Inhalt

Vordergründig geht es um den Pandabären Nicht-Peter (denn den ihm von der Erzählinstanz vermachten Namen Peter lehnt der anthropomorphisierte tierische Protagonist aus verschiedenen Gründen ab). Dessen faules, glücklich, aber auch ein bisschen biederes Leben wird urplötzlich sehr aufregend, als er zufällig entdeckt, dass man Bambusrohre nicht nur zum Frühstück fressen, sondern mit ihnen sogar Töne hervorbringen kann, wenn man auf richtige Weise in sie reinbläst. Die ersten Tage verbringt er damit, den Tönen bambusrohrflötend hinterherzujagen (denn komischerweise kann man die Töne zwar hören, aber nirgendwo sehen, und das, obwohl Nicht-Peter sogar unter dem Po nachschaut).

Dabei mausert sich Nicht-Peter zu einem pandamäßigen Bambusflötenvirtuosen, dem es mit der Musik sogar gelingt, einer Klopperei mit dem rauflustigen „Nicht-Gerhard“ zu entgehen. Nach Anlauf-Schwierigkeiten gesellt sich auch Nicht-Gerhards Schwarm Nicht-Olivia zu der Gruppe, die nun munter musizierend durch die Gegend zieht, dabei das Tierreich aufschreckt und schließlich Bambusflöten für den Rest der Pandas im Dschungel schnitzt. Die Musikparty der Panda-Vollversammlung wird legendär:

Von überall auf der Lichtung spielten sich, einer nach dem anderen, die Pandas ein. Mancher weich, mancher verwirrt, mancher kreuzig, ein anderer querig, mancher Naturtalent, mancher nicht, jeder, wie er eben ist. [//] Wie das zusammen klang? Was meinst du? Ausgelassen und frei, bestimmt. Das wäre zu wünschen. ‚Born to be wiiiiiild‘, sang Nicht-Olivia, sprang in die Menge und ließ sich auf den Armen tragen.

Dass die Party nicht allzu lange dauert, ist aber auch klar: Schließlich sind diese Bambuspflöten [sic!] ein vorzügliches Pandaabendessen. Und dann gibt es erstmal nichts mehr zum Musizieren.

Kritik

Nach Hey, Hey, Hey Taxi ist Panda Pand Stanišić’ zweites Kinderbuch – und wieder hat er einen sprachspielerischen Parforceritt hingelegt, der gerade im Zusammenspiel mit den sehr lässigen, witzig-frechen Illustrationen von Günther Jakobs (https://www.guentherjakobs.de/) funktioniert. Um die eigentliche Geschichte – ein spleeniger Panda gründet mit zwei Mitstreiter*innen eine Panda-Band, die für kurze Zeit den Dschungel aufmischt – geht es eigentlich nur nebenbei; die Seele des Buchs sind der Sprachwitz und das an Nonsense-Literatur im Stile Lewis Carrolls oder E.T.A. Hoffmanns erinnernde Spiel mit der Erzählfiktion. Gerade die ständigen nonchalanten kommentierenden Einschübe der Erzählinstanz und das Spiel mit Handlungsversatzstücken machen Panda Pand zu einem veritablen Vorlesevergnügen.

Auch selbst lesen macht Spaß, aber eigentlich ist das Buch zum Gemeinsam-Lesen gedacht, so wie auch die Bambusflöten offensichtlich dazu da sind, die Pandas zum gemeinsamen Musizieren zu animieren. Hieraus ergeben sich viele Möglichkeiten, das Buch im Kinderzimmer in Szene zu setzen: Man kann zum Buch tanzen, singen, oder es auch einfach mit Pandastimme vorlesen.

Atmosphärisch erinnert der Band bisweilen an eine überspannte Version eines Kinderlieds, nur dass es diesmal keine Affenbande ist, die brüllend durch den Wald rast, sondern eine liebenswürdig vertrottelte Panda-Bande, die eine musikalische Entdeckung macht.

So sehr Panda Pand somit inhaltlich und stilistisch der Nonsense-Literatur verpflichtet ist, so sehr handelt es sich zugleich um eine Nachhaltigkeitsgeschichte: Dass die Panda-Geschichte auch für die Wichtigkeit des Artenschutzes, für die Erhaltung natürlicher Lebensräume für die Tierwelt sensibilisieren soll, darauf weist Stanišić nicht nur im Nachwort des Bands hin, sondern auch in verschiedenen Interviews (z.B. hier).

Fazit

Panda Pand ist ein bewusst irrer sprachspielerischer Parforceritt, dessen humoristische Qualität sich vor allem beim Vorlesen und laut-gemeinsam-Lesen zeigen dürfte. Kinder im Vorschulalter und wohl auch solche im Grundschulalter haben so oder so ihren Spaß an diesem Wahnsinn – und zumindest diejenigen Erwachsenen, die noch nicht ganz vergessen haben, wie es war, ein Kind zu sein, auch. So oder so: Stanišić kann ruhig weiterhin Kinderbücher schreiben.


Diese Rezension ist im Rahmen einer Kooperation zwischen der AJuM (Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und -medien der GEW) und KinderundJugendmedien.de entstanden. Die vorliegende Rezension ist eine erweiterte Fassung der AJuM-Rezension des Verfassers.

Titel: Panda Pand. Wie die Pandas mal Musik zum Frühstück hatten
Autor/-in:
  • Name: Stanišić, Saša
Illustrator/-in:
  • Name: Jakobs, Günther
Erscheinungsort: Hamburg
Erscheinungsjahr: 2021
Verlag: Carlsen
ISBN-13: 9783551521804
Seitenzahl: 80
Preis: 12,00
Altersempfehlung Redaktion: 4 Jahre
Stanišić, Saša: Panda Pand. Wie die Pandas mal Musik zum Frühstück hatten