Inhalt

Eines Tages wartet auf Sam eine besondere Überraschung: Opa zeigt ihm auf dem Dachboden eine geheime Tür und plötzlich befinden sich beide mitten in einem Abenteuer. Nicht nur, dass Opa und Enkel zu Kapitänen eines großen Ozeandampfers werden. Ihre Reise führt sie auf eine geheimnisvolle Insel voller bunter Tiere und exotischer Pflanzen. Gemeinsam erkunden sie die Insel und entdecken hinter jedem Blatt ein neues Wunder. In diesem Südseeparadies braucht Opa selbstverständlich auch seinen Gehstock nicht mehr und springt vergnügt mit seinem Enkel einen Wasserfall hinunter. Doch das Glück währt nicht lange. Bald muss Sam den Heimweg antreten, diesmal alleine, denn Opa möchte auf der Insel bleiben. Der Abschied fällt Sam besonders schwer.

Als Sam am nächsten Tag zu Opas Haus kommt, ist dieser nicht mehr da – ebenso ist die geheime Tür auf dem Dachboden verschwunden. Doch Sam muss sich keine Sorgen machen. Schließlich weiß er: Opa ist auf seiner Insel und lässt es sich gutgehen.

Kritik

Nach seinen erfolgreichen Bilderbüchern "Nick und der Wal" und "Beste Freunde" erzählt der britische Illustrator Benji Davies in seinem dritten Buchprojekt eine anrührende Opa-Enkel-Geschichte, die die beiden Hauptfiguren von einem verstaubten Dachboden bis zu einer tropischen Insel bringt. Was auf dem Cover zunächst wie eine kunterbunt-fröhliche Urlaubsstory erscheint, entpuppt sich beim Anschauen als höchst emotionales Bilderbuch, das das Abschiednehmen von einem geliebten Menschen zum Thema hat. Doch nicht die Trauer über den Verlust steht im Vordergrund der Handlung, sondern die tiefe Verbundenheit und Liebe zwischen Opa und Enkel, die auch über die Trennung hinweg bestehen bleibt und dem kleinen Sam Hoffnung gibt. Dabei lässt die Geschichte bewusst verschiedene Lesarten zu, sodass gerade jüngere Kinder das Bilderbuch unter Umständen ganz anders verstehen als erwachsene Leserinnern und Leser. Faszinierend dürfte es jedenfalls bei Klein und Groß sein.

 

Besonders gelungen ist die Farbgebung, denn Gefühle und Stimmungen werden eindrucksvoll über die Bilder ausgedrückt: Wenn Opa dabei ist, erscheint alles fröhlich und mit kräftigen Farben – ob das türkisblaue Wasser, der strahlend weiße Wasserfall oder die satten Grüntöne der Pflanzenwelt. Bei der Rückfahrt ohne Opa wirkt das Meer plötzlich düster und bedrohlich, die Farben sind auffallend dunkel und eintönig.

Vielfältig ist auch das Seitenlayout: Mal nehmen die Bilder eine ganze Doppelseite ein, mal zeigen sie einen weiß umrahmten Ausschnitt des Geschehens und mal sind mehrere kleine Szenen auf einer Seite zu sehen – jeweils ergänzt durch kurze, schlichte Texte, die viel Raum für die eigene Fantasie lassen. In vielen kleinen, wiederkehrenden Details sind zudem in den Bildern Hinweise auf die Abenteuerreise versteckt, die zu einem Suchspiel einladen und sich gut zur Anschlusskommunikation eignen. So ließe sich beispielsweise eine ganz eigene Geschichte über den lustigen Affen erzählen, der den Gästen auf der Insel auf einem Tablett Getränke serviert und in seiner Hängematte immer ein Buch griffbereit hat.

Fazit

Benji Davies ist es gelungen, eine einfühlsame Geschichte übers Abschiednehmen und Sterben zu gestalten, die als farbenfrohes Abenteuer daherkommt und hoffnungsvoll endet. Die ausdrucksstarken Bilder erzeugen eine beinahe magische Fantasiewelt und wirken mal traurig, mal heiter, mal bedrohlich, mal lustig. Das Bilderbuch eignet sich bestens, um mit Kindern ab vier Jahren über den Verlust eines lieben Menschen ins Gespräch zu kommen. Opas Insel bietet hierfür reichlich Gesprächsstoff und Platz für eine ganz individuelle Deutung.

Titel: Opas Insel
Autor/-in:
  • Name: Davies, Benji
Originalsprache: Englisch
Übersetzung:
  • Name: Hohnhold, Johanna
Illustrator/-in:
  • Name: Davies, Benji
Erscheinungsort: Hamburg
Erscheinungsjahr: 2016
Verlag: Aladin
ISBN-13: 978-3-848-90102-9
Seitenzahl: 32
Preis: 12,95 €
Altersempfehlung Redaktion: 4 Jahre
Davies, Benji: Opas Insel