„ICH HASSE ALLES!“ von Sophy Henn (EMF Verlag) ist keine einfache Geistergeschichte, sondern eine humorvoll-philosophische Auseinandersetzung mit allzu schnell geäußerten, allzu harten Worten, die hier von einem zweiten, kleineren Gespenst vorsichtig hinterfragt werden. Damit kann sie spielerisch auf unsere Gesellschaft übertragen werden: Sie zeigt, wie gut sich lautes Hass-Gebrüll entkräften lässt, indem man gezielt nachbohrt, wogegen sich die laut geäußerte Wut eigentlich genau richtet.

Der HUCKEPACK Bilderbuchpreis wurde 2016 in Wetzlar im Rahmen des sozialpräventiven Projekts „Vorlesen in Familien“ von den Kooperationspartnern Bremer Institut für Bilderbuchforschung und der Phantastischen Bibliothek Wetzlar ins Leben gerufen. „Vorlesen in Familien“ organisiert seit über 20 Jahren regelmäßige und über einen meist mehrjährigen Zeitraum laufende Besuche ehrenamtlicher Vorleserinnen und Vorleser direkt bei den Familien zu Hause, bei denen das Lesen aus verschiedenen Gründen sonst keinen Raum hat. So wird Kindern, denen es schwer fällt in der Kita oder Grundschule Anschluss zu finden, der Weg zu einer besseren sozialen Teilhabe geebnet. Die Bilderbücher, aus denen ihnen vorgelesen wird, werden zuvor durch eine bunt gemischte Expertenrunde aus pädagogischen Fachkräften, Buchhändlern, Lese- und Literaturpädagogen und Journalisten geprüft. Sie sollen nach Möglichkeit nicht nur eine ermutigende Geschichte erzählen, sondern sprachlich und bildästhetisch so gestaltet sein, dass sie auch mit wenig Vorerfahrung oder wenig Deutschkenntnissen zu erfassen sind.

Sophy Henns „ICH HASSE ALLES“ erfüllt diese Anforderungen meisterhaft: In der Geschichte zweier Gespenster, von denen eines sehr schlecht gelaunt ist und ein zweites ihm durch behutsame Gegenfragen klar macht, dass diese Laune nicht nur unbegründet ist, sondern dass es sehr viele Gründe gibt, sehr vieles auf der Welt zu lieben, wird unter völligen Verzicht auf einen Erzähler ausschließlich durch den Dialog der beiden Hauptfiguren vermittelt.

Humorvoll und mit leisem Augenzwinkern wird so schon jungen Kindern klargemacht, dass es sich lohnt, negative Gefühle zu hinterfragen und neue Kraft durch positive Gedanken zu schöpfen. Die geschlechtsneutralen Geistlein bieten sich in ihrer sehr einfachen Darstellung als Identifikationsfiguren sowohl für Jungen als für Mädchen an; der Verlauf der Gefühle wird von zornigrot bis hin zu einem fröhlich-leichten Lavendelblau im monochrom gehaltenen Hintergrund verstärkt. Dass es in diesem Fall die kleinere Figur ist, die die größere durch ihre gewitzten Fragen „HUCKEPACK“ nimmt, hat die Jury besonders begeistert.

Der mit 1000,- Euro dotierte und vom pädagogischen verlag das netz gestifete Preis wird am 12. Juni 2026 im Rahmen einer pädagogischen Fachtagung in Abwesenheit der Autorin verliehen, die sich zu der Zeit auf Lesereise in Amerika befindet. Stellvertretend nimmt Lektorin und Übersetzerin Corinna Scherr die Urkunde entgegen.

 

 

[Quelle: Pressemitteilung]