschengestaltig, sondern als konkret vorstellbare Person dargestellt werden. So werden dem jeweils personifizierten Gegenstand, Begriff etc. neben der menschenähnlichen Gestalt und Utensilien – wie der symbolträchtigen Uhr des Kaninchens – auch Eigenschaften und Charakterzüge zugeordnet. Diese Zuordnung beruht dabei Ähnlichkeits-, Analogie- oder anderen Vereisungszusammenhänge zwischen dem Gesagten und dem eigentlich Gemeinten. Gleichzeitig sind es auch diese Zusammenhänge, die die häufige Verbindung der Personifikation zu anderen Tropen und rhetorischen Figuren begründen. So werden Personifikationen häufig über Metaphern und Vergleiche realisiert und sind zudem häufig Element allegorischer Verfahren

Ein Vergleich taucht in Erich Kästners Personifikation seines Einfalls in Bezug auf Emil und seine Abenteuer auf. So ähneln sich (personifizierte) Einfälle oder Gedanken und junge Hunde ("Denn mit den Gedanken und mit den Erinnerungen, die sich uns nähern, ist es wie mit verprügelten Hunden." (Kästner 1991, S. 12))  und man muss ihnen vorsichtig begegnen, damit sie sich in ihrer personifizierten Form schließlich nähern: 

Ich lag also, ohne mich zu rühren, und lächelte meinem Einfall freundlich entgegen. Ich wollte ihm Mut machen. Er beruhigte sich dann auch, wurde beinahe zutraulich, kam noch einen und noch einen Schritt näher… (ebd.) 

Auch der Mond tritt in Emil und die Detektive personifiziert auf und beobachtet das Gespräch von Emil und dem Professor: "Und der Mond schielte mit einem Auge über die Hochbahn."  (ebd. S. 108) 

In Tintenherz ist es das Feuer, das sich personifiziert darstellt oder dargestellt wird: "'Oh, so etwas solltest du nicht tun!', sagte Staubfinger. 'Das bringt Unglück. Du weißt doch, wie schnell Feuer beleidigt ist.'" (Funke 2003, S. 176)


Bibliografie

Primärliteratur

Sekundärliteratur

  • Richter-Vapaatalo, Ulrike: Da hatte das Pferd die Nüstern voll: Gebrauch und Funktion von Phraseologie im Kinderbuch. Frankfurt: Peter Lang Verlag, 2007.

Erstveröffentlichung: 22.09.2015

 


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