[13.09.2019]

Die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendliteratur e.V. stellt in Kooperation mit der Frankfurter Buchmesse und dem Börsenblatt die fünf Nominierten für die Serafina 2019 vor. Der von der Mediengruppe Pressedruck in Augsburg und der Porzellan Manufaktur Nymphenburg gestiftete Preis ist mit 2.500 EUR dotiert. Die Preisverleihung wird auf der Frankfurter Buchmesse am 15. Oktober ab 19.30 Uhr im Literaturhaus Frankfurt stattfinden.

Die Nominierten

  • Hannah Brückner mit Mein fantastisches Baumhaus
    Berlin: Jacoby & Stuart 2018. 32 S., 19 EUR. ISBN 978-3-946593-89-8

Zehn Stockwerke hat das Haus – aber wie gut kennen sich eigentlich die Bewohner? Die junge Berliner Illustratorin Hannah Brückner lässt einen Jungen immer ein Stockwerk weiter hoch laufen, nein: klettern, denn in seiner Phantasie wird das Haus zu einem großen Baum, die Türen werden durchsichtig, er stellt sich die Bewohner dahinter vor und wir als Betrachter sehen sie. Mit feinsten Pünktchen und jedem weiteren Ausklappen entsteht eine verästelte Welt mit unglaublich vielen Details: ein 2,60 Meter langes Leporello. Brückner nutzt konsequent die gesamte Fläche und zeigt auf der Rückseite die reale, triste Mietshaus-Wirklichkeit – die Kinder mit Buntstiften oft ganz schnell ändern.

  • Taltal Levi mit Ein Fingerhut voll Mut
    Zürich: NordSüd Verlag 2019. 48 S., 16 EUR. ISBN 978-3-314-10489-3

Mit etwas Mut lässt sich viel erleben, und überall gibt es etwas zu entdecken. Sogar Schatten können sich als Spielkameraden entpuppen – wenn man wenigstens den sprichwörtlichen Fingerhut voll Mut aufbringt. Taltal Levi, seit ihrem Abschluss in Illustration Fiction an der Hochschule Luzern freie Illustratorin, bringt mit leichten Farben und zarten Strichen, die sie mit kräftig-gelben Akzenten aufbricht, mächtig Schwung in dieses rundum gelungene Buch voller Lebensfreude. Die zeitgemäß erzählte und dabei zeitlose Däumlingsgeschichte ist eine spielerische Einladung an Kinder, ihre Umgebung zu erkunden und nicht fehlende Größe und mangelnde Fähigkeiten als Einschränkung zu erleben. Und an Erwachsene, sich auf eine andere Perspektive einzulassen.

  • Lotte Bräuning mit Annie und die Bärenjäger
    Zürich: Atlantis 2019. 32 S., 14,95 EUR. ISBN 978-3-7152-0764-3

Groß und schwer der eine, lang und aufgeschossen der zweite, klein und fix der dritte: Drei Männer zeichnet Lotte Bräuning mit feinem Buntstift und unterschiedlichen Charakteristika, die eines gemeinsam haben: Sie sind Maulhelden. Während die drei im Saloon bei reichlichem Whiskey-Genuss ihren Tagträumen nachhängen und sich darin überbieten, auf welche Weise sie den gesuchten Bären fangen und was sie mit der dicken Prämie machen, verschwindet die Kellnerin mal kurz. Und handelt. Die Hamburger Illustratorin nutzt die Doppelseiten als Tableau für unterschiedlichste Bildformate, treibt die Szenen schwankend wie die Kerle voran und präsentiert eine herrlich unaufgeregte Annie, die zeigt, wie’s geht.

  • Rachel Katstaller mit Zoë Tucker / Rachel Katstaller Ada und die Zahlen-Knack-Maschine. Das außergewöhnliche Leben der Ada Lovelace
    Zürich: NordSüd Verlag 2019. 32 S., 16 EUR. ISBN 978-3-314-10472-5

Illustrierte Bücher über starke Frauen gibt es in den vergangenen Jahren einige. Rachel Katstallers Bilderbuchdebüt über Ada Lovelace, die vor 200 Jahren den Grundstein für die moderne Computertechnik legte, ist dennoch herausragend: In wenigen prägnanten Szenen zeichnet sie das Leben der jungen Ada im viktorianischen London mit viel Humor und sicherem Gespür für Farben und Formen. So bedient sich das in Braun- und Blautönen gehaltene Bilderbuch sowohl wechselnder Perspektiven als auch wunderbarer Muster und Formen – sei es in Form von Rechenpapier in Adas Kleidung oder beeindruckenden Bodenfliesen und Teppichen im elterlichen Wohnzimmer. Das Buch wirkt frisch, luftig, modern – und ist ganz und gar aus einem Guss.

  • Lucia Zamolo mit Rot ist doch schön
    Münster: Bohem 2019. 96 S., 14,95 EUR. ISBN 978-3-95939-080-4

„Erstaunlicher Weise haben wir in unserer WG erst angefangen, locker über unsere Periode zu sprechen, als der einzige Junge ausgezogen ist“, erinnert sich Lucia Zamolo. Die Illustratorin aus Münster behandelt das Thema Menstruation mit Offenheit und setzt sich über das gesellschaftliche Tabu mit viel Humor hinweg. Handgeschriebene Typografie und kolorierte Zeichnungen ergeben als Einheit eine zeitgemäße Bildsprache, die Gestaltung ist mutig und großzügig. Mit Leichtigkeit, Poesie und sichtbarem Bleistift-Duktus erzählen die Illustrationen von historischen Vorurteilen und Aberglauben rund um das Thema; persönliche Erlebnisse ergänzen die Fakten ähnlich einem Tagebuch. Zamolo schafft damit eine rundum stimmige Gesamtatmosphäre.

[Quelle: Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendliteratur e.V.]