Toy Story 5 (2026)

USA 2026. Regie: Andrew Stanton. Drehbuch: Andrew Stanton, McKenna Harris. Laufzeit: 102 Minuten. Kinostart: 23. Juli 2026

Im fünften Teil der Animationsfilmreihe Toy Story (1995-2026) müssen sich die Spielzeuge Jessie, Buzz Lightyear und Woody einer neuen Herausforderung stellen: der „Technik“. Der Film zeichnet zunächst ein denkbar düsteres Bild digitalisierter Kindheit: Sobald Kinder das erste Mal vor Bildschirmen sitzen, hören sie auf, ‚richtig‘ zu spielen. Dies bekommt auch das Kind Bonnie zu spüren, deren Nachbarskinder sich lieber mit digitalen Medien als mit ihr beschäftigen.

Als sich daraufhin Bonnies Eltern überwinden, ihr durch den Kauf eines Tablets den Anschluss an Gleichaltrige zu ermöglichen, scheint das Unheil in das Kinderzimmer einzuziehen: Bonnie hat nur noch Augen für den Bildschirm, auf dem sie spielt und vermeintliche Freundinnen online kennen (und fürchten) lernt, während die alten Spielsachen ausgedient in der Garage endgelagert werden. Die Cowgirl-Puppe Jessie fügt sich jedoch nicht ihrem Schicksal, nimmt den Kampf gegen die digitale Konkurrenz und deren manipulativen Machenschaften auf und versucht gleichzeitig, ihrem Kind echte Freundschaften zu organisieren.

Toy Story 5 knüpft mit dieser Medienkritik an einen unverwüstlichen Topos des Kinderfilms und der Kinderliteratur an: Analoge, ‚echte‘ Primärerfahrungen und die Kraft der Fantasie gegen technischen Fortschritt als Inbegriff von Entfremdung und Bedrohung einer vermeintlich technikfreien Ursprünglichkeit. In der ersten Hälfte gleitet der Film mit dieser Gegenüberstellung beinahe ins unangenehm Bewahrpädagogische und in einen adultistischen Kulturpessimismus ab, differenziert sie aber zum Glück im Laufe des Films zunehmend. Denn nur in Zusammenarbeit schaffen es die analogen Spielzeuge, das Tablet, eine digital vernetzte Space-Rangers-Einheit und die ausrangierten elektronischen Sidekicks, Bonnie dabei zu helfen, eine Freundin zu finden und zugleich selbst mit dem technologischen Fortschritt und dem Älterwerden der Kinder Frieden zu schließen.

So schaffen die Pixar-Regie- und Drehbuchlegende Andrew Stanton und Co-Autorin McKenna Harris eine letztlich kurzweilige und wie gewohnt hervorragend animierte Familienunterhaltung, die jedoch in ihrer Gagdichte und Dramaturgie nicht ganz an die Höhepunkte der Toy Story-Reihe anknüpfen kann.

(Christian Albrecht)


Mädchen, Mädchen

D 2025. Regie: Martina Plura. Drehbuch: Katharina Kiesl. Laufzeit: 90 Minuten. Kinostart: 03. Juli 2025. Seit Mai 2026 auf Netflix.

Drei Teenagerinnen suchen und finden (?) ihren ersten Orgasmus. Was bereits 2001 in Dennis Gansels komödiantischem Überraschungserfolg Mädchen, Mädchen zotenreich und ohne pädagogischen Zeigefinger auf der Leinwand verhandelt wurde, hat durch Martina Plura nun eine Neuverfilmung erfahren. Nach seiner letztjährigen Veröffentlichung im Kino bietet Netflix seit den Sommermonaten die Möglichkeit eines Double-Features, in welchem sich die Vorzüge dieser charmanten Neuinterpretation zu erkennen geben.

Zwischen Schulalltag und Sommerferien begeben sich die drei Freundinnen Inken, Vicky und Lena mal gemeinschaftlich, mal individuell, auf die Suche, die freilich nicht immer linear verläuft. Neben schönen und weniger schönen sexuellen Erlebnissen stehen Peinlichkeiten, familiäre Umbrüche und (unerwartete) Beziehungen an der sommerlich leichten Tagesordnung.

Entgegen des Originals besticht Pluras Inszenierung durch bereichernde Ausdifferenzierungen, insbesondere innerhalb sexueller Erfahrungen oder durch die Narrativierung gleichgeschlechtlicher Liebesentwürfe und bleibt dennoch dem Genre des komödiantischen Coming-of-Age-Films treu. So beweist die Regisseurin wiederholt Feingefühl, wenn es um herausfordernde Momente des Heranwachsens geht, wobei der handlungsleitende Findungsprozess divers entfaltet wird. Wenngleich dies mit weiteren adoleszenten Entwicklungsaufgaben kurzweilig verwoben wird, kommen insbesondere die männlich gelesenen Figuren schwerlich über eine stereotype Darstellung hinaus und auch das Drehbuch scheint mancherorts mit einem belehrenden Impetus übersättigt. Dass die Figuren vereinzelt durch die Kamera sexualisiert werden, mag ebenso wie das partiell aufdringliche Product Placement den Sehgenuss frakturieren.

Trotz vereinzelter Kritik ist Mädchen, Mädchen von Martina Plura eine überraschend charmante Aktualisierung, die von adoleszenter Sexualität und, neben der handlungsleitenden Suche nach dem ersten Orgasmus, auch von aufkeimender Liebe, Liebeskummer und sich verändernden Beziehungen zu Eltern erzählt.

(Julian Körner)


Spider-Man: Brand New Day

USA 2026. Regie: Destin Daniel Cretton. Drehbuch: Chris McKenna, Erik Sommers, Justin Kuritzkes. Laufzeit: 145 Minuten. Kinostart: 29. Juli 2026

Nachdem Tom Holland in seinen ersten drei Spider-Man-Auftritten Peter Parker als High-School-Teenager ins Marvel Cinematic Universe integrieren durfte, ist er in Brand New Day erwachsen geworden – und zugleich sehr allein: Seit den Ereignissen von No Way Home und dem tragischen Tod seiner Tante May (Marisa Tomei) hat selbst seine große Liebe Mary Jane (Zendaya) dank eines Zauberspruchs von Doctor Strange vergessen, wer Peter Parker ist. Damit ist das Spider-Man-Multiversum vorerst wieder im Lot und Peter kann sich auf sein Dasein als allseits beliebter Verbrechensbekämpfer konzentrieren. Jedenfalls, bis die Telepathin Jane Grey (Sadie Sink) Besitz von Menschen und Mutanten ergreift, um an geheime Informationen über ihre verschwundene Schwester zu kommen, wobei sie eine Schneise der Verwüstung hinterlässt. Während Peter noch mit der unkontrollierten Evolution seiner Spinnensinne zu kämpfen hat, versucht er Jane Grey aufzuhalten – nur um festzustellen, dass beide einander ähnlicher sind als gedacht.

Diese Inhaltsbeschreibung illustriert das scheinbare Paradox des Marvel Cinematic Universe: Eigentlich können sich nur noch Aficionados halbwegs in der Masse an Filmen, Comics und Figuren(versionen) orientieren, und doch sind die mittlerweile 38 (!!!) Filme so populär, dass Brand New Day bereits sechs Tage nach Kinostart die Milliarden-Dollar-Schallmauer an den Kinokassen durchbrochen hat.

Das hat viel damit zu tun, dass die Superheld*innengeschichten sich auf einen einfachen Kern herunterbrechen lassen. Auch in Brand New Day kämpft der Titelheld nicht nur gegen eine lediglich anfänglich böse erscheinende Antagonistin, sondern auch mit den unliebsamen körperlichen und sozialen Nebenwirkungen seiner Fähigkeiten. Gegenspieler entpuppen sich als treue Gefährten, scheinbare Verbündete als zwielichtige Gestalten mit eigener Agenda. Das ist schlicht perfektes Popcorn-Kino mit umwerfenden Visual und Sound Effects, mit clever eingesetzter 3D-Technologie mit einem an Spinnen-Lianen durch Hochhausschluchten schwingenden Titelhelden, funktionierenden Spannungskurven und Schauspieler*innen, denen man die Identifikation mit dem (lukrativen) Franchise anmerkt. 

Brand New Day lohnt den Ausflug ins nächste mit Popcorn und Nachos bestückte Multiplex-Kino, bevorzugt in Begleitung mehrerer superheldenaffiner Kinder. Selbst wenn man als abgebrühter erwachsener Cineast so manche Plot-Volte fünf Hochhäuser weit heranschwingen sieht, selbst wenn man im Dschungel der Marvel-Referenzen bisweilen den Überblick über das Plot-Konvolut verliert, kann man sich dann am Kinovergnügen der Dreikäsehochs ergötzen, die einander nach besonders spannenden Verfolgungsjagden auch mal abklatschen.

(Philipp Schmerheim)


The Lights, They Fall

Deutschland 2026. Regie und Drehbuch: Saša Vajda. Dauer: 97 Minuten. Kinostart: 20. August 2026

Der 16-jährige Ilay weiß nicht, wohin mit sich: Seine Mutter liegt im Sterben, während seine Freund*innen über Drogen und Frauen reden und der Alltag scheinbar einfach weitergeht. Saša Vajdas Debütfilm erzählt diese existenzielle Ausnahmesituation nicht über große Dialoge oder dramatische Ausbrüche, sondern vor allem über Bilder. Ilay sitzt ausdruckslos im Bus, faltet Kartons in einer Lagerhalle, läuft ziellos und wie getrieben nachts durch die Randbezirke Berlins. Er ist körperlich anwesend und wirkt doch, als sei er bereits aus seiner eigenen Welt herausgefallen.

The Lights, They Fall ist dabei ein bemerkenswert konsequenter Film. Die Kamera verharrt häufig statisch bei Ilay, die Schnittfrequenz ist gering, auf einen Score verzichtet Vajda vollständig. Stattdessen gibt es lange Passagen der Stille und Beobachtung. Gelegentlich löst sich die Kamera aus dieser Strenge und gleitet beinahe schwerelos durch nächtliche Räume. In diesen magischen Momenten überlagern sich Form und Figur: Die Welt scheint ebenso entrückt wie ihr Protagonist.

Vajda vertraut darauf, dass wir Ilay auch ohne psychologische Erklärungen verstehen. Viele Fragen bleiben offen, und gerade die Leerstellen machen den Film interessant. The Lights, They Fall ist kein leicht zugänglicher Film und verlangt seinem Publikum einiges an Geduld ab. Wer sich darauf einlässt, wird jedoch mit einer faszinierenden filmischen Studie über Einsamkeit, Überforderung und den Umgang mit dem bevorstehenden Tod belohnt. Ein stiller, herausfordernder Film, dessen Bilder noch lange nachwirken.

(Frank Münschke)