Inhalt

»Mit dem Ende des Krieges kamen die Journalisten in die Stadt.« 

Der Krieg ist verloren und die »Anderen« haben die Stadt und die Macht übernommen. Es war eine schöne Stadt, voll von schönen Plätzen, Gebäuden und einer hohen Kultur, wo Menschen Bräuche und Freundschaften pflegten; eine Stadt, in der Pfauen ein- und ausgingen und von allen geliebt und verehrt wurden. Eine Stadt, die zerstört ist, wo nun die »Anderen« bestimmen und alle sich beugen müssen, dem feindlichen Besatzer oder mafiösen Strukturen, die schnell Einzug gehalten haben, oder anpassen müssen oder Wege finden müssen, zu überleben: als Geschöpf überleben und sich selbst als Mensch zu bewahren und die Hoffnung und die Liebe nicht ziehen zu lassen… Eine Stadt, ein Krieg, eine Welt, die überall sein könnte und kann, die nicht benannt wird und doch so genau beschrieben, dass wir alle sie kennen.

Doch halt: Die Geschichte beginnt einen ganz kurzen Moment früher! Und so erleben wir, wie beim Zwangsrekrutieren in den letzten Tagen des Krieges vier Jugendliche als »Junge Schergen« unfreiwillig als Kampf-Einheit zusammenfinden und sich anfreunden. Die »Schergen«, das sind der 17-jährige Ren, aus dessen Perspektive das Geschehen erzählt wird, die 17-jährige Nata, das 7-10-jährige Kind Tuk und der Anführer der Gruppe, der 18-jährige Tarek.

Sie geben aufeinander acht, bewahren ihre Gemeinschaft, öffnen sich voller Vertrauen ihrer neuen »Familie«, spielen Rollen und bleiben so sehr sie selbst. Eine Kindheit und Jugend, die von den Umständen bestimmt wird und die doch so vertraute Momente beinhaltet: das Spielen in Trümmern, das Sich-Verlieben in dieser scheinbar lieblosen Welt, Streit und Neid und kindliche Intrigen…

»Wieder will ich ihm den Glauben nicht nehmen, dass die bessere Zeit nicht kommt. Wieder will ich ihm nicht erklären, dass das hier der Frieden ist.«

 

Kritik

Eva Kranenburg versteht es, nüchtern von den Schrecken des Krieges zu erzählen, von vielen Gräuel und der Zeit der Besatzung zu schreiben, in der Menschen sich verändern.

Ihre Sprache ist passend klar und poetisch zugleich. Und so schreibt und umschreibt sie mit liebevoller Schönheit ihre Figuren: so unfassbar gut erdachte Charaktere und so eine unfassbar gut erdachte Form von Freundschaft! Der Text bewahrt bei diesen und uns die Hoffnung, den Glauben an das Gute im Menschen und lässt uns die zeitlose Erkenntnis miterleben, dass die »Anderen« nicht bloß Uniformen, sondern auch Menschen sind, dass auch wir die »Anderen« sind, dass alle Menschen Menschen und zugleich auch die »Anderen« sind.

 

Fazit

Schweren Herzens und hochbeglückt entlässt uns Eva Kranenburgs Erzählung offenen Endes mit solch großer Hoffnung, gebündelt in der einen kleinen, kindlichen und kurzen Frage:  

»Ist jetzt Frieden?«

Titel: Freunde
Autor/-in:
  • Name: Kranenburg, Eva
Erscheinungsort: Frankfurt am Main
Erscheinungsjahr: 2026
Verlag: Fischer Sauerländer
ISBN-13: 978-3-7373-7499-6
Seitenzahl: 448
Preis: 18,90€
Altersempfehlung Redaktion: 14 Jahre
Dargestellt sind scherenschnittartig die Rücken von vier sehr unterschiedlichen Figuren, die in die Ferne schauen.