von Anna Zamolska

Clive Staples Lewis (1898-1963) war ein irischer Schriftsteller, zu dem in der Forschungsliteratur eine Bandbreite an Bezeichnungen zu finden ist: christlicher Schriftsteller, Akademiker, Literaturtheoretiker, Literaturkritiker, Literaturhistoriker, christlicher Apologet, Theologe für den einfachen Mann – was alles zutrifft, da sein Schaffen vor dem Hintergrund theologischer und philosophischer Gedanken steht und eine Fülle an Genres umfasst.

Biographie

C. S. Lewis wurde am 29. November 1898 in Belfast, Irland, geboren – als zweiter Sohn von Albert und Florence Lewis - eines Rechtsanwalts und einer Pastorentochter. Die Familie zog 1905 in ein großes Haus auf dem Land, in dem Clive Staples und sein Bruder Warren inmitten von ganzen Bücherbergen aufwuchsen und schon früh ihre eigene Tierwelt erfanden, die sie Boxen nannten und deren Geschichte sie aufschrieben und selbst bebilderten. Da Clive Staples seine beiden Vornamen schon als Kind nicht mochte, nannte er sich selbst Jack und wurde Zeit seines Lebens nur noch so genannt.

Mit zehn Jahren verlor Lewis seine Mutter, deren Verlust ihn vom Vater entfremdete, sodass er in ihm keine Hilfe suchte, als er mit 15 Jahren seinen Glauben verlor. Er verbündete sich noch mehr mit seinem Bruder, mit dem ihn von Anfang an eine innige freundschaftliche Beziehung verband.

Seine Schuljahre an verschiedenen Privatschulen beschrieb er später als düster und ließ seine negativen Erfahrungen in sein Werk einfließen. In diesen Jahren entdeckte Lewis für sich die nordische Mythologie und Wagner – seine Faszination resultierte in ersten Schreibversuchen.

Ein Jahr vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs verließ er die Schule und zog stattdessen zu einem Privatlehrer – W. T. Kirkpatrick – bei dem er eine fundierte Ausbildung (vor allem in Latein und Griechisch) bekam, der ihn aber auch rhetorisch und logisch analysieren lehrte.

1917 meldete er sich freiwillig und kämpfte an der französischen Front von Arras, wo er nach kurzer Zeit schwer verwundet wurde. Nach seiner Rekonvaleszenz in England nahm er 1919 sein Studium in Oxford wieder auf, das er 1917 angefangen hatte. Er studierte Philosophie, Klassische Philologie und Englische Literatur. Während seines Studiums gewann er den Chancellor’s English Essay Prize.

Nach seinem Studium erhielt er einen Fellowship für Englisch am Magdalen College in Oxford. Während seiner Zeit in Oxford lernte er J. R. R. Tolkien kennen, mit dem ihn bald eine enge Freundschaft verband. Durch die philosophischen Gespräche in seinem Freundeskreis bekehrte Lewis sich zum Theismus und 1929 zum Christentum. Seitdem waren seine Werke von religiös-philosophischer Thematik geprägt.

1939 trat Lewis den "Inklings" bei – einer Gruppe von Akademikern (der unter anderen Tolkien angehörte), die sich regelmäßig trafen, um sich gegenseitig vorzulesen und zu besprechen, was sie geschrieben hatten. Dort zeigte Lewis Tolkien auch sein Manuskript zu The Lion, the Witch and the Wardrobe, der ersten Chronik von Narnia, die 1950 veröffentlicht und begeistert aufgenommen wurde.

Die anderen sechs Chroniken von Narnia erschienen nacheinander bis 1956. Der vorletzte Band The Magician's Nephew, der 1955 erschien, stellt den eigentlichen ersten Band dar, weil er die Vorgeschichte zu The Lion, the Witch and the Wardrobe erzählt, was bei den kindlichen Lesern, die sich die Bände sofort nach ihrer Publikation kaufen, immer wieder für Verwirrung sorgte (Lewis 1996, S. 86).

In der Zeit um 1952 lernte Lewis nach langem Briefkontakt Joy Helen Davidman persönlich kennen, eine Leserin, die sich durch seine Bücher vom marxistischen Atheismus zum Christentum bekehrt hatte. Nach der Scheidung von ihrem Mann zog sie mit ihren beiden Söhnen in Lewis' Nähe.

Der tiefen Freundschaft wegen, die sich zwischen Lewis und Joy entwickelte, bat sie ihn um eine standesamtliche Heirat, als sie aufgrund ihrer Herkunft Probleme mit der Aufenthaltserlaubnis bekam und eine Heirat mit einem Engländer diese beheben konnte. Lewis willigte ein und, als Joy wenige Monate später an Krebs erkrankte, erkannte er seine Liebe zu ihr. Ein Jahr später wurden die beiden an Joys Krankenbett kirchlich getraut und verlebten noch einige glückliche Jahre, da Joys Krankheit zurückging.

1954 nahm Lewis einen Lehrstuhl in Cambridge für Englische Literatur des Mittelalters und der Renaissance an, den er bis zu seinem Tod am 22. November 1963 innehatte.

Werk

C. S. Lewis' Werke decken einen breiten Stilfächer ab: Gedicht und Roman, Allegorie und Science-Fiction, Essay und Autobiographie. Dennoch ist Lewis den meisten nur als Autor der Chroniken von Narnia bekannt – den einzigen Kinderbüchern unter seinen vielen Werken, wenn man seine Kindheitsentwürfe von einer Tierwelt namens Boxen nicht mit einbezieht. Dieses Tierreich wird als eine der Inspirationen für Narnia gesehen. Weitere Inspirationsquellen sind das Bild eines Fauns, der mit Paketen und einem Regenschirm durch einen Winterwald stapft, das Lewis im Gedächtnis haften blieb, und die vier Kinder, die während des Zweiten Weltkriegs aus London evakuiert wurden und bei Lewis gewohnt haben. Sie waren das Vorbild für die vier Pevensie-Kinder aus dem ersten Narnia-Band.

In Deutschland wurden die Chroniken von Narnia reichlich spät übersetzt. 1958 erschien zwar zunächst der 3. Band The Horse and his Boy unter dem Titel Der Ritt nach Narnia oder das Pferd und sein Junge in der Übersetzung von Lena Lademann-Wildhagen im Herder Verlag. (Dieselbe Übersetzerin sollte 1993 auch den 4. Band Prince Caspian ins Deutsche übersetzen (dt. Prinz Kaspian von Narnia). Die Übersetzung der übrigen Bände erfolgte jedoch viel später.

Erst 1977, also 27 Jahre nach der Publikation des Originals, erschien die Übersetzung von The Lion, the Witch and the Wardrobe unter dem Titel Der König von Narnia, übersetzt von der Schriftstellerin Lisa Tetzner. Diese Übersetzung wurde immer wieder und von vier verschiedenen Verlagen hintereinander herausgegeben oder neu aufgelegt, zwischendurch mit Illustrationen von Rolf Rettich. Schließlich übernahm der Brendow Verlag die Übersetzung und ließ auch die weiteren sechs Bände übersetzen:

Der eigentliche 1. Band der Narnia-Reihe The Magician's Nephew (dt. Das Wunder von Narnia) wurde erstmals 1983 von Ulla Neckenauer übersetzt, die noch drei weitere Bände übersetzen sollte: 1982 den 3. Band The Horse and his Boy (dt. Der Ritt nach Narnia), 1994 den 5. Band The Voyage of the Dawn Treader (dt. Die Reise auf der Morgenröte) und den 6. Band The Silver Chair (dt. Der silberne Sessel).

Der 7. Band The Last Battle wurde 1982 erstmalig von Hans Eich übersetzt (dt. Kampf um Narnia) und später bei Brendow mit dem neuen Titel Der letzte Kampf 1995 herausgegeben. Im Brendow Verlag erschienen alle Narnia-Bände mit Illustrationen von Thomas Georg.

Mit dem Kinostart des ersten Narnia-Films 2005 wurden die Narnia-Bücher vom Ueberreuter Verlag verlegt und erschienen in der Neuübersetzung von Christian Rendel und Wolfgang Hohlbein. Seitdem sind die Bücher mit den Original-Illustrationen von Pauline Baynes versehen. Christian Rendel gehört unter anderen zur Jury des "C.S. Lewis Preises", der seit 2005 vom Brendow Verlag verliehen wird. (Mehr zu dem Preis unter Quellen)

Nicht nur in den Narnia-Bänden zu erkennen ist Lewis' Faszination für das Mittelalter und für Mythologien, die er in viele seiner Werke einfließen ließ. Als Professor für Mittelalter und Renaissance veröffentlichte Lewis außerdem literaturwissenschaftliche Werke zu diesen Epochen: The Discarded Image: An Introduction to Medieval and Renaissance Literature und Studies in Medieval and Renaissance Literature. Die verschiedenen Mythologien waren Lewis schon früh vertraut - der Cupido-und-Psyche-Stoff beschäftigte ihn etliche Jahre, bevor er ihn in Romanform verarbeitete und ihn 1956 unter dem Titel Till We Have Faces veröffentlichte.

Lewis' größte Leidenschaft war die englische Literatur, die er auch in Oxford gelehrt hat, und die ebenfalls in zahlreichen Werken wiederzufinden ist oder wissenschaftlich thematisiert wird, wie in English Literature of the Sixteenth Century, Excluding Drama. Er war Spezialist für Autoren wie Milton, George MacDonald, Spencer, Coleridge, um nur einige zu nennen.

Der eigentliche rote Faden von Lewis' Werken ist jedoch das religiös-philosophische Gedankengut, das seit seiner Bekehrung zum Christentum zu seinem Hauptanliegen wurde. In seiner Autobiographie Surprised by Joy, die er auf die Bitten seiner Leser geschrieben hat, stellt er seinen Weg zum Christentum als Suche nach "Freude" dar, die er als Sehnsucht definiert und die ihn sein Leben lang begleitet hat (vgl. Lewis 1992, S. 9).

Anhand dieses "Hauptanliegens" kann man Lewis' Werke in zwei Kategorien einteilen: die eine umfasst die Werke, die sich direkt mit dem christlichen Glauben befassen (wie z. B. die Essay-Sammlungen, Miracles, Mere Christianity, Reflections on Psalms), die andere umfasst Prosa-Werke (Romane, Erzählungen und Allegorien), denen dieses Anliegen zugrunde liegt, aber indirekt vermittelt wird (wie in der Science-Fiction-Trilogie: Out of the Silent Planet, Perelandra, That Hideous Strength).

Wissenschaftliche Rezeption

C. S. Lewis wurde schon zu Lebzeiten kontrovers empfunden und weder den Literaten noch den Theologen eindeutig zugeordnet. Die Vorwürfe vonseiten der Literaten lauteten, dass er nicht literarisch genug sei – seine didaktische oder evangelisierende Absicht sei unter dem Deckmantel des Märchens zu offensichtlich. Die Theologen wiederum warfen ihm das Gegenteil vor (MacSwain/Ward 2010, S. 8).

Dennoch ist Lewis bis heute ohne Unterbrechung ein Erfolgsautor geblieben, der v. a. durch die Narnia-Bände bekannt wurde. Für den letzten Narnia- Band The Last Battle bekam er die Carnegie Medal. Der große Erfolg dieser fantastischen Kinderbücher brachte Lewis viele Korrespondenzen mit Kindern ein – eine Auswahl an Briefen, die er an seine jungen Leser schrieb, wurde unter dem Titel Briefe aus Narnia veröffentlicht. Die Chroniken wurden mehrmals verfilmt: 1988-1990 entstand eine BBC-Fernsehtrilogie, die als Serie ausgestrahlt wurde. 2005 wurde The Lion, the Witch and the Wardobe von Walt Disney Pictures und Walden Media unter der Regie von Andrew Adamson neu adaptiert – 2008 folgte Prinz Kaspian von Narnia und 2010 Die Reise auf der Morgenröte.

Die Sekundärliteratur zur Person Lewis' und seinem Werk ist immens. Neben einer Reihe von Biographien gibt es ebenfalls Literatur zu seiner späten Heirat mit Joy Davidman oder zu der Freundschaft mit Tolkien.


Literatur

  • Crouch, Marcus: The Nesbit Tradition. The Children's Novel in England 1945-1970. London: Ernest Benn, 1972.
  • Falconer, Rachel: The Crossover Novel. Contemporary Children's Fiction and Its Adult Readership. London: Routledge, 2009.
  • Hunt, Peter: Children's literature. Oxford: Blackwell Publishers, 2001.
  • Kranz, Gisbert: Studien zu C. S. Lewis. Lüdenscheid: Claren u. Stier, 1983.
  • Lewis, Clive Staples: Briefe aus Narnia - C. S. Lewis schreibt an Kinder. Münster: Brendow Verlag, 1996.
  • Lewis, Clive Staples: Überrascht von Freude. Giessen: Brunnen-Verlag, 1992.
  • Lochhead, Marion: Renaissance of Wonder. The Fantasy Worlds of C.S. Lewis, J.R.R. Tolkien, George MacDonald, E. Nesbit and Others. San Francisco: Harper & Row, 1977.
  • Kinderliterarische Mythen-Translation. Zur Konstruktion phantastischer Welten bei Tove Jansson, C.S. Lewis und J.R.R. Tolkien. Hrsg. von Gunda Mairbäurl. Wien: Praesens, 2013.
  • Kullmann, Thomas: Englische Kinder- und Jugendliteratur. Eine Einführung. Berlin: Erich Schmidt Verlag, 2008.
  • Lewis, Clive Staples: On Three Ways of Writing for Children. In: Children and Literature. Views and Reviews. Hrsg. von Virginia Haviland. London: The Bodley Head Ltd., 1974. S. 231-240.
  • Neuhaus, Stefan: Märchen. Tübingen: Francke-Verlag, 2005.
  • The Cambridge Companion to C. S. Lewis. Hrsg. von Robert MacSwain und Michael Ward. Cambridge: Cambridge University Press, 2010.
  • The Cambridge Companion to Fantasy Literature. Hrsg. von Edward James und Farah Mendlesohn. Cambridge: Cambridge University Press, 2012.

Internet

Erstveröffentlichung: 01.05.2012


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