Programm im Sommersemester 2026

Dienstag, 19.05.2026, 18 Uhr c.t.

“Und jetzt starte dein Raumschiff.” Grenzüberschreitungen zwischen Rezeption und Narration in Accessible Books – Merle Lotter und Helena Trapp

Taktil illustrierte Bücher, die primär an Kinder mit Sehbehinderung adressiert sind, eröffnen als Variante der Accessible Books durch taktile und interaktive Elemente neue Dimensionen der Rezeption und des Erzählens. Diese Bücher setzen durch ihre multimodale Gestaltung nicht nur auf eine multisensorische Ansprache, sondern laden die Rezipierenden durch ihren besonderen Aufforderungscharakter dazu ein, als aktive Mitgestaltende in die Handlung einzutreten. Ihre Materialität erfordert eine leibliche, ludische und performative Involviertheit der Rezipierenden, wodurch die Grenze zur Narration verwischt, da sie selbst zu Mit-Erzählenden werden.
Materialität und Interaktivität sind im Bereich der Kinder- und Jugendliteratur etabliert, was in zahlreichen Buchformen und -formaten sichtbar wird: Pop-Up-Bilderbücher, Bücher mit aufklappbaren oder ziehbaren Elementen, knisternden Stoffseiten oder sogar geruchserzeugenden Oberflächen sprechen gezielt mehrere Sinne an und fordern die Rezipierenden zur Interaktion mit dem Text auf.
Anhand des Accessible Books Der Planet (2019) von Marie Findeling zeigen wir in unserem Vortrag, wie die spezifische Gestaltung die Rezipierenden dazu einladen, nicht nur imaginativ, sondern auch körperlich an der Narration Anteil zu nehmen. Dabei beleuchten wir, wie die taktile und interaktive Gestaltung die Lesenden zum spielerischen Handeln auffordert und die Grenzen zwischen Rezeption und Narration aufhebt.
Theoretisch schließen wir an die Game Studies sowie an Performance- und Theatertheorien an. Ausgegangen wird von der Idee, dass der Text im Lektüreakt von der Inszenierung zur Aufführung wird: Das Lesen wird zum performativen Geschehen, die Lesenden bringen die Handlung „auf die Bühne“ ihrer Wahrnehmung und nehmen dabei eine aktive Rolle im Erzählprozess ein. Accessible Books werden so zu einem Wahrnehmungsraum, der narrative, ludische und sinnlich-performative Erfahrungen miteinander verbindet. Gleichzeitig fördern sie eine inklusive Spielkultur, in der alle Leser*innen eingeladen werden, Teil des Spiels und der Aufführung zu werden.

Merle Lotter ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der ALEKI (Arbeitsstelle für Kinder- und Jugendmedienforschung) an der Universität zu Köln und promoviert zu postkolonialen Perspektiven auf Kinder- und Jugendliteratur. In aktuellen Projekten beschäftigt sie sich mit inklusiven Erzählmedien für Kinder und Jugendliche. Außerdem ist sie im EU-geförderten Projekt "G-Book 3" zur Förderung von genderpositiver Kinder- und Jugendliteratur tätig. Zuvor hat Merle Lotter ihren Master of Education mit der Fächerkombination Deutsch und Ästhetische Erziehung und mit den Förderschwerpunkten Lernen und Geistige Entwicklung erworben.



Mittwoch, 1.07.2026, 18 Uhr c.t.

Im Zeichen des (Post)Digitalen: Zum Phänomen der ‚new bookishness‘ als Herausforderung für etablierte Ansätze der Intermedialitätsforschung – Prof.'in Dr. Irina Rajewsky

Es bedarf heute keiner Diskussion mehr, dass der digitale Wandel die literaturwissenschaftlichen (und ganz allgemein die geistes- und kulturwissenschaftlichen) Disziplinen vor große Herausforderungen stellt. Die tiefgreifenden Veränderungsprozesse der digitalen Transformation von Kultur und Gesellschaft betreffen grundlegende Fragen des Gegenstandsbereichs, der Methoden sowie des Selbstverständnisses dieser Disziplinen im 21. Jahrhundert. Umso erstaunlicher ist es, dass in weiten Teilen der Forschung bisher erst ansatzweise eine Auseinandersetzung mit der Frage stattfindet, ob und inwiefern etablierte literaturwissenschaftliche Ansätze, Theorien und Modellbildungen, die ihrerseits so gut wie ausschließlich auf der Grundlage ‚traditioneller‘ Medien entwickelt worden sind, im Horizont des Digitalen nicht neu diskutiert oder ggf. auch grundlegend überdacht werden müssten. Hierfür liefert die (aktuelle) Intermedialitätsdebatte ein aussagekräftiges Beispiel, in deren Rahmen theoretisch-konzeptionelle Herausforderungen, die sich mit der Digitalisierung für herkömmliche Ansätze der Intermedialitätsforschung ergeben, noch kaum reflektiert und diskutiert worden sind. Dabei ist hervorzuheben, dass die Herausforderungen und offenen Fragen, mit denen sich die Intermedialitätsforschung in Bezug auf die gegenwärtige Medienkultur und -praxis konfrontiert sieht, keineswegs allein den sog. ‚neuen‘ Medien zuzuordnen sind. Die mit der digitalen Transformation einhergehenden Veränderungsprozesse betreffen vielmehr sämtliche Bereiche unserer Kultur und Gesellschaft, d.h. nicht nur die digitalen Medien und Technologien selbst, sondern ebenso die (künstlerische und gesellschaftliche) Auseinandersetzung mit den sog. ‚alten‘ Medien in einer radikal veränderten medialen Gesamtsituation. Zu fragen ist insofern immer auch danach, wie Digitalisierung, Medienkonvergenz, sich fortlaufend verändernde Formen der Distribution und Mediennutzung wie auch (je) neu entstehende Wahrnehmungsformen, Aufmerksamkeits- und Wissensökonomien auf den angestammten Objektbereich der Literaturwissenschaft (die Text- bzw. Buch- wie auch die Erzählkultur) zurückwirken und zu Verschiebungs-, Ausdifferenzierungs- und Emergenzprozessen innerhalb des medialen Gesamtfeldes und (bestehender) medialer Relationsgefüge führen. Fragen dieser Art wird der Vortrag anhand des Phänomens der ‚new bookishness‘ bzw. einer ‚aesthetic of bookishness‘ (Pressman 2009) genauer nachgehen. Damit ist eine seit Anfang der 2000er Jahre zu beobachtende – in der Tat bemerkenswerte – Entwicklung innerhalb des literarischen (und mit gewisser Verzögerung auch innerhalb des literaturwis-senschaftlichen) Feldes aufgerufen, die sich nicht nur in einen direkten Zusammenhang mit dem (post)digitalen Zeitalter bringen lässt, sondern, wie zu zeigen sein wird, etablierte Ansätze der (literaturzentrierten) Intermedialitätsforschung auch vor bisher kaum beachtete Herausforderungen stellt.



 

Wer sich mit Bilderbüchern, mit Comics oder auch mit Filmen oder Computerspielen für Kinder und Jugendliche auseinandersetzt, kennt die Faszination von visuell erzählenden Medien. Diese Faszination liegt u. a. in der spezifischen Kombination aus Zeit und Raum begründet, wie Lessing in seiner Laokoon-Schrift aufzeigt, denn: Bilder erscheinen den Betrachter:innen als gleichzeitig wahrnehmbar und somit als räumlich organisiert, wohingegen Sprache, Text, Literatur in der Regel zeitlich organisiert sind. Aus diesen medialen Spannungen heraus können alte (zeichnerische und erzählerische) Traditionen aktualisiert werden, um neue Ausdrucksmöglichkeiten und Bedeutungspotentiale zu generieren.

An mehreren Abenden pro Semester wird sich das Kolloquium mit den erzählerischen Möglichkeiten ausgewählter Medien multiperspektivisch und interdisziplinär in verschiedenen Formen und Formaten beschäftigen. Das Ziel des Kolloquiums ist Forschendes Lernen, also gleichwohl die Auseinandersetzung mit den medialen Gegenständen zu suchen und an ihnen elementare und spezifische Methoden der Medienanalyse und -produktion kennenzulernen. So erhalten die Studierenden Einblicke in aktuelle geisteswissenschaftliche Forschung, sie lernen Methoden und Werke kennen und diese unter Anleitung einzuschätzen und zu analysieren.

Die Termine, zu denen das Kolloquium stattfindet, liegen jeweils dienstags und mittwochs von 18.15 bis 19.45 Uhr. Das Kolloquium findet digital via Zoom statt. Die entsprechenden Termine werden zu Semesteranfang hier auf der Homepage bekanntgegeben. Zugang zu Zoom erhalten Sie per eMail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Organisiert wird das Kolloquium von Prof.'in Dr.'in Maren Conrad (Universität Köln) und Prof. Dr. Tobias Kurwinkel (Universität Hamburg).

 

Vergangenes

Dienstag, 16.12.2025, 18 Uhr

"Storytelling" – mit Figuren, Farben und Formen? – Frank Kühne

Unser allgemeines Wissen über das, was beim "Lesen" geschieht, unterschätzt oft immer noch die Komplexität der kognitiven Prozesse, die dabei ablaufen. Wenn wir Buchstaben visuell erfassen, löst dies in der Rezeption komplexe Vorgänge aus: imaginierte Töne, Bilder, Farben, Gerüche, Gefühle etc. Aber was genau geschieht dabei? Und verlaufen diese Prozesse bei allen Lesenden in gleicher Weise? Und was bedeutet das fürs Storytelling?
Es gibt Unterschiede zwischen dem Leseprozess von Kinderbüchern und Büchern für Erwachsene. Im Kinderbuch ist die Illustration relevanter Storyteller. Im Kinderbuch-Lektorat wissen wir um die Frage, welche mediale Ebene welchen Content am besten aufgreift. Ziel ist eine gelingende Rezeption, bei der beide medialen Ebenen gut koordiniert sind.

Im Kolloquium erläutert Frank Kühne, Programmleiter des Carlsen Verlags, die wichtigsten Grundregeln für die Rezeption von Kinderbüchern. An Buch-Beispielen wird gemeinsam geforscht, wie in Kinderbüchern Content so organisiert werden kann, dass Storytelling auf den Ebenen Bild und Text gelingt.



Dienstag, 27.01.2026, 18 Uhr

Wissenschaftlicher Dialog: Michael Ende, das Düsseldorfer Marionetten-Theater und Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch – Lena Kentmann und Anna Zamolska

Ebenso spannend wie die Handlung des satanarchäolügenialkohöllischen Wunschpunsches (1989) von Michael Ende ist die Entstehungsgeschichte der ‚Zauberposse‘, die mit ihrem langen Titel in die (Kinder- und Jugend-)Literaturgeschichte eingegangen ist.
Bereits Jahre vor der Publikation lag die Idee als Hörspiel unter dem Titel Der Zauberpunsch vor: Hexe und Zauberer hießen anders und hatten weniger klingende Namen, das Ganze hatte noch nicht die burleske Ernsthaftigkeit, die es heute hat.
Regelmäßig bedrängt von Künstlerfreund und Marionettentheaterleiter Anton Bachleitner und dem Thienemann Verlag schreibt Michael Ende erst den Roman, dann die Theaterfassung, die am 20. November 1990 im Deutschen Schauspielhaus Hamburg unter der Regie von Götz Löpelmann Premiere feiert. Bei der Inszenierungsarbeit für das Marionettentheater treffen sich Michael Ende, Wilfried Hiller und Anton Bachleitner in München, wo sie gemeinsame Ideen für die Adaption entwickeln. Diese wird nur zwei Wochen nach der Premiere in Hamburg uraufgeführt – und avanciert zum größten Erfolg des Düsseldorfer Marionetten-Theaters. Sie gilt heute mit über 1.400 Vorstellungen als Düsseldorfer Kultstück, das seinen festen Platz im Weihnachtsprogramm hat.

Im Kolloquium wird Lena Kentmann ihre Abschlussarbeit vorstellen, in der sie Endes Roman mit der Adaption vergleicht – im Dialog mit Anna Zamolska, designierte Leiterin des Theaters, Puppenspielerin und Michael-Ende-Kennerin. Sie wird über die Verbindung vom Düsseldorfer Marionetten-Theater und Michael Ende sprechen.



Montag, 04.11.2024, 18 Uhr

Wissenschaftlicher Vortrag: Spielend erzählen? Zum Spannungsverhältnis von Interaktivität und Nonlinearität in narrativ komplexen Computerspielen – Prof. Dr. Jan-Noël Thon

Die digitale Medien- und Erzählform des Computerspiels hat in den letzten Jahren und Jahrzehnten nicht nur umfassende medienwissenschaftliche und medienpädagogische Aufmerksamkeit erfahren, sondern ist zunehmend auch in den Fokus der Deutschdidaktik gerückt. Entsprechend kann es inzwischen als Konsens gelten, dass insbesondere narrative Computerspiele sich auch und gerade zur Vermittlung etwa literarischer Kompetenzen im Deutsch- bzw. im Literaturunterricht eignen, wobei hier regelmäßig insbesondere die Nähe des Computerspiels zur Lebenswelt der Schüler*innen hervorgehoben wird. Zugleich birgt die Medienspezifik der digitalen Erzählform des Computerspiels aber auch eine Reihe von Herausforderungen für den Einsatz im Deutschunterricht, die der Vortrag insbesondere mit Blick auf das Spannungsverhältnis von ‚Interaktivität‘ und ‚Nonlinearität‘ anhand ausgewählter rezenter Beispiele narrativ komplexer Computerspiele thematisieren möchte. Während sich ‚Interaktivität‘ als obligatorisches Merkmal digitaler Erzählformen aus dem basalen ‚Feedback Loop‘ (Eingabe/Ausgabe) zwischen Nutzer*in und Computer ergibt, lässt sich ‚Nonlinearität‘ als optionales Merkmal digitaler Erzählformen im Sinne des Vorliegens einer nonlinearen narrativen Struktur verstehen, deren Aktualisierung die Nutzer*innen substantiell beeinflussen können. Gerade narrativ komplexe Computerspiele verbinden das interaktive Spielgeschehen dabei häufig mit nonlinearen narrativen Strukturen, die vielfältige Möglichkeiten für die Reflexion der Kulturtechnik des Erzählens unter digitalen Bedingungen bieten.

Jan-Noël Thon ist Professor für Medienwissenschaft und Mediendidaktik an der Universität Osnabrück, Deutschland. Zuvor war er u.a. Assistant Professor of Media Studies and Digital Media Culture an der University of Nottingham, Großbritannien, Professorial Fellow an der University for the Creative Arts in Farnham, Großbritannien, Gastprofessor für Medienwissenschaft an der Universität zu Köln, Deutschland, sowie Professor für Medienwissenschaft an der Technisch-Naturwissenschaftlichen Universität Norwegens in Trondheim, Norwegen. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf der Ästhetik, Narrativität und Postdigitalität gegenwärtiger Medienformen und Medienkulturen sowie auf den interdisziplinären Forschungsfeldern der Film- und Fernsehwissenschaft und der Comic-, Computerspiel- und Transmedialitätsforschung.



Montag, 13.01.2025, 18 Uhr

Ateliergespräch: Lesen. Gucken. Lauschen. Die Kunst des visuellen Erzählens für Kinder im Digitalen – Thorsten Höge

Kinder und Jugendliche heute für Inhalte zu begeistern, ist eine Herausforderung - sie sind anspruchsvoll, technikaffin und erwarten Erlebnisse, die ihre Vorstellungskraft auf vielfältige Weise ansprechen. Wie erreicht ein Verlag die Kinder also jenseits des klassischen Buches? Die Antwort liegt in der Kombination aus digitaler Innovation, kreativem Storytelling und der Verbindung von analogen und digitalen Erlebnissen.
In diesem Gespräch wird diskutiert, wie verschiedene digital-hybride Projekte der Verlagsgruppe Oetinger neue Wege beschreiten, um Kinder spielerisch und interaktiv zu erreichen. Diese hybriden Produkte verbinden spannende Geschichten mit digitalen Elementen, um immersive Welten zu schaffen, die Lesen, Gucken und Hören miteinander vereinen. In der Entwicklung dieser Projekte nutzten die Verlags-MitarbeiterInnen mehrere KI-Tools auf vielfältige Weise - zum einen werden kreative Möglichkeiten erweitert, indem sie dynamische, personalisierte Inhalte erzeugen und gleichzeitig das interaktive Storytelling auf ein neues Level heben.
Neben der Vorstellung konkreter Beispiele beleuchtet das Gespräch praxisnah, wie Verlage und Kreative (KI-)Technologien und Konzepte nutzen können, um digitale und physische Welten nahtlos zu verbinden und Produkte zu entwickeln, die sowohl unterhalten als auch bilden. Wir sprechen darüber, welche Methoden und Ansätze sich in der Produktentwicklung bewährt haben, wie das Zusammenspiel von analog und digital gestaltet werden kann und welche Rolle KI dabei spielt, um neue Formen des interaktiven Erzählens zu ermöglichen.

Thorsten Höge leitet in der Verlagsgruppe Oetinger die Bereiche digitale Strategie/Geschäftsmodelle sowie alle Audio-Produktionen. Er ist ursprünglich gelernter Journalist und macht "was mit Internet" seit Mitte der 1990er-Jahre. Er verantwortete als Chefredakteur und Verlagsleiter Zeitschriften und Online-Angebote, gründete mehrere Start-ups und beriet eine Reihe von Unternehmen. Oetinger ist die Verlagsheimat von Astrid Lindgren, Cornelia Funke, Paul Maar, Kirsten Boie, Erhard Dietl und vielen weiteren bekannten AutorInnen.



Donnerstag, 09.11.2023, 18 Uhr

Ateliergespräch: Kami und Mika (Feldmann/Klinge)

Autorin Regina Feldmann und Illustratorin Ayşe Klinge berichten in unserem Ateliergespräch von der Entstehung von Kami und Mika, ihrem Ende März 2023 bei Fischer Sauerländer erschienenen Abenteuerbuch, in dem ein Geschwisterpaar in die phantastische Welt der Wolkenhainis eintaucht. Regina Feldmann nimmt uns mit auf dem Weg von den ersten Ideen und Skizzen über die Verlagssuche und den ständigen Schreibprozess bis zur Kooperation bei Lektorat und Visualisierung – und Ayşe Klinge gibt Einblicke in die frühen Entwürfe und wichtige Entwicklungsschritte der Illustrationen. Und vielleicht bekommen wir auch einen Ausblick auf Band 2, der für März 2024 angekündigt ist?

Regina Feldmann, Ayşe Klinge auf Instagram
Kami und Mika auf den Seiten der Fischerverlage



Donnerstag, 30.11.2023, 18 Uhr

Werkstattgespräch

Das Werkstattgespräch ist studentischen Arbeiten und Projekten gewidmet: Entsprechend präsentiert Prof. Dr. Maren Conrad gemeinsam mit drei Studierenden der Universität zu Köln eine Pilotstudie der im Entstehen begriffenen Forschungsstelle für Inklusion und Diversität in der Kinderliteratur (FI*NK). Die Studie widmet sich einer empirischen Erhebung von Diversität in der deutschen Kinderliteratur; das Textkorpus besteht aus Bilderbüchern aus dem Jahr 2022, die für a) den Friedenspreis b) die besten 7 und c) den katholischen Jugendbuchpreis vorgeschlagen und/oder mit dem Jugendliteraturpreis ausgezeichnet wurden. Während die Zählung von Figuren mit Diversitätsmarkern in etwas mehr als 200 Bilderbüchern aktuell durchgeführt wird, wird die Datenerhebung von drei Masterarbeiten flankiert: Bengi Gümüs widmet sich dem Schwerpunkt Race und Religion, Leonie Knörzer dem Schwerpunkt Gender/ Sex/ LGBTQIA*/ Queerness und Linda Kalinke dem Schwerpunkt Inklusion/ Behinderung/ Krankheit/ Körpervielfalt. Die Kurzpräsentation gibt einen Einblick in den aktuellen Stand der Studie und der laufenden MA-Arbeiten.

Alina Lutze und Lea Zindel, Studentinnen der Universität Duisburg-Essen, stellen ihre Masterarbeiten vor, in denen es zum einen um das kulturökologische Potenzial von entsprechenden Bilderbüchern im Literaturunterricht, zum anderen um eine Diskursanalyse zur historischen Entwicklung des Motivs der Nacht am Beispiel ausgewählter Bilderbücher geht.



Donnerstag, 18.01.2024, 18 Uhr

Wissenschaftlicher Vortrag: Visuell-taktiles Erzählen an der Schnittstelle von Comic und Kinderbuch – Dr. Nina Eckhoff-Heindl

Das beständige Spiel mit Formen, Konventionen und Materialitäten der Trägermedien zeichnet die Comics von Chris Ware bereits mit Beginn seiner Comicreihe Acme Novelty Library in den 1990er Jahren aus. Mit Building Stories (2012) treibt Ware dieses Spiel auf die Spitze: In 14 unterschiedlichen Publikationsformaten (u.a. Zeitung, Leporello, Hardcover, ‚Kinderbuch‘, Magazin, Spielbrett) werden die Geschichten von fünf Bewohner*innen eines Chicagoer Mietshauses erzählt. Durch die Wahl der unterschiedlichen Trägermedien greift Ware die historische Entwicklung des Mediums Comic auf – so verweisen etwa die Zeitungs- und Magazinformate auf die frühen Publikations- und Distributionszusammenhänge von comic strips. Zusätzlich kontrastieren das in Leinen gebundene Hardcover sowie das an Eigenschaften eines Kinderbuches angelehnte Format mit dicken Pappdeckeln die widerstreitende Positionierung des Comics entweder als triviale Unterhaltungslektüre oder als ernstzunehmendes, hochkulturelles Werk.
Bei den Bestandteilen von Building Stories trägt die spezifische Materialität des jeweiligen Formates zur Bedeutungsgenerierung innerhalb der Erzählungen bei und wird im Vortrag exemplarisch am ‚Kinderbuch‘-Format vor Augen gestellt: Die dicken Pappseiten des Einbandes und die Besitzfelder zur Personalisierung erzeugen die Erwartung einer reich bebilderten Kindergeschichte; die lesend Betrachtenden werden im Inneren aber mit comicspezifischen Panelarrangements und dem unaufgeregten Tagesablauf in einem Mietshaus konfrontiert. Es wird gezeigt, wie Ware durch die Verschmelzung von Kinderbuch- und Comic-Materialitäten die Reflexion von Darstellungskonventionen sowie kulturell geprägten Erwartungshorizonten im Spannungsfeld von Marginalisierung und Nobilitierung, Nostalgie und Wegwerfkultur anstößt und diese visuell-taktil erfahrbaren Erkenntnisse wiederum für die Erzählung fruchtbar macht.

Dr. Nina Eckhoff-Heindl studierte Kunstgeschichte und Philosophie an der Ruhr-Universität Bochum. 2021 schloss sie ihre Cotutelle-Promotion an den Universitäten Köln und Zürich mit summa cum laude ab. 2022 wurde ihre Dissertationsschrift Comics begreifen. Ästhetische Erfahrung durch visuell-taktiles Erzählen in Chris Wares Building Stories mit dem Roland-Faelske-Preis für Comic- und Animationsforschung ausgezeichnet. Aktuell arbeitet sie in dem Projekt Comicforschung.NRW am Institut für Medienkultur und Theater der Universität zu Köln.