Rückblick
Schon in den letzten Jahren wurde das Marionetten-Theater von den Zuschussgebern gegenüber anderen Kulturinstitutionen schwer benachteiligt. Nach der Wiedereröffnung (das Theater war wegen der Pandemie und notwendig gewordenem Totalumbau fast drei Jahre geschlossen) wurde der Zuschuss für 2023 bereits um über 10 % gekürzt. Die Kürzung wurde zwar im Folgejahr wieder aufgehoben, aber die Höhe des Zuschusses wurde seit 2019 bis heute kaum angehoben. Die Entwicklung der Inflation seit 2019 bis heute beträgt aber mindestens 25 %. Andere Kulturinstitutionen in Düsseldorf bekamen seit 2019 Zuschusserhöhungen zum Teil von über 30 % und bei Schauspiel und Oper wurden die Etats ohnehin immer wieder erhöht.
Die Unterfinanzierung des Marionetten-Theaters in den vergangenen Jahren konnte nur dank größeren Spendenaufkommens bewältigt werden und weil das Theater seit der Wiedereröffnung noch über zu wenig Personal verfügte. Der städtische Betriebskostenzuschuss für 2025 betrug 315.000,- Euro. Um das Personal, wie wir es vor der Pandemie hatten und wie wir es dringend brauchen, einstellen zu können, beantragten wir für 2026 eine Erhöhung auf 372.000,- Euro. Bewilligt wurden jetzt allerdings nur 260.000,- Euro. Sollte dieser Beschluss nicht rückgängig gemacht werden und wie geplant für 3 Jahre gelten, ist mit der Schließung des Marionetten-Theaters zu rechnen, das im Juni sein 70-jähriges Bestehen feiert.
Persönliche Anmerkung von Anton Bachleitner
Ich bin sehr betroffen, wie schlecht die Mehrheitsparteien (CDU und Grüne) im Kulturausschuss das Marionetten-Theater seit ein paar Jahren behandeln und wie wenig sie meine Arbeit würdigen.
Dieser folgenschwere Beschluss kam ohne Vorwarnung. Es war auch nicht möglich, vorher Gesprächstermine mit den Kulturpolitiker zu bekommen oder zu erfahren, wie unser Zuschussantrag behandelt wird. Leider gibt es heutzutage kaum noch einen persönlichen Austausch zwischen den Kulturpolitikern und den Kulturschaffenden. Die verantwortlichen Politiker kennen unser Theater kaum. Frau Koch, die seit 4 Jahren die Kulturdezernentin in unserer Stadt ist, war noch nie in unserem Theater, obwohl wir sie schon oft eingeladen haben.
Nach dem Spielverbot in unseren Räumen – ausgelöst durch die Pandemie – war ich es, der den notwendig gewordenen Theaterumbau mit einer großen Spendensammlung angestoßen und in eineinhalb Jahren durchgeführt hatte. Nach fast 3-jähriger erzwungener Schließung habe ich neues Personal finden und einarbeiten und die ganze Theaterorganisation wieder reaktivieren müssen. Bis heute haben wir immer noch zu wenig Mitarbeiter, es darf keiner von uns krank werden, sonst fällt die Vorstellung aus. Meine Arbeit als Theaterleiter und Puppenspieler verlangt seit Jahren eine 60- bis 70-Stunden-Woche.
Seit über drei Jahren spielen wir wieder die Stücke aus unserem Repertoire mit großem Erfolg. Die Begeisterung der Zuschauer war noch nie so stark wie in den letzten Jahren und unsere Vorstellungen haben eine hohe Zuschauerauslastung.
Seit bald 70 Jahren sind wir in Düsseldorf eine Institution mit festen Mitarbeitern und festen Kosten, die ich nun seit über 45 Jahren leite. Man kann uns nicht so behandeln, wie irgendwelche Projekte, für die mal Zuschüsse bewilligt werden und mal nicht. Die Kulturpolitiker haben die Verantwortung, so eine wertvolle Einrichtung, zu der Besucher aus ganz Deutschland anreisen und die in der internationalen Fachwelt höchste Anerkennung erfährt, zu unterstützen und zu erhalten. Wir sind schließlich eines der wenigen Marionettentheater in Deutschland, das mit hohem Qualitätsanspruch überwiegend für Erwachsene spielt.
Wenn der drastische Kürzungsbeschluss nicht zurückgenommen wird, sind die oben genannten Parteien dafür verantwortlich, sollte das Marionetten-Theater für immer geschlossen werden.
Düsseldorf, 10.03.2026
Anton Bachleitner
(Leiter des Marionetten-Theaters)
Düsseldorfer Marionetten-Theater gGmbH
Bilker Str. 7 (im Palais Wittgenstein)
40213 Düsseldorf
Tel. 0211 / 32 84 32
www.marionettentheater-duesseldorf.de
[Quelle: Pressemitteilung]