Marcus H. Rosenmüller, 1973 in Hausham geboren, dreht seit über 25 Jahren Filme. Schon mit dem Abschluss seines Studiums an der Hochschule für Fernsehen und Film München gewann er 1999 für den Kurzfilm Nur Schreiner machen Frauen glücklich den Deutschen Filmschulpreis in Gold. Verschiedene Dokumentarfilme für den Bayerischen Rundfunk in der Reihe „Irgendwo in Bayern“ unter anderem mit Joseph Vilsmair schlossen sich an.
Bundesweit erfolgreich wurde 2006 sein erster Kinofilm Wer früher stirbt ist länger tot, für den er das Drehbuch schrieb und dann selbst Regie führte. Der Film nimmt die Perspektive eines bajuwarischen Dorfjungen ein, der aus Angst vor Fegefeuer und ewiger Verdammnis eine turbulente Verwechslungskomödie ins Rollen bringt. Die witzig und nicht selten respektlos dargestellte Welt der Erwachsenen bleibt aber nicht bei bloßem Schabernack stehen, sondern nimmt die Ängste der Kinder in grotesker Überzeichnung ernst. Rosenmüller hat damit höchst originell die Tradition der Lausbuben-Geschichte in Mundart weitergeschrieben. Wer früher stirbt … erhielt 2007 mehrere Deutsche Filmpreise, unter anderem den Preis für die Beste Regie.
Die Sportler-Komödie Schwere Jungs und die mit leisem Humor erzählte Geschichte Beste Zeit (2007) einer Freundschaft zweier Teenager wurden weitere Erfolge bei Kritik und Publikum. Auch sie blicken mit den Augen von Jugendlichen auf die Welt. In Beste Gegend führte Rosenmüller seine filmische Erzählung über das Erwachsenwerden der beiden Heldinnen aus Beste Zeit fort. 2014 startete dann der Abschluss der Trilogie Beste Chance in den Kinos. In Räuber Kneißl (2008) erzählte er die Geschichte des legendären bayerischen Volkshelden. Ein Jahr später kommt sein Film Die Perlmutterfarbe raus. Er handelt von einem Schuljungen, der in einem bayerischen Dorf des Jahres 1931 in die Intrigen eines Schulkameraden verstrickt wird. Die Komödie Sommer in Orange, die im August 2011 startete, erzählt – basierend auf realen Geschehnissen – von einer Bhagwan-Kommune in einem bayerischen Dorf zu Beginn der 1980er-Jahre.
Rosenmüller wechselt auch in den folgenden Jahren in seinen Filmen zwischen aktuellen Themen und historischen Stoffen: Ende 2011 folgte mit Sommer der Gaukler ein tragikomischer Historienfilm über eine ambitionierte Wandertheatertruppe, die um 1780 in einem Bergdorf bei Salzburg strandet, oder Krimikomödien wie Pension Freiheit sowie die Skiortkomödie Wer’s glaubt, wird selig. Parallel dazu realisierte Rosenmüller Hubert von Goisern – Brenna tuat’s schon lang, ein dokumentarisches Porträt des Musikers und Liedermachers Hubert von Goisern. 2016/17 gehörte er zu den zahlreichen Regisseuren des Projekts 24 h Bayern – Ein Tag Heimat. Von 2013 bis 2017 inszenierte er mit Gerd Baumann als Komponist zudem das Singspiel zur Starkbierprobe auf dem Münchner Nockherberg. Sein Kinofilm Unheimlich perfekte Freunde erzählt die Geschichte zweier zehnjähriger Jungen, deren Spiegelbilder plötzlich zum Leben erwachen. Rosenmüller erzählt Geschichten von und für große wie kleine Leute.
Seit 2022 ist Rosenmüller auch Regisseur für die Neuen Geschichten vom Pumuckl, die die Geschichten von Ellis Kaut mit Herz und Verstand fortsetzen. Marcus H. Rosenmüller ist damit wohl der lebendigste Filmemacher in der Tradition der bayerischen Volksgeschichten.
Die Preisverleihung findet am 20. November 2026 in Volkach statt. Die Einladung erfolgt persönlich. Die Laudatio auf den Träger des Großen Preises 2026 spricht spricht Max von Thun.
SONDERPREIS GEGEN ANTISEMITISMUS UND FÜR JÜDISCHES LEBEN
Die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendliteratur verleiht im Jahr 2026 erstmals einen Sonderpreis gegen Antisemitismus und für jüdisches Leben, der an die Holocaust-Überlebende Eva Szepesi (Frankfurt am Main) geht.
Seit dem Wiederaufbäumen von Extremismus, Antisemitismus und anderen Formen von Menschenverachtung setzt sich Eva Szepesi unentwegt für die Zukunft der Demokratie und der Zivilisation ein. In der Überzeugung, dass es wieder begonnen hat und dass die Vorboten des Zivilisationszusammenbruchs wie schon in ihrer Kindheit wieder da sind, lautet das Credo der 93-jährigen Auschwitzüberlebenden „Nie wieder ist jetzt“.
In ihrem unermüdlichen Engagement hat Szepesi die Aufklärung von Kindern und Jugendlichen über Hass und Extremismus ins Zentrum ihrer Aktivitäten gestellt. Szepesi benutzt die Erinnerung an die dunkelste Nacht als Aufforderung, nicht zu verzagen und nicht den Kopf in den Sand zu stecken, sondern gleichermaßen wehrhaft zu sein und hoffnungsvoll selbst das Heft des Handelns in die Hand zu nehmen, um ein auf Nächstenliebe basierendes schockresilientes Gemeinwesen zu schaffen. Wie Szepesi sagt: „Ich will gegen Desinformation aufklären. Und alle dazu zu bekommen, hinzuschauen und nicht zu schweigen, wenn andere unterdrückt werden. […] Ich möchte alles dafür tun, dass Kinder nicht hassen.” Ihr geht es darum, der schweigenden Mehrheit Kraft, Mut und Inspiration zu geben, sich gegen Antisemitismus und Extremismus zu erheben. Eva Szepesi hat in folgenden Worten zusammengefasst, wie sie in die Vergangenheit schaut – und wie wir alle in die Vergangenheit schauen sollen – um befähigt zu werden, eine hoffnungsvolle und wehrhafte Vision für die Zukunft zu entwickeln und Realität werden zu lassen:
„Es muss schon einen Sinn haben, dass ich am Leben geblieben bin. Manchmal habe ich mich gefragt, wieso mein Bruder sterben musste, denn ich hatte kein größeres Recht, am Leben zu bleiben. Aber wenn es so ist, dann muss es einen Sinn haben. Dann möchte ich etwas dafür tun und aufklären. Ich weiß, wie viele Schmerzen ich hatte. Ich bekomme heute Auszeichnungen und viel Zuspruch, aber ich habe sehr teuer dafür bezahlt. Ich möchte den Kindern und der Jugend heute diese Schmerzen ersparen, verhindern, dass sie ihre Eltern und Geschwister auf solch grausame Art verlieren. Ich möchte, dass sie in Frieden miteinander und glücklich leben können. Deshalb sollen die Leute nach meinen Vorträgen und Berichten nicht aufstehen und klatschen, sondern unser wunderbares Grundgesetz und unsere Demokratie verteidigen. Sie sollen ihre Stimme in ihrem Bekanntenkreis gegen die erheben, die wieder rechtsextreme Parteien wählen. Ich wünsche mir mehr Menschlichkeit und Empathie. Ich wünsche mir, dass die Leute nicht wegschauen und schweigen, denn die Schoah hat auch nicht mit Auschwitz begonnen, sondern mit dem Wegschauen der Gesellschaft. Dafür versuche ich, die Kraft und den Mut weiterzugeben, die auf Liebe zueinander aufbauen, wie es mir meine Mutter mitgegeben hat.“
Wie aus dem letzten Satz hervorgeht, war die Liebe ihrer Eltern die Kraft- und Inspirationsquelle, die es Eva Szepesi erlaubte, Auschwitz zu überleben und nach jahrzehntelangem Schweigen, ihre Stimme zu erheben, um die Menschheit zu mahnen, gleichermaßen wehrhaft zu sein und eine hoffungsvolle Vision der Zukunft zu definieren, vorzuleben und zu gestalten. Ihre Eltern überlebten die Schoah nicht, aber sie leben als Inspirationsquelle fort. Bis heute bestimmt das ungarische Wiegenlied ihrer Mutter Eva Szepesis Handeln:
Lasst uns gegenseitig lieben, Kinder,
denn das Herz ist der schönste Schatz.
Ein schöneres Wort als Liebe,
gibt es auf der ganzen Welt nicht.
Das Leben zieht sowieso vorbei,
das Grab schließt alle ein,
deshalb lasst uns gegenseitig lieben,
denn sonst ist es um jede Minute schad.
In Zeiten von neuem Extremismus und Menschenverachtung, versucht Eva Szpesi genauso zu wirken, wie das Lieder ihrer Mutter auf sie gewirkt hat. Sie versucht, die Vision ihrer Mutter für eine Gesellschaft, in der das gute Leben für alle möglich ist, weiterzugeben: „Ich möchte diese Kraft weitergeben,” sagt Szepesi, “und die Menschen zum Nachdenken bringen, was sie tun müssen, damit wir alle friedlich zusammenleben können.”
Eva Szepesi wurde am 29. September 1932 in Budapest als Éva Diamant geboren. Sie verbrachte eine behütete Kindheit mit ihrem Bruder Tamás und ihren Eltern, die ein Geschäft für Herrenmode betrieben, bis 1938 antisemitische Rassengesetze in Kraft traten. Nach dem deutschen Einmarsch in Ungarn im Frühjahr 1944 schickte ihre Mutter Éva in die Slowakei, in der Hoffnung, sie so zu retten. Sie wurde jedoch auf der Flucht entdeckt und ins Sammellager Sered gebracht, von wo aus sie am 2. November 1944 in einem Viehwaggon nach Auschwitz deportiert wurde. Vor der Selektion flüsterte eine Aufseherin ihr zu, sich als 16-Jährige auszugeben, was sie vor der sofortigen Ermordung in der Gaskammer bewahrte. Im Januar 1945 nahm die SS sie nicht mit auf den Todesmarsch aus Auschwitz heraus, weil sie sie für tot hielten. Als Einzige ihrer Familie überlebte sie den Holocaust und kehrte nach Budapest zurück. Sie erlernte den Beruf der Schneiderin und heiratete 1951. 1954 wurde sie zusammen mit ihrem Mann vom Außenhandelsministerium für zwei Jahre nach Frankfurt am Main geschickt. Nach dem Ungarnaufstand 1956 beantragten sie Asyl in Deutschland. Ein halbes Jahrhundert konnte sie nicht über ihr Schicksal während der Schoah sprechen. Heute engagiert sie sich höchst besorgt unentwegt für die Zukunft der Demokratie und warnt vor neuem Hass, Antisemitismus und Extremismus. Im Januar 2024 hielt sie im Deutschen Bundestag die Rede zur Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus.
Die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendliteratur ehrt Eva Szepesi dafür, wie sie die Erinnerung an die dunkelste Nacht dazu benutzt, um Lehren zu ziehen, wie ein neues hoffungsvolles, wehrhaftes und schockresilientes und auf Nächstenliebe beruhendes Morgen gleichermaßen für Juden und die ganze Menschheit möglich ist. Sie ermutigt uns alle dazu, nicht nur Visionen für die Zukunft der Demokratie, der Zivilisation und einer Freiheit, die für alle gilt, zu entwickeln und Lehren aus der Vergangenheit ziehen, sondern diese auch konkret und mutig umzusetzen.
Die Preisverleihung findet am 20. November 2026 in Volkach statt. Die Einladung erfolgt persönlich. Die Laudatio auf die Trägerin des Sonderpreises 2026 spricht spricht Dr. Anja Weisgerber, MdB.
[Quelle: Pressemitteilung]