Die Institution Schule gehört zu den zentralen Handlungs- und Erfahrungsräumen von Kindern und Jugendlichen, was sich auch in ihrer Thematisierung in der Kinder- und Jugendliteratur widerspiegelt. Als Ort des Lernens, der Sozialisation und der Persönlichkeitsentwicklung, aber auch der Disziplinierung, der Ausgrenzung, der Gemeinschaft und des Widerstands ist sie seit den Anfängen der Kinder- und Jugendliteratur ein wiederkehrendes Motiv. Schulische Räume und Akteur*innen dienen dabei nicht allein als Schauplatz von Geschichten, sondern fungieren als Projektionsflächen gesellschaftlicher Normen, pädagogischer Ideale und kultureller Aushandlungsprozesse. Literarische Darstellungen von Schule reflektieren historische Bildungsverständnisse ebenso wie zeitgenössische Debatten um Leistung, Diversität, Inklusion, Digitalisierung, Partizipation oder Bildungsgerechtigkeit.
Der Themenschwerpunkt widmet sich der Schule als literarischem Raum, als erzählerischem Strukturprinzip und als kulturellem Deutungsmuster in der Kinder- und Jugendliteratur. Im Mittelpunkt stehen sowohl klassische als auch aktuelle Texte unterschiedlicher Gattungen und Medien, die Schule, Unterricht oder schulisches Leben – aber auch mögliche bildungsbezogene Gegenentwürfe – in den Fokus rücken oder schulische Erfahrungen in besonderer Weise thematisieren können. Von Interesse sind Beiträge, die Schule als institutionellen, sozialen, räumlichen oder symbolischen Ort untersuchen und danach fragen, welche Funktionen schulische Kontexte für Figurenentwicklung, Erzählstruktur, Wissensvermittlung oder Gesellschaftskritik übernehmen. Der Themenschwerpunkt versteht Schule nicht als statischen Hintergrund literarischen Erzählens, sondern als vielschichtigen kulturellen Resonanzraum, in dem gesellschaftliche Vorstellungen von Kindheit, Jugend, Bildung und Zukunft verhandelt werden. Ziel ist es, die Vielfalt literarischer Schulentwürfe sichtbar zu machen und ihre ästhetischen, historischen und gesellschaftlichen Dimensionen auszuloten.
Willkommen sind Beiträge aus unterschiedlichen theoretischen und methodischen Perspektiven; auch Beiträge zur Wechselwirkung zwischen literarischen Schulbildern und pädagogischen Diskursen, zu schulischer Lektürevermittlung oder zur didaktischen Rezeption schulbezogener Kinder- und Jugendliteratur sind ausdrücklich erwünscht. Dabei soll auch die Vielfalt kinder- und jugendmedialer Ausdrucksformen (Medienformen, Gattungen etc.) angemessen berücksichtigt werden.
Thematische Schwerpunkte könnten sein:
- Schuldarstellungen im Wandel
- Lehrer*innenbilder (im Wandel)?
- Lehrer*innen-Schüler*innen-Verhältnisse
- Schulische Subkulturen
- Freundschaft, Schule und Identitätsentwicklung
- Inklusion und Exklusion im schulischen Kontext
- Fantastisch/dystopische Schulen und Bildungskonzepte (z.B. die Nachtschule bei Moers, Hogwarts)
- (bildungs-/entwicklungsbezogene) Gegenentwürfe zu Schulen (vom Schuldachboden nach Phantásien)
- Übergänge: Vorschule -> Schule, Grundschule -> weiterführende Schule, Schule -> Studium/Beruf
- Die Bibliothek als außerschulscher Bildungsort
- Schule/Bildung als literarische Ordnungsstruktur (z.B. Internatsgeschichte, Bildungsroman)
Beitragsvorschläge können bis zum 30.09.2026 an
Nach erfolgter Zusage sind die Manuskripte zum 01.06.2027 fertigzustellen. Das Heft erscheint im November 2027.
Verantwortlicher Redakteur: Michael Ritter (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg)
[Quelle: Pressemitteilung]