von Philipp Schmerheim

Die Minions sind die heimlichen Superstars des zeitgenössischen Animationskinos: Auch in der Fortsetzung des Welterfolgs Ich – Einfach Unverbesserlich stellen die kleinen gelben Ohrstöpsel die eigentliche Filmhandlung in den Schatten. Das Resultat ist ein vergnüglicher Sommerblockbuster mit einer eher konventionellen Story und tollen 3D-Effekten, den man bloß nicht zu ernst nehmen sollte.


Inhalt

Vom Oberschurken zum Familienvater: Nachdem sich Gru im ersten Teil von seinen Welteroberungsplänen verabschiedet hat, widmet er sich liebevoll seinen drei kleinen Adoptivtöchtern Margo, Edith und Agnes. Statt Weltvernichtungswaffen entwickelt er in seinem unterirdischen Labor zusammen mit dem greisen Dr. Nefario und den quietschlebendigen Minions eine neue Marmeladensorte, die jedoch, gelinde gesagt, eher fragwürdig schmeckt.

Überraschend bittet ihn die Anti-Verbrecher-Liga (AVL), bei der Jagd auf einen unbekannten Verbrecher mitzuhelfen, der ein komplettes Geheimlabor aus der Antarktis gestohlen hat. In dem Labor befand sich auch eine Substanz namens PX-41, die selbst die harmlosesten Wesen in gefräßige lilafarbene Monster verwandelt. Doch Gru lehnt dankend ab, auch die adrette Geheimagentin Lucy kann ihn nicht umstimmen.

Doch dann kündigt ihm Dr. Nefario für einen besseren Job, und Gru muss einsehen, dass seine Marmelade schlicht ungenießbar ist. Mysteriöserweise verschwinden auch viele der Minions spurlos. Schweren Herzens willigt Gru letztendlich ein, Lucy und der AVL bei der Verbrecherjagd zu helfen, zumal er sich in Lucy verliebt hat. Ihre Recherchen führen das ungleiche Paar in ein Einkaufszentrum, in dem der Gastronom Eduardo ein beliebtes mexikanisches Restaurant führt. Gru vermutet, dass Eduardo in Wirklichkeit der totgeglaubte Superschurke "El Macho" ist. Doch bei einem Einbruch in Eduardos Restaurant finden Gru und Lucy keine belastenden Beweise, werden dafür aber von Eduardos Wachhuhn gejagt, das zwar klein und niedlich aussieht, aber aggressiver ist als jeder Pitbull.

Verleih: Universal

Schließlich verhaften die AVL den Perückenhändler Floyd, in dessen Geschäft Rückstände von PX-41 gefunden werden. Gru hält jedoch weiterhin Eduardo für den wahren Übeltäter – zumal ihm überhaupt nicht gefällt, dass seine älteste Adoptivtochter sich in Eduardos Sohn Antonio verliebt hat. Währenddessen wird Lucy nach Australien versetzt, doch Gru ist zu feige, ihr vor der Abreise seine Liebe zu gestehen.

Auf einer Party in Eduardos Anwesen hoch auf einem Berg entdeckt Gru schließlich den Beweis, dass Eduardo in Wirklichkeit El Macho ist und mit Dr. Nefarios Hilfe die niedlichen gelben Minions in eine Armee violetter Fressmonster verwandelt, um die Weltherrschaft zu erlangen. Gru lehnt dankend El Machos Angebot ab, mit ihm gemeinsam über die Welt zu herrschen.

Verleih: Universal

Um Gru zu erpressen, nimmt El Macho kurze Zeit Lucy gefangen, die die aus Liebe zu Gru wieder zurückgekehrt ist. Der reuige Dr. Nefario heckt deshalb zusammen mit Gru einen heimlichen Befreiungsplan aus: Dr. Nefario vermischt die ungenießbare Marmelade mit einem Gegengift zu PX-41 und dringt zusammen mit Gru, den verbliebenen, als Monsterminions verkleideten Minions und Marmeladenkanonen auf Eduardos Anwesen vor.

Dort werden sie schnell enttarnt und es kommt zur Entscheidungsschlacht. Erst in letzter Minute gelingt es Dr. Nefario, fast alle Minions wieder zurückzuverwandeln und El Macho zu besiegen – doch Gru und Lucy wurden mittlerweile von El Machos Wachhuhn mit einer Rakete, die mit PX-41 bestückt ist, in Richtung einer Vulkaninsel geschickt, wo weitere Minions gefangen sind. Auch hier kommt es zur last-minute-rescue, und Gru und Lucy können – nach dem 147. Date – ihr trautes Glück zu zweit genießen.

Verleih: Universal

Kritik

Man kann über das Sequel zu Ich – Einfach Unverbesserlich geteilter Meinung sein: Die Handlung ist ein wenig konfus, die Dialoge nicht wirklich nobelpreiswürdig – doch gerade in der 3D-Version ist auch der zweite Teil ein rasant inszenierter Kinospaß. Verantwortlich dafür sind jedoch weniger die Hauptfiguren Gru und Lucy oder die das übliche Hollywood-Muster parodierende Verbrecherjagd. Die heimlichen Stars sind wieder die Minions, die mit wahnsinnigen Streichen, Albernheiten und grenzenloser Lebensfreude wieder und wieder die ansonsten eher zähe und vorhersehbare Erzählung auflockern.

Im Grunde bilden die Szenen mit den Minions den eigentlichen Film: Die mit Mund, Augen und spärlichen Haarbüscheln ausgestatteten kleinen gelben Ohrstöpsel in blauen Arbeiterhosen sind schlicht eine der genialsten Figurenneuschöpfungen des gegenwärtigen Animationskinos: Die Filmgestalter können sich am minimalistischen Äußeren kreativ austoben, und da die unverwüstlichen gelben Chaoten in entfernt ans Englische erinnerndem Babysprech brabbeln, dürfen sie sich im besten Looney-Toons-Stil so gut wie alles erlauben. Die Minions stellen selbst die Teletubbies in den Schatten, deren bärbeißige, schelmenhafte Variante sie sind. Ein großer Spaß ist dabei auch die radikale Verwandlung der niedlichen Wesen in gefräßige lila Monster, die von Kuchensortimenten bis ausgewachsenen Armaturen alles fressen, was ihnen in den Weg kommt. Eigentlich schade, dass in der deutschen Synchronisationsfassung keine lila Kuh dran glauben muss. Dazu passt, dass die beste Sequenz des Films erst mit dem Abspann beginnt: Hier führen einige Minions wahnwitzige Reparaturarbeiten an und in der Filmleinwand aus, und testen die verschiedensten Möglichkeiten von 3D-Effekten.

Verleih: Universal

Kein Wunder, dass die massige Werbekampagne für den Film die Minions wieder als Aushängeschild nutzt: Litfaßsäulen werden zu Minions umgestaltet, von jedem Plakat grinsen die kleinen Hans-Dampfs, und in den deutschsprachigen Social Media kursiert mittlerweile eine Karikatur von Angela Merkel und Peer Steinbrück als Minions. Der Kultcharakter ihrer Schöpfung ist auch den Filmemachern nicht entgangen: Für 2014 ist ein eigener Film mit den Minions geplant, mit Sandra Bullock und Jon Hamm (Don Draper aus Mad Men) in den Hauptrollen.

Wie im Blockbusterkino üblich, greift Ich – Einfach Unverbesserlich 2 munter auf alle möglichen kulturellen Referenzen zurück: Gru versucht sich als Willy-Wonka-Pendant, der statt Schokolade (ungenießbare) Marmelade produziert, die heldenhafte, das Schlachtengeschick umkehrende Rückkehr von Dr. Nefario erinnert an den Aufmarsch von Gandalf und der Elfenarmee in der Schlacht um die Honburg in Der Herr der Ringe – Die zwei Türme, und der Superschurke El Macho ist eine Variante der mexikanischen Wrestler, luchadores genannt, deren lucha libre-Ringkämpfe vor allem in den USA Kultstatus besitzen und dort jedem Kind bekannt sind.

Eine Moral von der Geschicht' besitzt der Film natürlich auch: Gru lernt, ganz im Sinne des Originaltitels Despicable Me 2, sich nicht nur als liebevollen Vater selbst wertzuschätzen, sondern erkennt letztendlich, dass er es 'Wert ist', mit Lucy zusammenzukommen. Dr. Nefario wiederum realisiert, dass man seine Freunde für kein Geld der Welt verlässt. Und die Minions? Die feiern einfach munter weiter, egal welche Irrungen und Wendungen die Filmhandlung für sie bereithält.

Verleih: Universal

Fazit

Ich – Einfach Unverbesserlich 2 lässt den Rezensenten zwiegespalten zurück: Einerseits ist der Film ein vergnüglicher Sommerspaß, der vor allem kleinen Kindern gefallen dürfte, andererseits hat sich das Superheld-mit-menschlichen-Fehlern-rettet-die-Welt-vor-noch-einem-Megaschurken selbst als Parodie mittlerweile gründlich abgenutzt. Aber vielleicht ist es auch ein Fehler, dieses Filmspektakel mit den üblichen Maßstäben zu messen – zu offensichtlich ist der parodistische Anspruch der Filmemacher.

 

Titel: Ich - Einfach Unverbesserlich 2
Originaltitel: Despicable Me 2
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2013
Dauer: 98 Minuten
Altersfreigabe: Ohne Altersbeschränkung
Erscheinungsdatum (Deutschland): 04.07.2013
Verleih: Universal
Einspielergebnis (weltweit): $584,559,000 (Stand: 21.07.2013)
Regisseur: Pierre Coffin, Chris Renaud
Drehbuch: Ken Daurio, Cinco Paul
Synchronsprecher: Steve Carell, Oliver Rohrbeck (Gru), Kristen Wiig, Martina Hill (Lucy Wilde), Miranda Cosgrove, Marie Christin Morgenstern (Margo), Russell Brand, Peter Groeger (Dr. Nefario), Benjamin Bratt, Erich Räuker (Eduardo)
Musik: Heitor Pereira, Pharrell Williams
Schnitt: Gregory Perler
Produzent: Chris Meledandri, Janet Healy


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