Metapher: Trope, gekennzeichnet durch die Ersetzung des eigentlichen Ausdrucks durch einen anderen Ausdruck, der mit ihm in einer Ähnlichkeits- oder Analogiebeziehung steht

Explikat 

Die Metapher steht in engem Verhältnis zur rhetorischen Figur des Vergleichs und wird deswegen auch als 'verkürzter Vergleich' bezeichnet, wobei sich die Verkürzung auf den Wegfall des Vergleichspartikels bezieht. Vergleich und Metapher eint dabei der Bezug auf eine semantische Ähnlichkeit. Durch das Fehlen des Vergleichspartikels bei der Metapher wird der Vergleichsgegenstand jedoch mit dem näher zu bestimmenden Gegenstand identifiziert: 'A ist B, gemeint C'. 

Ebenso wie bei vielen anderen Tropen sind zahlreiche metaphorische Wendungen bereits in den allgemeinen Sprachgebrauch eingegangen, sodass ihre neuartige oder überraschende Wirkung bereits verloren ist, so wie bei der metaphorischen Wendung 'einen kühlen Kopf bewahren.' Wiederfinden lässt sich diese 'tote Metapher' jedoch nicht nur in der Umgangssprache, sondern auch in vielen kinder- und jugendliterarischen Texten wiederfinden. So versucht Harry sich dem Vergleich mit Dumbledore in Bezug auf ihrer beider Kopftemperatur zu stellen: "Dies war entscheidend, er musste wie Dumbledore sein, einen kühlen Kopf bewahren […]" (Rowling 2011, S. 703-704).

Bella versucht – wie sie selbst und Millionen Lesende wissen – erfolglos in Edwards Gegenwart einen ebensolchen zu behalten: "Ich versuchte einen kühlen Kopf zu bewahren … und versagte auf ganzer Linie." (Meyer, S. 449) 

Richtig zu gelingen scheint es nur dem Mann im Sportwagen in TKKG und das trotz Millionencoup: "Nur der Mann im Sportwagen schien die ganze Zeit über einen kühlen Kopf bewahren zu können." (Wolf 2010, S. 167)

Auch Alice Fall "Hinunter in den Kaninchenbau" (Carroll) stellt nicht nur die Kapitelüberschrift, sondern ebenfalls eine Katechrese dar.

Bei für Poesie und Literatur bedeutsamen, neuartigen und demzufolge nicht bereits konventionalisierten Metaphern sind die dem Ersetzungsverfahren zugrunde liegenden Ähnlichkeitsbeziehungen nicht immer genau auszumachen und damit der Interpretation überlassen. Dieser Deutungsspielraum gilt dabei auch für die Ausgestaltung bestimmter Metaphern oder metaphorischer Muster. Für das Muster der Blumenmetaphorik, welches typisch für die Mädchenliteratur ist, lassen sich beispielsweise zahlreiche Äußerungen finden, die auf ein unterschiedliches Gemeintes verweisen. 

So beschreibt Doktor Braun sein krankes Nesthäkchen folgendermaßen: "Sie wird immer ein zartes, anfälliges Pflänzchen bleiben." (Ury) 

In Der Trotzkopf verweist die Beschreibung Ilses: "Was für eine Waldblume meinst du, Tante Rat?" (von Rhoden 2012, S. 210) hingegen nicht auf Ilses zartes oder anfälliges, sondern auf ihr unverstelltes, natürliches und frisches Wesen.


Literatur

Erstveröffentlichung: 21.09.2015

 

 

 

 

 


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