Liebe Nina, in der Nacht von Sonntag auf Montag, den 9. Februar 2026, wurde das als ‚Super Bowl‘ bekannte NFL-Finale ausgetragen. Im Levi’s Stadium von Santa Clara (U.S.A.) besiegten die Seattle Seahawks die New England Patriots mit 29:13. Hast du als Football-Expertin live mitgefiebert und einem bestimmten Team die Daumen gedrückt?
Ich muss gestehen, ich habe mir die Übertragung nicht live angesehen, das aber gleich am nächsten Tag mit der Aufzeichnung nachgeholt. Mitgefiebert habe ich mit den Seahawks – das mag aber auch am blau-weißen Farbschema des Teams liegen, ich wurde schließlich in Bayern geboren. Mein persönliches Highlight war die Halbzeitshow mit Benito Antonio Martínez Ocasio, besser bekannt als Bad Bunny. Ich bin Fan seiner Musik, selbst begeisterte Salsa-Tänzerin und finde angesichts der aktuellen Ereignisse in den USA die Botschaft seiner Show – Zusammenhalt und Liebe - besonders wichtig.
Im Zentrum deines neusten Jugendromans Teamplayer (erschienen am 26.02.2026 bei Gulliver und von boys & books soeben als Top-Titel für den Lesesommer 2026 prämiert) steht ein Junge, der mit seinen Eltern von Deutschland für ein Jahr in die USA ziehen muss, als sein Vater dorthin versetzt wurde. Weshalb spielt American Football für deine Hauptfigur Adrian an der neuen Schule eine so wesentliche Rolle?
Adrian musste in Deutschland alles zurücklassen, auch seinen besten Freund, und fühlt sich anfangs ziemlich fremd und allein. Football ist für Adrian die Chance, in der neuen Umgebung Anschluss und Freunde zu finden und Teil einer Gemeinschaft zu werden.
Woher kommt deine Faszination für American Football, und wer war dein Coach, der dir geholfen hat, die Handlungen auf dem Feld einerseits lebendig, andererseits regelkonform wiedergeben zu können?
Mit dem Sport in Berührung gekommen bin ich zum ersten Mal durch meinen Ehemann, der aus den USA stammt. Ich fand den Sport von Anfang an faszinierend, weil ich das Regelwerk superverwirrend fand und mich genau das reizte. Für Teamplayer habe ich mich intensiv mit dem Regelwerk von American Football beschäftigt, das war wesentlicher Teil meiner Recherche. Ganz großartig unterstützt hat mich dabei Stephan Reich, der U13-Coach der Fursty Razorbacks aus Fürstenfeldbruck. Ich durfte auf seine Einladung hin bei Trainings zusehen und mit den anderen Coaches sprechen. Außerdem hat er die Football-Szenen im Manuskript gegengelesen und mir sehr wertvolle Tipps gegeben, wie ich sie noch authentischer schreiben kann. Das war äußerst hilfreich!
Die Autorin Nina Basovic Brown lernte für ihren aktuellen Roman Teamplayer von Stephan Reich, dem U13-Coach der Fursty Razorbacks aus Fürstenfeldbruck, Foto: Privat.
Wie wichtig ist es für das Erzählen in Teamplayer, dass die Hauptfigur aus dem gewohnten Umfeld herausgerissen wird?
Das war mir sehr wichtig, denn dadurch muss sich Adrian in einer fremden Umgebung neu orientieren und nach Menschen und Hobbys suchen, die sich wieder ein wenig nach Zuhause anfühlen. Als Autorin hoffe ich, dass sich viele Leserinnen und Leser mit Adrian identifizieren werden: Manche werden dadurch möglicherweise besser nachvollziehen können, wie es Kindern geht, die ihre ursprüngliche Heimat verlassen mussten, und andere, die selbst einen solchen Neuanfang erlebt haben, finden sich vielleicht ein wenig in Adrians Geschichte wieder.
Hast du dich in deinem Leben auch schon einmal fremd gefühlt, liebe Nina?
Das Gefühl des Fremdseins kenne ich, aber es war niemals ein dauerhaftes Gefühl, immer eher ein Moment. Was mir jedoch schon sehr früh begegnet ist – weil meine Eltern aus dem ehemaligen Jugoslawien stammen –, ist, dass ich schon früh gelernt habe, dass mein Normal nicht unbedingt das Normal anderer Menschen ist. Daraus hat sich eine große Neugierde entwickelt, die ich mir bis heute bewahrt habe. Es gibt ein paar lustige Anekdoten dazu, aber das würde den Rahmen dieses Interviews sprengen.
Welche Auswirkungen hat das Motiv Armut auf deine Figuren und den Verlauf der Handlung?
Armut ist etwas, wofür sich viele Kinder oft schämen und es deshalb verheimlichen möchten. Genau dies erzeugt den Hauptkonflikt in meiner Geschichte. In diesem Zusammenhang war es mir sehr wichtig, kindgerecht darüber zu schreiben, was ein Privileg ist, und die Lesenden dafür zu sensibilisieren, dass nicht jedes Kind die gleichen Startchancen im Leben hat.
Nicht nur in Teamplayer treffen deine Figuren – mal auf der Spielfläche, mal am Spielfeldrand – aufeinander. Brandon tritt in Korbjäger (2022) in die Basketball-AG ein, um Pia zu imponieren. Karla hat in Cheerleader (2024) keine Lust mehr auf Judo und muss auf Drängen der Eltern mindestens ein halbes Jahr beim Training der ‚Glimmer Stars‘ aushalten. Weshalb ist ein sportliches Umfeld eine nützliche, wenn nicht gar notwendige Ausgangslage für deine Geschichten?
Sport ist ein wichtiger Bestandteil des kindlichen Alltags und dient in den genannten Büchern als Anker sowie als narrativer Spannungsrahmen, um die Leserinnen und Leser für die Geschichte zu gewinnen. In der Tiefe jedoch geht es um Themen wie Identität und Vorurteile (Korbjäger), Körperbild und Selbstvertrauen (Cheerleader) oder Fremdsein und Armut (Teamplayer). Der Sport wirkt dabei als Träger, der hilft, die eigentlichen Themen auf kindgerechte und humorvolle Weise zu vermitteln.
Diese Romane sind sogenannte ‚READy-Titel‘. Mit ihnen sollen Heranwachsenden zwischen 8 und 11 erreicht werden, denen das Lesen noch schwerfällt. Auf welche Weise lässt sich die Zielgruppe, die auch als ‚Kurzstreckenleser‘ benannt wird, konkret ansprechen und durch genau diese Lektüren zum Lesen motivieren?
Im Begriff ‚Kurzstreckenleser‘ steckt eigentlich schon, was diese Bücher in erster Linie erreichen sollen: Sie schenken Kindern, die sich noch nicht an dicke Wälzer herantrauen, ein Erfolgserlebnis und erleichtern ihnen den Übergang zu genau diesen Büchern. Ich als Autorin achte besonders darauf, dass ich die Leserinnen und Leser schon auf den ersten Seiten emotional abhole, die Handlung schnell voranschreitet und bis zum Schluss spannend bleibt. Kurze Geschichten sind literarische Präzisionsarbeit: Jedes Wort, jeder Satz, jede Szene muss sitzen und für die Geschichte wichtig sein. Dabei darf der Spaß nicht zu kurz kommen: Ironie kommt in meinen Geschichten immer vor und ist inzwischen zu meinem Markenzeichen geworden.
Regine Schäfer-Munro hat zu deinem Roman Korbjäger eine Arbeitshilfe für den handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterricht erstellt. Wie beurteilst du das Ergebnis?
Als ich erfahren habe, dass es zum Korbjäger Unterrichtsmaterialien geben wird, war ich ehrlich gesagt total aus dem Häuschen! Dass Schülerinnen und Schüler mit Brandon und Co. Lesekompetenz und Textverständnis üben, ist für mich eine sehr große Freude und Ehre. Regine Schäfer-Munro hat das großartig umgesetzt und ich bin sehr glücklich mit dem Ergebnis.
Vom KOSMOS-Verlag wurdest du engagiert, einen Plot für das Adventure Game Die drei ??? – Das Geheimnis der Statue (2023) zu verfassen. Hierin erleben die bekannten Figuren Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews ein Abenteuer, welches du dir ausdenken durftest. Inwiefern unterscheidet sich diese Arbeit vom Schreiben deiner Jugendromane?
Aktuell tauche ich sogar noch tiefer in die Welt Der drei ??? ein, denn ich schreibe gerade an einem neuen spezialgelagerten Fall, der im Juni 2027 im Kosmos Verlag erscheinen wird. Mehr darf ich an dieser Stelle aber leider noch nicht verraten! Das Plotten beziehungsweise das Schreiben für Die drei ??? unterscheidet sich von meinen anderen Geschichten in erster Linie dadurch, dass diese Marke mit ihrer langen Tradition in einem bestimmten Rahmen bleiben muss, um den Figuren, ihrer Welt und den Lesererwartungen treu zu bleiben. Auch der Erzählton spielt dabei eine wichtige Rolle, denn er sollte sich nahtlos in die bestehenden Geschichten der Reihe einfügen, damit das gewohnte Leseerlebnis für die Fans gewahrt bleibt.
Liebe Nina, herzlichen Dank für das Interview und viel Erfolg für deine anstehenden Projekte.
Nachweis:
Porträtfoto: © David Munoz Fernandez