von Sabine Planka

Der Hobbit: Die Schlacht der fünf Heere setzt die Geschichte um Thorin Eichenschild und Bilbo Beutlin fort und schildert neben dem Tod Smaugs die beginnende Herrschaft Saurons, der hier schon alle Weichen stellt, um sich ganz Mittelerde in Der Herr der Ringe untertan machen zu können. Peter Jackson knüpft mit dem Abschluss seiner Hobbit-Trilogie zwar nahtlos an den zweiten Teil an und wird auch wieder seinen hohen visuellen und technischen Maßstäben gerecht, ergeht sich jedoch in Schlachtgetümmel, das derart ausgeschmückt nur noch für wahre Fans der Filmadaption interessant und nicht mehr für Tolkien-Liebhaber und Kinder gedacht ist.


Inhalt

Nachdem die Reisenden um Thorin Eichenschild (Richard Armitage) im zweiten Teil der Hobbit-Trilogie den Drachen Smaug (Benedict Cumberbatch) aufgeschreckt und erzürnt haben, macht sich Smaug daran, die Seestadt mit seinem Feuer zu überziehen und zu vernichten. Einzig Bard (Luke Evans) stellt sich aktiv gegen Smaug. Ihm gelingt es, Smaug mit dem letzten verbliebenen schwarzen Pfeil zu treffen und tödlich zu verwunden. Die Mehrzahl der Bewohner rettet sich aufs Festland, unter Bards Führung machen sie sich auf zum Einsamen Berg, um Thorin um Schutz und Hilfe zu bitten. Dieser ist jedoch der Drachenkrankheit verfallen: Die Gier nach Gold lässt ihn selbstsüchtig, egoistisch und paranoid werden. Alle Gefährten – die in der Seestadt zurückgelassenen Zwerge Kíli (Aidan Turner), Fíli (Dean O'Gorman), Oin (John Callen) und Bofur (James Nesbitt) sind inzwischen wieder bei Thorin eingetroffen – werden für ihn zu Feinden, die ihm seinen Schatz und vor allem den Arkenstein neiden und abspenstig machen wollen.

In einem parallel aufgezogenen Handlungsstrang wird Gandalf (Ian McKellen) von Galadriel (Cate Blanchett), Saruman (Christopher Lee) und Elrond (Hugo Weaving) aus Dol Guldur befreit und von Radagast (Sylvester McCoy) in Sicherheit gebracht, während Galadriel die Nazgûl vorerst vertreiben kann. Eingeschnitten werden auch die Entdeckungen Legolas' (Orlando Bloom) und Tauriels (Evangeline Lilly), die in der alten Festung Gundabad ein sich formierendes Orkheer entdecken, das sich auf den Weg zum Eisernen Berg macht.

Dort spitzt sich die Lage zu: Nachdem Elbenkönig Thranduil (Lee Pace) mit seinem Heer ebenfalls vor dem Berg eingetroffen ist und den ihm einst versprochenen Anteil am Schatz einfordert, erscheint das von Thorin herbeigerufene Zwergenheer aus den Eisenbergen, um Thorin im Kampf um den Schatz beizustehen. Inzwischen hat auch Azogs (Manu Bennett) Armee den Einsamen Berg erreicht, so dass sich Elben und Zwerge verbünden und gemeinsam mit Beorn (Mikael Persbrandt) und den Großen Adlern gegen die Orkmassen in den Kampf ziehen. In all dem Schlachtgetümmel gelingt es Bilbo, der den Arkenstein gefunden und versteckt hat, Gandalf, Bard und Thranduil als Tauschobjekt zu bringen, um alle rechtmäßigen Ansprüche befriedigen zu können. Thorin findet angesichts der drohenden Gefahr durch die Orks zu seinem alten Selbst zurück und wagt einen Ausbruch aus dem Berg, um seinen Verwandten und den Elben beizustehen. Im Kampf mit Azog, den Thorin tödlich verwunden kann, wird er tödlich verletzt und stirbt um Vergebung bittend in Bilbos Armen. Auch Fíli und Kíli sterben, während Bolg von Legolas getötet wird.

Bei Bilbos Rückkehr ins Auenland werden die Auenland-Bewohner damit konfrontiert, dass Bilbo noch am Leben ist. Er kann gerade noch die Versteigerung seines Hab und Gut stoppen. Ein Zeitsprung in die Zukunft führt den Zuschauer schließlich zu Bilbos 111. Geburtstag zurück, der im ersten Teil der Trilogie den Anstoß für Bilbos Erinnerungen gab und die Geschichte des Hobbits initiierte.

Verleih: Warner Bros.

Kritik

Gewohnt opulent und mit gekonntem CGI-Einsatz zeichnet Peter Jackson in visueller Ausgestaltung die Welt Mittelerdes und die Geschehnisse, die sich um Thorin Eichenschild und Bilbo Beutlich ranken. Jedes Detail erscheint perfekt platziert, kein Effekt ist dem Zufall überlassen. Das kann jedoch nicht darüber hinweg täuschen, dass sich der Abschluss der Trilogie in die Länge zieht und sich in unnötig ausgedehntem Schlachtgetümmel verliert, so dass er das genaue Gegenteil des zweiten Teils ist, dem durchaus noch der Vorzug der Kurzweiligkeit innewohnte. Unmotivierte Handlungsstränge werden eingeflochten, die sich vor den Hintergründen des zweiten Teils hätten streichen lassen. So erscheinen beispielsweise die Szenen um Alfrid (Ryan Gage) als besonders überflüssig, muss doch dessen Habgier nicht weiter erklärt oder gezeigt werden. Auch die fortgeführte – und sich letztlich nicht bewahrheitende – Romanze zwischen Tauriel und Kíli wird weitergesponnen und mit einem kitschigen Ende gekrönt: Tauriel hält den verstorbenen Zwerg im Arm und versteht nun, dass sie diesen Schmerz nie hätte fühlen wollen, was Thranduil wiederum begreifen lässt, dass Tauriel doch echte Gefühle für den Zwerg hegte. Dies zum Anlass nehmend, bricht auch seine harte Schale auf und er gibt Legolas – der nicht zurück in den Düsterwald kehrt, sondern sich auf den Weg begibt, um den "Streicher" zu suchen, der später als Aragorn den Thron besteigen wird – zu verstehen, dass seine Mutter ihn geliebt hat. Diese plötzliche Wandlung, die Thranduil hier vollzieht, passt so gar nicht zu diesem Charakter, der im zweiten Teil durch seine Kaltherzigkeit und Arroganz überzeugte und besonders durch die Unnahbarkeit an Reiz gewonnen hat.

Mit dem Buch haben diese inhaltlichen Ausschmückungen wenig zu tun, dessen Schilderungen sich nun deutlich von den Geschehnissen auf der Leinwand unterscheiden und auch hier nur durch die Begeisterung des Regisseurs für den literarischen Stoff sowie die Tolkien'schen Anhänge zu erklären sind: Gandalfs Rettung und die Vertreibung der Nazgûl sowie der Kampf gegen den Nekromanten, der sich als Sauron entpuppt hat, werden ausgeschmückt ebenso wie die Geschehnisse in Gundabad und der Tod der drei Zwerge Fili, Kili und auch Thorin.

Zurück bleibt, nicht nur für den Leser von Tolkiens Der Hobbit, sondern auch für den Zuschauer, der den dritten Teil der Trilogie sehnsüchtig erwartet haben mag, ein schaler Nachgeschmack, den die Trilogie als ehrgeiziges und ambitioniertes Projekt eigentlich nicht verdient hätte.

Fazit

Leider entpuppt sich der dritte Teil der Hobbit-Trilogie als schwächster Film: hat der erste Teil den Zuschauer noch neugierig gemacht und der zweite Film gefesselt – bei allen Schwächen, die der Film auf narrativer Ebene haben mag –, so enttäuscht der dritte Teil der Trilogie, der sich aufgrund der ausgedehnten Schlachtszenen langatmig in die Länge zieht und eher für ein Publikum ab 14 Jahren gedacht ist.

Tröstlich erscheint die Tatsache, dass sich der Tolkien-Liebhaber dem Buch zuwenden und es einer Relektüre unterziehen kann, während sich der Filmfan die sich an den Hobbit anknüpfende Trilogie Der Herr der Ringe anschauen und dem Sieg über Sauron beiwohnen kann.


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