Inhalt

In dem kinderliterarischen Debüt Kröners “Der Billabongkönig” ist das mächtige Krokodil Ben auch schwach und hat zu Beginn der Geschichte schlimme Zahnschmerzen, aber Angst vor dem Zahnarzt. Als Ben seine Zahnschmerzen nicht mehr aushalten kann, begibt er sich zu einem Krokodilwächter mit Namen Kaukasius Grätenzieher der II. Ihro Exellenz von Stolzhausen-Stammberg. Dieser Zahnarzt – wohlbemerkt ein kleiner Vogel – nutzt seine Vormachtstellung als bester Zahnarzt weit und breit so aus, dass er sich von Ben für die Behandlung einen Blankocheck für einen Wunsch ausstellen lässt. 

Als Kaukasius diesen Wunsch einfordert, gerät Ben in ein Dilemma, denn der Krokodilwächter möchte, dass Ben einen Konkurrenten des Zahnarztes in Mikronesien tötet. Ben legt den weiten Weg zu Roger, dem Konkurrenten, zurück, doch ist Ben während der gesamten Reise hin- und hergerissen zwischen seinen Skrupeln, jemanden ohne Not zu töten, und seiner Verpflichtung, ein gegebenes Versprechen einzuhalten. Als der Krokodilwächter Roger Ben dann auch noch freundlich und zuvorkommend empfängt, gewinnen Bens Skrupel die Überhand und er macht sich unverrichteter Dinge auf den Rückweg zu seinem Billabong.

Während seiner Abwesenheit hat Kaukasius zu Hause die vollständige Macht erlangt und alle anderen Tiere entweder vertrieben oder unterworfen. So wird Ben von Kaukasius und seinen Gefolgsleuten empfangen und wegen seines gebrochenen Versprechens zu einer langen Gefängnisstrafe verurteilt. Während Ben in seinem Gefängnis herumdümpelt und über sein Leben nachdenkt, schikaniert Kaukasius alle Tiere um sich herum. Nur die Krokodilwächter sind vor Kaukasius geflohen und solidarisieren sich im weiteren Verlauf der Geschichte mit Ben. 

Im zweiten Teil der Erzählung kommt es zu unterschiedlichen Koalitionen zwischen den Tieren gegen Kaukasius, sodass dieser am Ende als absoluter Herrscher gestürzt und Ben befreit wird. Diese Revolution führt aber nicht dazu, dass Ben als Herrscher des Billabongs wieder eingesetzt wird. Vielmehr geben sich die Tiere gemeinsam neue Gesetze und etablieren dadurch eine Demokratie: Selbst Kaukasius findet in dieser Demokratie später seinen Platz als Lehrer der anderen Krokodilswächter, und die Tiere geben ihm eine neue Chance für ein friedliches Zusammenleben.

Kritik

Das Buch hat insgesamt 165 Seiten und ist durchgängig im Vierfarbdruck gestaltet, bei dem das grüne Farbspektrum dominiert. Meist befinden sich die Bilder an den Rändern der Seiten, zeigen die Tiere, die gerade in der Erzählung eine Rolle spielen oder binden den Text durch exotische Muster in die Urwaldlandschaft ein.

Der Billabongkönig Ben ist in dieser fabelhaften Erzählung nicht nur die Hauptfigur, sondern er schaltet sich auch immer wieder wortwörtlich in die Geschichte ein, kritisiert den Erzähler, fängt mit ihm eine Diskussion an oder wendet sich selbst an die Leser*innen. Diese metafiktionalen Passagen sind vom Erzähltext typografisch abgesetzt und in roter Schrift gedruckt. Durch diese Einschübe wird die Hauptfigur lebendig (im wahrsten Sinne des Wortes) und die Leser*innen können direkt an den Gedanken Bens teilhaben. Durch das explizite Thematisieren des Erzählens an sich und das Überschreiten fiktionaler Grenzen erhält die Erzählung unterschiedliche Perspektiven. Dieser Kunstgriff führt nicht nur zu einer ungewöhnlichen Weise des Erzählens, auch das ‚Selbst- und Weltverstehen der Leser*innen‘ wird dadurch herausgefordert, wie es die Kriterien des Jugendliteraturpreises fordern. 

Auf dem Höhepunkt der Erzählung wird aber genau dieser Kunstgriff zum Stolperstein, denn der Spannungsbogen wird häufig unterbrochen, was den Leser*innen das Verständnis der Erzählung erschwert und den Fortgang der Handlung immer wieder unterbricht. Auch das Einfügen kurzer sachbuchartiger Informationen sowohl in den Erzähltext als auch in Bens metafiktionale Äußerungen trägt zwar oft zum besseren Verständnis bei, mindert aber an manchen Stellen die Spannung.  

Der Text verwendet insgesamt recht viele Fremdwörter, die nicht immer erläutert werden, was meiner Ansicht nach dazu führt, dass die kindlichen Leser*innen unbedingt erwachsene Vorleser*innen an ihrer Seite benötigen, um den Text verstehen zu können. Diese Tatsache gilt auch für den Wendepunkt der Geschichte, der nicht wie eine gewöhnliche Klimax gestaltet ist, sondern aus sich immer neu aufbauenden kleineren Höhepunkten mit vielen unterschiedlichen Tieren besteht. Da die Tiere im Verlauf von Bens Befreiung auch unterschiedliche Koalitionen bilden, muss hier manchmal sogar zurückgeblättert werden, damit man verstehen kann, was passiert. An dieser Stelle hätte ich mir als Vorleser*in eine einfachere Struktur mit weniger Beteiligten gewünscht.

Insgesamt lassen sich aber wichtige Themen wie Macht und Herrschaft, Hierarchie, Mitbestimmung, persönliche Freiheit und Freiheit der Anderen anhand des Vorgelesenen mit den Kindern diskutieren, was das Buch zu einem wichtigen Beitrag der Demokratieförderung macht, aber auch hohe Anforderungen an die Leser*innen stellt.

Fazit

Wenn dieses Buch von Erwachsenen und Kindern gemeinsam gelesen und besprochen wird, werden alle Beteiligten viel Spaß haben, aber auch immer wieder zum Nachdenken über wichtige gesellschaftliche Themen herausgefordert sein. Ich empfehle dieses Buch für Kinder im Alter von ca. 10 Jahren, weil diese Altersstufe, auch in der Schule, mit Themen wie Herrschaft, Bevormundung und Demokratie in Berührung kommt. Meines Erachtens steht dieses Buch zu Recht auf der Nominierungsliste des Jugendliteraturpreises, weil es zur Diskussion über gesellschaftliche Themen herausfordert. Dass es stellenweise recht schwierig zu lesen ist, lässt sich damit ausgleichen, dass man Kinder mit diesem Buch nicht alleine lässt. 

Titel: Der Billabongkönig
Autor/-in:
  • Name: Kröner, Matthias
Illustrator/-in:
  • Name: Braun, Mina
Erscheinungsort: Weinheim/Basel
Erscheinungsjahr: 2022
Verlag: Beltz
ISBN-13: 978-3-407-75641-1
Seitenzahl: 162
Preis: 15,00 €
Altersempfehlung Redaktion: 10 Jahre
 Kröner, Matthias (Text) / Braun, Mina (Illustration): Der Billabongkönig