Inhalt

Für seine Zeit auf der High School wünscht sich Mauerblümchen Charlie (Logan Lerman) nichts sehnlicher als endlich gute Freunde zu finden. Doch zunächst sieht es so aus, als sei Charlies einziger Freund dessen ambitionierter Englischlehrer (Paul Rudd), der seinen verschlossenen Zögling mit immer neuem Lesefutter versorgt. Die eigenen Sorgen und Gedanken vertraut Charlie seinem Tagebuch an, in das er mit "Lieber Freund" betitelte Briefe schreibt.

Nach einer Weile lernt er jedoch die Stiefgeschwister Patrick (Ezra Miller) und Sam (Emma Watson) kennen und freundet sich mit ihnen an. Deren unkonventionelles Auftreten und lockere Art stecken den schüchternen Charlie an, der mehr und mehr aus sich herauskommt und endlich lernt, was es heißt erwachsen zu werden. Dazu gehören auch wilde Partys und erste Erfahrungen mit Alkohol, Drogen sowie dem anderen Geschlecht. Besonders die schöne Sam hat es Charlie angetan. Doch mag sie ihn auch? Seine naiv-gutherzige Art manövriert Charlie bisweilen in das ein oder andere Fettnäpfchen und wirbelt so auch die Beziehungen innerhalb der Clique durcheinander.

Am Ende wird allen jedoch klar, dass sie einander uneingeschränkt vertrauen können und den freundschaftlichen Zusammenhalt brauchen, um mit ihren ganz eigenen Problemen fertig zu werden. So kann der Homosexuelle Patrick seine Beziehung zum Quarterback der Schule nur im Geheimen ausleben, da sein Freund nicht offen zu seinen Gefühlen steht. Sam stürzt sich hingegen von einer Affäre in die nächste, ohne sich je wirklich geliebt zu fühlen. Und auch Charlie muss zunächst ein schweres Kindheitstrauma überwinden, um selbstbewusster zu werden und zu einer gestandenen Persönlichkeit reifen zu können. So stellen sich die Freunde schließlich gemeinsam allen Herausforderungen und Verwirrungen, die das Erwachsenwerden mit sich bringt.

Abb. 1: Screenshot aus Vielleicht lieber morgen (2012). Verleih: Capelight PicturesAbb. 1: Screenshot aus Vielleicht lieber morgen (2012). Verleih: Capelight Pictures

Kritik

Wo andere Jugendfilme noch immer mit Stereotypen arbeiten, zeigt Stephen Chbosky in der Adaption seines Erfolgsromans individualisierte Figuren, die mit ihren ganz eigenen Problemen zu kämpfen haben. Ähnlich wie John Hughes in seinem Kultfilm The Breakfast Club gelingt es dem Regisseur dabei, die Balance zwischen humorvollen und ernsten Szenen zu halten, sodass der Film stets eine gewisse Leichtigkeit beibehält und trotz mitunter heikler Themen nie an Unterhaltungswert verliert. Auch die talentierte Riege von Jungdarstellern trägt dazu bei, dass Chboskys Film nicht in der breiten Masse thematisch ähnlicher Filme untergeht. Allen voran Hauptdarsteller Logan Lerman (Percy Jackson, Die drei Musketiere), der Mauerblümchen Charlie ein Gesicht gibt und dessen Unsicherheit im Umgang mit Gleichaltrigen gekonnt vermittelt. Mit seiner liebenswerten Art hat er schnell die Sympathien der Zuschauer auf seiner Seite. Auch Emma Watson (Harry Potter) und Ezra Miller (We Need To Talk About Kevin) stehen ihm in nichts nach und wurden für ihre Darbietungen mehrfach ausgezeichnet.

Abb. 2: Screenshot aus Vielleicht lieber morgen (2012). Verleih: Capelight PicturesAbb. 2: Screenshot aus Vielleicht lieber morgen (2012). Verleih: Capelight Pictures

Das Coming-of-Age-Drama versteht sich gewissermaßen als Lobpreis an die Freundschaft, die sich im Handlungsverlauf mehr und mehr als wichtiges Gut und Schlüssel zur Überwindung alltäglicher und weniger alltäglicher Probleme erweist. Besonders deutlich wird die Funktion freundschaftlichen Zusammenhalts in dem Moment des Films, als die Clique im Streit auseinander geht. Mit dem kurzzeitigen Verlust der Freundschaft verstärken sich auch die Probleme der einzelnen Figuren: So wird etwa Patrick in der Schule zusammengeschlagen und Charlie wird immer häufiger von Blackouts überrascht. Erst mit der anschließenden Versöhnung bessert sich die Situation jedes Einzelnen und die Herausforderungen des Erwachsenwerdens können erfolgreich angegangen werden.

Charlies tief greifende Probleme erweisen sich lange Zeit als eine Art Geheimnis des Films, das die Zuschauer zusammen mit dem Jungen ergründen. Stück für Stück muss Charlie ein Kindheitstrauma überwinden, das in Form von Erinnerungsfetzten immer wieder hervorkommt. Letztlich zeigt sich, dass der Missbrauch durch die eigene Tante der Grund für Charlies frühere Klinikaufenthalte und seine Aussetzer ist. Das Thema wird sehr behutsam behandelt und trotz seiner Schwere bleibt der Film dem zuvor erwähnten positiven Grundtenor treu. Gemeinsam mit seinen Freunden (und seiner Familie) kann Charlie die vergangenen Ereignisse hinter sich lassen und freudig in die Zukunft blicken.

Mit seiner Anfang der 90er Jahre angesiedelten Handlung stellt Vielleicht lieber morgen für ältere Zuschauer auch eine gelungene Rückschau auf die eigene Jugend dar, in der das Erstellen von Mixtapes noch eine beliebte Freizeitbeschäftigung war. Ohnehin spielt Musik eine wichtige Rolle in Chboskys Regiedebüt. Vielfach bringen die Figuren ihre Gefühle durch Songs zum Ausdruck, und so versammelt der Soundtrack des Films Interpreten wie The Smiths oder David Bowie. Auch Charlies Vorliebe für Literatur ist ein wichtiges Thema. Erwähnung findet beispielsweise J.D. Salingers Der Fänger im Roggen, in dessen Traditionslinie sich Stephen Chboskys Roman und seine Filmadaption einzureihen suchen.

Fazit

Als Mischung aus Komödie und Drama trifft Vielleicht lieber morgen genau den richtigen Ton, um von den Herausforderungen des Erwachsenwerdens zu erzählen. Nicht zuletzt dank seiner hervorragenden Darsteller hat der Film jetzt schon das Zeug zum Klassiker und vermag sowohl jüngere als auch ältere Zuschauer zu unterhalten.

Titel: Vielleicht lieber morgen
Regie:
  • Name: Chbosky, Stephen
Drehbuch:
  • Name: Chbosky, Stephen
Erscheinungsjahr: 2012
Dauer (Minuten): 105
Altersempfehlung Redaktion: 12 Jahre
FSK: 12 Jahre
Format: DVD/Blu-ray
Vielleicht lieber morgen (Stephen Chbosky, 2012)