Die Wienerin Vera Ferra-Mikura (1923-1997), als Lyrikerin in der von Otto Basil herausgegebenen Zeitschrift Plan entdeckt, ab 1948 als freie Schriftstellerin tätig und Teilnehmerin an zahlreichen Veranstaltungen der Nachkriegszeit, fiel zunächst als Autorin origineller und satirischer Beiträge für Zeitungen und Zeitschriften auf, bevor sie sich ab den späten 1940er Jahren vermehrt der Kinder- aber auch der Jugendliteratur, ihrer Meinung nach einem Teilbereich der Literatur, widmete. Sie zählte zu den bedeutendsten österreichischen Lyrikerinnen und Erzählerinnen, Rudolf Felmayer nannte sie „die beste junge Dichterin neben Christine Busta“ (Neue Wege, 1959/60, 92). Sie verfasste auch Hörspiele, Romane, Haikus und war Meisterin des Sprachspiels. Die österreichische Kinder- und Jugendliteratur verdankt ihr die ersten phantastischen Erzählungen. Man nannte sie die „Astrid Lindgren von Österreich“ (Anzeiger des österreichischen Buchhandels, Nr.4/1983).
 
Ihre Erfolge und ihre Beliebtheit spiegeln sich in einer Fülle an Auszeichnungen wider, unter anderem erhielt sie zwischen 1956 und 1983 neun Mal den Kinder- und Jugendbuchpreis der Stadt Wien; 1962, 1963, 1964 den Österreichischen Staatspreis für Kleinkinderbücher, 1971, 1973, 1983/84 den Österreichischen Staatspreis für Kinderbücher; 1988 die Goldene Ehrenmedaille der Stadt Wien für bedeutende Leistungen. 34 ihrer Kinderbücher, die zumeist in den Verlagen Jugend & Volk und Jungbrunnen, im Festungsverlag und bei Kremayr & Scheriau erschienen sind, standen auf der Ehrenliste des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst und des Kulturamtes der Stadt Wien. Ferra-Mikura war in zahlreichen Schriftsteller*innenverbänden aktiv und dementsprechend mit zahlreichen Kolleg*innen in regem Austausch, unter ihnen Käthe Recheis, Brigitte und Wilhelm Meissel, Friedl Hofbauer, Oskar Jan Tauschinski und Kurt Wölfflin. Aber auch mit vielen der zahlreichen Illustrator*innen, mit denen sie zusammenarbeitete, darunter etwa Romulus Candea, war sie freundschaftlich verbunden.
 
Vera Ferra-Mikura prägte mit zahlreich neuaufgelegten und in viele Sprachen übersetzten Werken mehrere Generationen jüngerer und älterer Kinder: So gab sie mit Zaubermeister Opequeh (1956) den ersten Impuls für das Genre der phantastischen Erzählung in Österreich, schuf mit Der alte und der junge und der kleine Stanislaus (1962) einen zeitlosen Klassiker und griff bisherige Tabus in der Kinderliteratur auf, etwa das Thema Scheidung in Peppi und die doppelte Welt (1963), körperliche Einschränkungen in Simon und Sabine von der Burgruine (1978) und Alter in Die Oma gibt dem Meer die Hand (1982). Ihre liebenswerten Figuren sind zum Teil noch heute unvergessen.
 
Mögliche Themen zur Einreichung:
  1. Zusammenarbeit mit anderen Autor*innen, mit Verlagen und Illustrator*innen
  2. Spuren des Wirkens von Ferra-Mikura in der zeitgenössischen österreichischen, aber auch internationalen Literatur
  3. Nachhaltigkeit der von Ferra-Mikura aufgegriffenen Themen und Niederschlag in den heutigen Jugendmedien
  4. Aktuelle Rezeption ihrer Werke
  5. Vergleich ihrer Werke für Erwachsene und junge Leser*innen

 
Die Veranstalter*innen sind auch für weitere Vorschläge offen.
 
Bitte schicken Sie bis 15.3.2023 ein Abstract (ca. 4000 Zeichen) mit Literaturangabe und eine kurze Biografie (ca. 1000 Zeichen) an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein..
 
Die Veranstalter*innen melden sich bis Ende März bei allen Einreicher*innen. Eine Publikation der Tagungsbeiträge ist geplant.
 
Weitere Informationen finden Sie hier.
[Quelle: Call for Paper]