Biographie

Michael Ende wurde am 12. November 1929 in Garmisch-Partenkirchen geboren – als Sohn des Malers Edgar Ende und Luise Bartholomä, die später auch malen sollte. Seine Eltern führten ihn schon früh in die Welt der Kunst und Literatur ein und Michael Ende betonte später immer wieder, wie sehr ihn die Interessen der Eltern und das künstlerische Milieu, in dem er aufgewachsen war, geprägt hatten. Luise und Edgar Ende standen den verschiedensten Wissensgebieten und Denkrichtungen sehr offen gegenüber und vereinten in sich den Hang zu allen Religionen, Okkultismus, Spiritismus, Astrologie, Mystik, Anthroposophie, Theosophie bis hin zur Kabbala (vgl. Hocke, Neumahr 2007, S. 13-16). Ebenso beeinflusste Edgar Endes Arbeitsweise beim Malen später Michael Endes Art zu Schreiben. So wie Edgar kleine Skizzen und Ideen zu Ölbildern ausweitete, nahmen Michael Endes Werke oft durch eine kleine Szene oder einen Gegenstand ihren Anfang: Momo durch eine alte, silberne Taschenuhr ohne Zeiger (Ende 1998, S. 299). Beide überließen außerdem die Entschlüsselung des Werkes dem Betrachter oder Leser.

Endes glücklichste Kindheitserinnerungen waren die Tiergeschichten von Manfred Kyber, die phantastischen Geschichten eines benachbarten Malers mit Namen Fanti (der in Lukas, dem Lokomotivführer verewigt wurde), und eine befreundete Artistenfamilie, die Michael Ende in die Welt des Zirkus einführte.

Seine Erfahrungen aus der Schulzeit hat Ende in die Figur von Bastian aus der Unendlichen Geschichte einfließen lassen. Die einzige positive Erfahrung war das Theaterspielen (Michael Ende führte bei "bunten Abenden" Regie) und daraus resultierte bei Ende der Wunsch, Theaterautor zu werden, der sich in ersten "allzu pathetischen […] und schrecklich gedankenbeladenen" Stücken niederschlug, wie Ende später selbst urteilte (Hocke, Neumahr 2007, S. 30).

Da sich die Familie jedoch überwiegend in einer schlechten finanziellen Lage befand und ein Literaturstudium nicht in Frage kam, beschloss Ende, sein Ziel über einen Umweg zu erreichen und besuchte die Otto-Falckenberg-Schauspielschule – aus der Schauspielpraxis erhoffte er sich, bessere Stücke zu schreiben (vgl. Hocke, Neumahr 2007, S. 30). In dieser Zeit war er von der Theatertheorie Bertolt Brechts sehr beeinflusst, distanzierte sich jedoch später von ihr. Als seine Stücke weiterhin niemand veröffentlichen wollte, betätigte Ende sich zunächst auf Vermittlung seiner späteren Frau Ingeborg Hoffmann als Schreiber von Sketchen und Chansons für Kleinkunstbühnen (er war auch Regisseur beim Münchner Volkstheater) und ab 1954 als Filmkritiker und freier Mitarbeiter beim Bayerischen Rundfunk. Finanziell ging es ihm weiterhin schlecht.

Der Durchbruch gelang Ende mit Jim Knopf: ein befreundeter Grafiker bat ihn um einen kurzen Text zu einem Bilderbuch. Mehr als zehn Verlage lehnten das 500 Seiten umfassende Manuskript ab, das aus dem "kurzen Text" entstanden war, bevor der Thienemann-Verlag es annahm und um eine Umarbeitung in zwei Bände bat. Der erste Band erschien 1960 und gewann den Deutschen Jugendbuchpreis. Beide Bände ernteten großen Beifall und wurden 1961 durch die Fernseh-Inszenierung durch die Augsburger Puppenkiste noch bekannter.

1964 heirateten Michael Ende und Ingeborg Hoffmann in Rom und zogen bald darauf nach Genzano südlich von Rom in das "Haus Einhorn", das in einem großen Olivenhain lag. Hier schrieb er Momo (1973 veröffentlicht), die ebenfalls den Deutschen Jugendbuchpreis gewann. Ende entwarf Illustrationen und Schutzumschlag zu Momo selbst und hatte auch die Idee, das Buch in sepia drucken zu lassen (damit die Illustrationen und ihre Stimmung besser zur Geltung kamen).

Mit der Unendlichen Geschichte (1979 zunächst in nur 20.000 Exemplaren veröffentlicht) erlangte Ende Weltruhm. Viele Bücher Endes wurden umgearbeitet zu Opern, Theaterstücken, Hörspielen und musikalischen Hörbüchern oder wurden für das Medium Film adaptiert. Den Filmadaptionen stand Ende jedoch sehr kritisch gegenüber oder lehnte sie sogar völlig ab, obwohl er anfangs an einen europäischen Kunstfilm geglaubt und die Adaption der Unendlichen Geschichte genehmigt hatte.

Nach dem Tod Ingeborgs zog Ende wieder nach Deutschland und heiratete ein paar Jahre später (1989) seine japanische Übersetzerin und langjährige Freundin Mariko Sato.

Mit den Jahren entwickelte Ende seine eigene Theatertheorie vom "Magischen Theater", das sich in vielen Punkten von Brechts Theater abgrenzte.

1995 starb Michael Ende an Magenkrebs, gegen den er drei Jahre gekämpft hatte. Der literarische Nachlass wird von Roman Hocke verwaltet.

Werk

Michael Endes Bücher lassen sich nicht nur als Kinder- und Jugendliteratur einstufen, da sie durchaus auch für Erwachsene gedacht sind und so eher den Status All-Age-Bücher erfüllen. Der Erzählungen-Band Der Spiegel im Spiegel ist beispielsweise nur an Erwachsene gerichtet.

Zu den bekanntesten Werken Endes gehören: Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer (1960), Jim Knopf und die Wilde Dreizehn (1962), Momo (1973), Die Unendliche Geschichte (1979), Das Gauklermärchen (1982), Das Traumfresserchen (1991) und Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch (1989).

Sein Schaffen wird oft mit den Bildern seines Vaters Edgar Ende in Verbindung gebracht, der surrealistische Elemente aufweist. Dies führte in der Literaturkritik zu der Erklärung, dass Michael Ende den Surrealismus in Kinder- und Jugendliteratur eingeführt habe. Ende selbst sieht sich jedoch eher als Vertreter der romantischen Tradition: das Romantische begreift er als Freiraum der Phantasie, auf die er große Hoffnung setzte, denn seiner tiefen Überzeugung zufolge konnte es zu Reformen der äußeren Welt nur durch eine Innenweltreform kommen (Hocke, Neumahr 2007, S. 77). Endes Glaube an die Phantasie findet sich in seinem Verständnis vom Leseerlebnis: Der Leser soll in das Reich der Phantasie eintauchen und durch die Erfahrungen, die er in Phantasien (wie Ende es seit der Unendlichen Geschichte nennt) gesammelt hat, unsere Welt verändern. In seinen Werken werden jedoch keine fertigen Lösungen geliefert – seine Gesellschaftskritik findet nur phantastische Lösungen und bleibt der Allegorie treu.

Sinnbildhaft für Endes Kunstverständnis ist die Figur des "Pagaten", eine im Kartenspiel Magier und Gaukler zugleich darstellende Karte. Der Gaukler stellt für Ende das spielerische Prinzip der Kunst dar, das Menschen miteinander verbindet, und der Magier "[…] setzt Geistiges und Materielles miteinander in Beziehung, das schöpferische Prinzip der Kunst" (Hocke, Neumahr 2007, S. 98). Die Pagat-Figur ist Endes Vorstellung vom Künstler und lässt ihn sein Leben lang nicht los – ihr widmet er eine Erzählung und notiert sich zeitlebens Gedanken dazu. 

Populärrezeption

Nach Deutschland ist Japan das Land, in dem Endes Bücher die höchsten Auflagenzahlen erreichen und wo Ende zu einer moralischen und intellektuellen Instanz geworden ist. Umgekehrt war Ende ein ebenso großer Bewunderer japanischer Kultur und des japanischen Theaters.

Endes "moderne Märchen" werden in viele verschiedene Medien umgesetzt, besonders erfolgreich seit 1982 vom Düsseldorfer Marionettentheater unter der Leitung von Anton Bachleitner. 

Zusammen mit dem Komponisten Wilfried Hiller arbeitete Ende an musikalischen Fabeln, die ein "Musiktheater für Kinder" schaffen sollten. 

Zu den Autoren, die Ende besonders geprägt haben, zählen unter anderen Novalis, Brecht, Borges, Lem, Calvino, Kafka und Tolkien.

Wissenschaftliche Rezeption

Zeitlebens wurde Michael Ende mit Kritik aus verschiedenen Richtungen konfrontiert und verzeichnete gleichzeitig großen, nicht zurückgehenden Erfolg beim Publikum. Bei der Veröffentlichung von Jim Knopf wurde ihm Weltflucht vorgeworfen und dieser Vorwurf hielt sich bis an sein Lebensende, besonders während des Kalten Krieges. Die Literaturkritiker stempelten ihn jedoch nicht nur als Eskapisten ab, sondern warfen ihm vor, seine Botschaften seien zu schlicht und sein Ton zu belehrend. Sein nicht zu leugnender Erfolg beim jungen wie älteren Publikum führte zu zahlreichen Adaptionen, sodass uns heute Endes Werke in nahezu allen Medien vorliegen. 

Literatur

  • Boccarius, Peter: Michael Ende. Der Anfang der Geschichte. Berlin: Ullstein, 1995.
  • Dankert, Birgit: Michael Ende. Gefangen in Phantásien. Darmstadt: WBG, 2016.
  • Etten, Jonas: Schreiben für "das Kind in uns allen". Metafiktion und Kindheit bei Michael Ende und William Goldman. Marburg: Tectum, 2013.
  • Ewers, Hans-Heino: Michael Ende neu entdecken. Was Jim Knopf, Momo und Die unendliche Geschichte Erwachsenen zu sagen haben. Stuttgart: Alfred Kröner Verlag, 2018.
  • Hocke, Roman/Kraft, Thomas: Michael Ende und seine phantastische Welt. Die Suche nach dem Zauberwort. Stuttgart: Weitbrecht, 1997.
  • Hocke, Roman/Neumahr, Uwe: Michael Ende. Magische Welten. München: Henschel Verlag, 2007.
  • Klassiker der Kinder- und Jugendliteratur. Hrsg. von Bettina Hurrelmann. Frankfurt: Fischer, 1995.
  • Mattenklott, Gundel: Zauberkreide. Kinderliteratur seit 1945. Stuttgart: Metzlersche Verlagsbuchhandlung, 1989.
  • Michael Ende. Zur Aktualität eines Klassikers von internationalem Rang. Hrsg. von Hans-Heino Ewers, Gabriele von Glasenapp u. Michael Staiger. Berlin: Peter Lang, 2020.
  • Müller, Linda: Einmal Phantásien und zurück. Michael Endes "Unendliche Geschichte". Hintergründe, literarische Einflüsse und Realitätsbezüge. Marburg: Tectum, 2013.
  • Müllneritsch, Helga: Die unbekannte Seite Michael Endes. Zur Symbolik in der Geschichtensammlung "Der Spiegel im Spiegel. Ein Labyrinth". Wetzlar: Phantastische Bibliothek Wetzlar, 2011.
  • Neuhaus, Stefan: Märchen. Tübingen: Francke-Verlag, 2005.
  • Pissarek, Markus: Michael Endes Die unendliche Geschichte - Internationaler Klassiker oder Fantasy-Gesinnungskitsch? In: "Klassiker" der internationalen Jugendliteratur. Kulturelle und epochenspezifische Diskurse aus Sicht der Fachdisziplinen. Hrsg. von Anita Schilcher und Claudia Maria Pecher. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren, 2013. S. 97-118.
  • Schipperges, Ines: Ende gut, alles gut? Konflikt, Wendepunkt und Rettung als dramatisches Element bei Erich Kästner, Michael Ende und Cornelia Funke. Hamburg: Kovač, 2013.
  • Von Wernsdorff, Christian: Bilder gegen das Nichts. Zur Wiederkehr der Romantik bei Michael Ende und Peter Handke. Neuss: Verlag Schampel und Kleine Neuss, 1983.

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