Handlung

Während eines Waldspaziergangs trifft eine kleine Maus verschiedene Waldbewohner, die ihre Fressfeinde sind. Als Erstes möchte sie ein Fuchs zu Götterspeise in seinen Bau einladen; doch das kleine Tier ist raffiniert: Es bedankt sich freundlich und erzählt, dass es bereits mit seinem Freund, dem Grüffelo, verabredet sei. Aber von einem Grüffelo hat der Fuchs bisher noch nie etwas gehört. Die Maus weiß sich jedoch zu helfen und beschreibt eine schreckliche Gestalt, sodass der Fuchs Angst bekommt und flüchtet. Kaum ist die Maus wieder allein unterwegs, fliegt eine Eule herbei. Auch deren Einladung zum Essen lehnt das Nagetier mit Verweis auf den Grüffelo ab; gerade als die Maus sich in Sicherheit wiegt, begegnet sie schon dem nächsten Feind: Eine Schlange möchte ebenfalls gerne ein Festmahl mit der Maus feiern. Genau wie bei den anderen Waldbewohnern beschreibt die Maus den gefährlichen Grüffelo und macht dem Reptil damit Angst. Nach jedem Mal freut sich die Maus, dass ihre physisch stärkeren Feinde allesamt den Schwindel glaubten, denn das grausame Biest hat sie frei erfunden!

Plötzlich, während sie weiterspaziert, trifft sie auf "dieses Wesen mit schrecklichen Klauen und schrecklichen Zähnen, um Tiere zu kauen[.] Mit knotigen Knien, einer grässlichen Tatze und vorn im Gesicht eine giftige Warze, mit feurigen Augen, einer Zunge sooo lang und Stacheln am Rücken – da wird's einem bang" (ebd., S. 13). Den Grüffelo gibt es also doch! Aber auch in dieser Situation weiß sich die kluge Maus zu helfen. Sie nutzt die Angst der Waldbewohner, um dem Grüffelo zu zeigen, dass sich alle Tiere vor ihr fürchten. Er solle ihr einfach hinterhergehen. So gehen die beiden den Spazierweg zurück und treffen nach und nach auf die Fressfeinde des kleinen Nagetiers. Diese können kaum glauben, dass die winzige Maus und das Biest befreundet sind und flüchten aus Angst vor dem Grüffelo. Damit wurde sogar der Titelheld hinters Licht geführt, denn er glaubt der Maus, dass alle Waldbewohner Angst vor ihr haben. Zum Schluss verschreckt die Maus auch noch das Biest, indem sie behauptet, sie würde gerne Grüffelogrütze essen – wodurch das Untier Reißaus nimmt. Zurück bleibt eine zufriedene Maus, die sich über ihren Clou freut, während sie beglückt Nüsse knackt.

Populärrezeption

Der Grüffelo feierte und feiert weltweit immense Erfolge. Zum 20. Geburtstag im Jahr 2019 wurden in Deutschland rund 150.000 Exemplare des Bilderbuchs verkauft, sodass man inzwischen zurecht von einem populären Longseller sprechen kann (vgl. Kros 2020). Der originäre Text dieses Medienverbundes – das Bilderbuch – wurde weltweit über 13 Millionen Mal verkauft (vgl. Marshall 2015) und geht in England wöchentlich rund 1.500-mal über die Ladentheke (vgl. Schmitt 2011). Neben der bekannten Janosch-Buchreihe gilt der Medienverbund des Grüffelos als Bestseller des Beltz-Verlags. Die Geschichte des grausamen Monsters und der cleveren Maus gehören somit längst zu den zeitlosen Kinderbuchklassikern.

Abbildung 1: Die Waldbewohner feiern den 20. Geburtstag des Grüffelos (Scheffler 2019)Abbildung 1: Die Waldbewohner feiern den 20. Geburtstag des Grüffelos (Scheffler 2019.

Die Geschichte des Grüffelos wurde nicht nur als Bilderbuch, sondern gleichnamig auch als Film, Hörspiel sowie Theaterstück adaptiert und basiert auf dem originären Text aus dem Jahr 1999. Mittlerweile wurde das Buch in über 60 Sprachen und Dialekte übersetzt (vgl. Wolf 2019) und auch der Film erschien in mehreren Sprachen. Doch warum wurde Der Grüffelo-Medienverbund so populär?

Damit eine Erzählung populär wird, ist es wichtig, dass die Rezipierenden einen Bezug zu den Figuren und der Geschichte aufbauen können. Bereits im Vorschulalter fasziniert Kinder die Geschichte der kleinen, mutigen Maus, dessen clevere Erdichtung eines grässlichen Monsters real wird, worauf sie sich mit dem Grüffelo auseinandersetzen muss, denn Angstbewältigung und Mut sind relevante Themen aus dem Alltag der jungen Rezipientinnen und Rezipienten. So wird in dieser lehrreichen Geschichte das Motiv eines Konflikts zwischen Gut und Böse bzw. Klein und Groß und "der humoreske Umgang mit Angstlust" (Jakob 2019, S. 20) spannend behandelt. Auch der Wald und dessen Bewohnerinnen und Bewohner – Eule, Fuchs und Schlange – sind bereits in jungen Jahren bekannt und bieten zusätzlich zur lebensfreudigen Maus Identifikationsmöglichkeiten (vgl. Wegmann 2014, S. 100).

Der poetische Stil und die Bildhaftigkeit der Sprache lassen ein "Miterleben" auf der Gefühlsebene zu und wecken das kindliche Bedürfnis nach gemeinsamem Austausch. Durch das interessengeleitet (Vor-)Lesen wird Kindern hochwertige Unterhaltung angeboten, da die für sie zwar sprachlich anspruchsvolle Erzählung ihre Imagination anregt und zudem den Umgang mit Fiktionalität fordert. Die Reimform, die harmonische Rhythmik und die Wiederholung der detaillierten Beschreibung des Grüffelos machen es (Klein-)Kindern besonders einfach die Geschichte nachzuvollziehen, sie sich zu merken und auswendig mitzusprechen (vgl. Döring 2013, S. 27). Mit der "gleichnamigen Bilderbuchverfilmung am Heiligabend 2010 im ZDF und der kurz darauf folgenden DVD-Veröffentlichung erhielt Der Grüffelo eine nie zuvor beobachtete Aufmerksamkeit" (Kudlowski 2013, S. 189) – eine Art Neuentdeckung, die zu einer umfassender Popularität verhalf und "in Windeseile ein zweites Mal unser Herz [eroberte]" (Wegmann 2014, S. 100).

Mit der Popularität des Originärtextes geht ein hohes crossmediales Vermarktungspotential einher (vgl. Kurwinkel 2017, S. 42). Es liegt also nicht fern, dass nach Bilderbuch, Film und Hörspiel auch Grüffelo-Apps, das Grüffelo-Pop-up-Theaterbuch oder das Grüffelo-Fühlbilderbuch sowie Merchandising-Artikel wie Plüschtiere, Bleistifte, Kalender, T-Shirts, Schlafanzüge, Bettwäsche, Tassen, Frühstücksbrettchen, Rezeptideen sowie Briefmarken in die Kinderzimmer einziehen (vgl. ebd., S. 41). Die Vermarktung scheint kontinuierlich zuzunehmen, sodass Grüffelo-Maskottchen mittlerweile Kitas, Schulen oder die didacta-Bildungsmesse besuchen und es in Großbritannien im Chessington World of Adventures mit The Gruffalo River Ride Adventure sogar eine Wasserbahn gibt. Diese Entwicklung zeigt, dass sich die fiktionalen Figuren längst als Kultfiguren verselbstständigt haben, die über das Ursprungsmedium hinaus in den Kulturwarenmarkt für Kinder eingezogen sind.

Aufgrund der weltweit hohen Popularität und des großen Erfolgs schrieben und illustrierten Scheffler und Donaldson eine Fortsetzung: Das Grüffelokind knüpft an die originäre Erzählung an und vergrößert damit den Medienverbund seit 2004 um eine weitere Geschichte für (Klein-)Kinder. Sowohl Der Grüffelo als auch Das Grüffelokind sind von starken Gut-Böse-Dichotomien geprägt. Wird in Der Grüffelo die Maus noch als eine gute Figur beschrieben, ändert sich dies in der Fortsetzung: Die Waldbewohnerinnen und -bewohner empfinden zunächst Angst und Schrecken vor dem Grüffelo, aber als das kleine Grüffelokind auftritt und Angst vor der Maus hat, verfliegt die Furcht. So zeigen sich durch die Fortsetzung auch die Dichotomien der Figuren und alle Rezipierenden können ein Fabeltier finden, mit dem sie sympathisieren können.

Wissenschaftliche Rezeption

In der Forschung wird Der Grüffelo als ein gelungenes Beispiel für einen Medienverbund angeführt, bei dem die medialen Adaptionen zunächst eng am Originärtext und seiner Handlung orientiert sind (vgl. Kudlowski 2013, S. 189), nachfolgende Werke jedoch kaum noch darauf bezogen sind. Eine solche Entwicklung eines Medienverbunds kann mit Gilles Deleuze und Félix Guattari als ein Rhizom bzw. ein Wurzelsystem beschrieben werden, bei dem keine einzelne lineare und hierarchische Hauptwurzel vorhanden ist, sondern zwischen allen Wurzeln Verbindungen bestehen (vgl. Kurwinkel 2020, S. 17). Wenn in derartigen Wurzelsystemen eine beliebige Stelle bricht, wuchert das System an anderer Stelle weiter – ähnlich wie das Verbundsystem um den Grüffelo, das mit der Bilderbuch-Tetralogie Mein erster Grüffelo (2012), die mit dem Ursprungsmedium nur die Illustrationen der Figuren gleich hat, weiterwächst.

Abb. 2: Mediale Struktur des Grüffelo-Medienverbunds (Reistorff 2020)Abb. 2: Mediale Struktur des Grüffelo-Medienverbunds (Reistorff 2020).Für eine vergrößerte Ansicht der Grafik klicken Sie hier.

Weiterhin finden sich einige inhaltliche Parallelen zu anderen Geschichten. Ähnlich wie bei der erfolgreichen Harry-Potter-Reihe, in der das bekannte Internatssetting durch Magie aktualisierend inszeniert wird und Joanne K. Rowling dabei auf bewährte Prätexte sowie Genres zurückgreift, orientiert sich Donaldson an einer konkreten traditionellen Geschichte. Die List der Maus aus der zweiten Hälfte der Erzählung erinnert an das chinesische Märchen Der Fuchs und der Tiger (vgl. Yu 2011, S. 30). Dort beweist der clevere Fuchs seine angebliche Macht, um nicht vom König, dem Tiger, gefressen zu werden, indem das mächtigste Tier hinter ihm her gehen soll. Die anderen Tiere schrecken zwar vor dem Tiger zurück, aber der Fuchs lässt es so aussehen, als wenn sie sich vor ihm fürchten und wird durch seine List vom mächtigen Tiger verschont.

Matthew Creasy (2016) beschreibt überdies Parallelen hinsichtlich der Themen und Figuren zwischen Der Grüffelo und den Fabeln von Äsop, wo sprechende Tiere Moralbotschaften transportieren. Eigenschaften wie Größe und Macht, denen Intelligenz und Strategie gegenübergestellt werden, sind Tieren zugeschrieben, die sich im Kampf ums Fressen-oder-gefressen-Werden befinden, also in ihrer natürlichen Motivation des Überlebens. Alle Figuren der Geschichte möchten fressen, aber letztlich schafft es nur die Intelligenteste aller Figuren: Die kleine Maus kann am Ende ihre Nüsse knacken. Mit den erzieherischen Aussagen überschneidet sich die Quintessenz von Der Grüffelo mit denen der Fabeln von Äsop. Weiterhin erinnern zum einen die List der kleinen Maus und zum anderen die menschenähnlichen Dialoge und Illustrationen an die Abenteuer des Schwindlers Peter Hase von Beatrix Potter, wo die Hasen sprechen, auf zwei Beinen laufen (vgl. Döring 2013, S. 27) und sogar Kleidung tragen.

Außerdem lässt sich festhalten, dass in der Forschung die Asymmetrie der drei Figuren(-gruppen) (Maus, Waldbewohnerinnen und -bewohner und Grüffelo) in einer Zwei-Werte-Welt (Größe und Macht vs. Intelligenz und Strategie) herausgearbeitet wurde (vgl. Bormann 2013, S. 212, 223). So mache die Geschichte des Grüffelos deutlich, dass Intelligenz über Größe und Macht steht. Aber sogar in der gemeinsamen Werte-Welt der großen und mächtigen Tiere finden sich verschiedene Strategien: Zum einen der Grüffelo, der salopp sagt, dass er die Maus fresse und es sich aufgrund seiner Größe "leisten kann sehr dumm zu sein" (ebd., S. 212), zum anderen die Waldbewohnerinnen und -bewohner, die subtiler sind und die Maus als Gast bzw. Fraß zum Essen einladen; demnach sind sie im ersten Teil zwar ironisch, aber wirken dadurch klüger (vgl. ebd.). Dies zeigt, dass die Werte nicht scharf voneinander zu trennen sind, da die Figurengruppe der Waldbewohner in kein konkretes Raster eingeordnet werden kann.

Weitere Forschungsarbeiten bezieht sich weniger auf den Medienverbund oder die Geschichte im Allgemeinen, sondern auf die Verfilmung(en) (vgl. Döhring, 2013; Kudlowski, 2013; Tydecks, 2014). In den Computeranimationsfilmen (sowie in den Theaterstücken) nimmt eine Eichhörnchenmutter, welche nun mehr als nur ein Illustrationselement aus dem Bilderbuch darstellt (vgl. Döhring 2013, S. 29; Kudlowski 2013, S. 192), die Rolle der Erzählerin ein und beschreibt ihren Kindern die Geschichte des Grüffelos, während die Eichhörnchenfamilie von einem Greifvogel gejagt wird (Wegmann 2014, S. 100). So wird die "vergleichsweise kurze Handlung [des Prätexts] um zusätzliche Szenen, Nebenhandlungen und Dialoge – bei der Adaption von [der ursprünglichen literarischen Vorlage] zudem um einen Rahmenhandlung – extendiert" (Kurwinkel 2016, S. 23). Die vielen Dialoge zwischen den Waldbewohnern erinnern an Interaktionen zwischen Eltern und ihren Kindern: Die Eichhörnchenmutter nimmt hierbei die Rolle der Eltern ein und die Eichhörnchenkinder die der jungen Rezipientinnen und Rezipienten. Das langsame Erzählen und die vielen Pausen sowie die mit ca. 25 Minuten im Serienformat gehaltene Filmlänge bieten für die jungen Rezipierenden keine Überforderung.

Ferner wird in der wissenschaftlichen Rezeption auch auf die Montage, jedoch weniger auf die Auralität der Verfilmungen eingegangen. In den filmischen Adaptionen des Originärtexts und der Fortsetzung werden außergewöhnliche filmische Mittel eingesetzt. Zu Beginn wird im Film Der Grüffelo ein düsterer Wald gezeigt, der Elemente der Grüffelo-Figur darstellt (z. B. die Wurzeln der Baumstämme als Pranken) und mit schauriger Musik untermalt ist (vgl. Tydecks 2014, S. 103, 108). Dadurch, dass der Hintergrund statisch und zwei-, die Figuren aber dynamisch und dreidimensional inszeniert sind, fällt der Blick seltener auf den detailreichen Hintergrund. Aufgrund der CGI-Technik, mit der die Waldbewohner computeranimiert worden sind, bekommen die Figuren eine besondere Bildästhetik (vgl. Kudlowski 2013, S. 192), während sie wiedererkennbar sind (vgl. Wegmann 2014, S. 100). Die furchtbaren Tiere (zum einen die Titelfigur in Der Grüffelo, zum anderen die schreckliche Maus in Das Grüffelokind) werden den anderen Waldbewohnerinnen und -bewohnern konkret beschrieben und Detailaspekte durch Kreisen wie Spotlights vergrößert dargestellt. Diese Ansicht erinnert an ein Fernrohr, das eine Vorausschau bietet und die Kraft des Bildes impliziert. Auch im Film wird auf diese Beschreibung mithilfe der Illustrationen aus dem Buch zurückgegriffen: So zeigt die folgende Abbildung einen Kreisausschnitt des Bilderbuchs, welcher nun intermedial in der computeranimierten Bilderbuchverfilmung eingesetzt wird. Diese intermediale Bezugnahme lässt die Rezipierenden an die Seiten im Buch erinnern, sie ziehen Rückschlüsse zum Originärmedium und können implizieren, was als Nächstes folgt.

Abb. 3: Bild im Bild im Film Der Grüffelo (Lang/Schuh 2009)Abb. 3: Bild im Bild im Film Der Grüffelo (Lang/Schuh 2009).

Hinsichtlich der lyrischen Textgestaltung kreiert die Autorin durch ihre Dichtung in Form von Paarreimen Erwartungen, die Spannung aufbauen (vgl. Creasy 2016). Ein Beispiel hierfür ist in allen Adaptionen die Textstelle, an der die Erzählung in den zweiten Teil der Geschichte übergeht: Nachdem die kleine Maus nach und nach ihre Feinde überlistet hat, läuft sie ihrem erfundenen Monster über den Weg. Die letzte Silbe des Reimworts "Grüffelo" auf der nächsten Seite ist der Ausdruck des Schocks der kleinen Maus, als sie sagt: "Wie dumm von der Schlange. Sie fürchtet sich so. Dabei gibt’s ihn doch gar nicht, den Grüffel... ...oh!" (Scheffler/Donaldson 1999, S. 12f.). Diese Situation verdeutlicht den Kindern, dass das Schlimmste, was man sich vorstellt, wahr werden kann (vgl. Creasy 2016) – wer in einer solchen Lage aber einen kühlen Kopf bewahrt, kann sie überwinden.

 

Didaktische Rezeption

Aufgrund der Popularität bei jungen Rezipientinnen und Rezipienten und der erzieherischen Werte wie Angstbewältigung, Mut und Respekt findet der Einsatz der Geschichte in Kitas sowie Grundschulen Anklang und wird gerne didaktisch eingesetzt. Recherchen ergaben, dass sogar in der Kinderzeichnungsforschung das Bilderbuch Der Grüffelo als geeigneter medialer Anlass für die zeichnerische Produktion von Vorschulkindern verwendet wurde, da es mit seinen detailreichen Illustrationen sowohl die Fantasie anregt als auch zur Erschließung der Geschichte beiträgt (vgl. Hoff 2007, S. 4ff.).

In der Grundschule werden verschiedene Medien des vielfältigen Verbunds genutzt, um durch ihren abwechslungsreichen Einsatz eine positive Wirkung zu erzielen. So soll das Hörspiel Der Grüffelo als Schreibanlass in der ersten Klasse dienen und die Kompetenzen Hören, Sehen, Sprechen und Schreiben planvoll verknüpfen sowie erste elementare literarische Strukturen vermitteln (vgl. Ostrop 2010, S. 9f.): Das Hörspiel ermöglicht neben Musik auch Pausen, welche die Kinder nutzen können, um sich die Geschehnisse vorzustellen. Sofern mehrsprachige Kinder in der Klasse sind, werden durch das Zeigen des Bilderbuchs während des Hörens der Geschichte ebenfalls die Kompetenz des Sehens geschult und somit erste Verknüpfungen gemacht (vgl. ebd.). Die Kombination des Hörens und Sprechens findet mithilfe der Vertonung der Erzählung im Stuhlkreis statt, wo zudem offene Fragen Gespräche fördern und unterstützen sollen (vgl. ebd.). Für das Schreiben und literarische Lernen kehren die Schülerinnen und Schüler an einzelne Arbeitsplätze zurück und entscheiden selbst in welcher Schreibform sie die offene Schreibaufgabe bearbeiten (vgl. ebd.). Solche Arbeitsaufgaben könnten z. B. auch das Schreiben einer Fortsetzung anregen.

Ebenfalls gibt es verschiedene Literaturprojekte zu dem Bilderbuch, in denen thematische, literarische und kunstpädagogische Aspekte didaktisch behandelt und z. B. in einem Lese-Begleit-Heft verschiedenen Aufgaben parallel zum Bilderbuch bearbeitet werden können (vgl. z.B. Böhmann/Lawrenz 2012; Kalkavan 2011). Das Material aus dem Deutschunterricht kann außerdem fächerübergreifend eingesetzt werden (z.B. im Mathematikunterricht: Umgang mit der Anzahl der Akteure und Wiederholungen; im Musikunterricht: verschiedene Instrumente aus Film und Hörspiel heraushören; im Englischunterricht: übersetzte Version; im Sachunterricht: verschiedene Waldbewohnerinnen und -bewohner und die Jahreszeiten sowie Werteerziehung, Motive und Moral, etc.) (vgl. Döring 2013, S. 34; Tydecks 2014, S. 109).

Die Geschichte des Grüffelos vermittelt Kindern, dass Angsthaben völlig natürlich ist, man nicht jeder freundlichen Einladung trauen und sich nicht unterkriegen lassen sollte. Die Identifikationsmöglichkeit mit der Geschichte wird bei der Initiative Mut tut gut! genutzt, um zu zeigen, dass alle Ängste überwunden werden können, indem man mutig ist und Vertrauen in sich selbst hat. Weiterhin werden Ratschläge für Eltern, Bezugspersonen und Pädagoginnen und Pädagogen formuliert, um Kinder zu stärken und ihren Mut zu fördern. 

Quellenverzeichnis

Primärquellen

  • Karallus, Thomas, Scheffler, Axel und Donaldson, Julia: Der Grüffelo. Das Original-Hörspiel zum Film (EdelKids 2011).
  • Scheffler, Axel und Donaldson, Julia: Der Grüffelo. Weinheim: Beltz & Gelberg, 1999.
  • Scheffler, Axel und Donaldson, Julia: Das Grüffelokind. Weinheim: Beltz & Gelberg, 2004.
  • Scheffler, Axel und Donaldson, Julia: Der Grüffelo. Pop-up-Theaterbuch. Weinheim: Beltz & Gelberg, 2010.
  • Scheffler, Axel und Donaldson, Julia: Mein erster Grüffelo. Weinheim: Beltz & Gelberg, 2012.
  • Scheffler, Axel und Donaldson, Julia: Das Grüffelo Fühlbilderbuch. Weinheim: Beltz & Gelberg, 2012.
  • The Gruffalo (Max Lang und Jakob Schuh. GB/D 2009). 

Sekundärquellen

  • Böhmann, Mark und Lawrenz, Nina: Der Grüffelo von Axel Scheffler und Julia Donaldson - Ideen und Materialien zum Einsatz des Bilderbuchs in Kindergarten und Grundschule. 2. Auflage. Weinheim: Beltz & Gelberg, 2012.
  • Bormann, Daniel Candel: Moving Possible World Theory from Logic to Value. In: Poetics Today 34 (2013) H. 1-2. S. 177-231.
  • Creasy, Matthew: How to write a children's classic: the Gruffalo formula. http://eprints.gla.ac.uk/116720/1/116720.pdf (25.02.2020).
  • Döring, Juia: Scrambled snake und Schlangenpüree. The Gruffalo von Julia Donaldson und Axel Scheffler. In: Literatur aus zweiter Hand. Anregungen zum Umgang mit Übersetzungen im Deutschunterricht. Hrsg. von Gina Weinkauff und Petra Josting. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren, 2013. S. 23-42.
  • Hoff, Tanja: Individuelle Rezeption eines Kinderbuches durch Kinder im Vorschulalter - Zwei qualitativ-empirische Fallstudien. Hochschulschrift. Essen: Universität Duisburg-Essen, 2007.
  • Jakob, Barbara: Fröhliches Wonnegruseln: Bilderbücher bieten einen lustvollen Raum für den Umgang mit Ängsten. In: 4 bis 8: Fachzeitschrift für Kindergarten und Unterstufe (2019) H. 4. S. 20-21.
  • Kalkavan, Zeynep: Literaturprojekt zu Der Grüffelo. Kempen: Buchverlag Kempen, 2011.
  • Kros, Matthias: Glücksfall Grüffelo für den Beltz Verlag. https://www.rnz.de/wirtschaft/wirtschaft-regional_artikel,-weinheim-gluecksfall-grueffelo-fuer-den-beltz-verlag-_arid,501282.html (10.03.2020).
  • Kudlowski, Marc: So kann's laufen! Bilderbuch und Bilderbuchverfilmung. In: Text und Bild - Bild und Text: Bilderbücher im Deutschunterricht. Hrsg. von Christop Jantzen und Stefanie Klenz. Stuttgart: Fillibach bei Klett, 2013. S. 183-206.
  • Kurwinkel, Tobias: Von medialen Entgrenzungen des Bilderbuchs im Medienverbund: Filme und Wimmelspiele als Adaptionen. In: Wie im Bilderbuch: Zur Aktualität eines Medienphänomens. Hrsg. von Arno Rußegger und Tonia Waldner. Innsbruck: Studien Verlag, 2016. S. 21-32.
  • Kurwinkel, Tobias: Bilderbuchanalyse. Narrativik – Äshetik – Didaktik. Tübingen: Francke, 2017.
  • Kurwinkel, Tobias: Medien- und Produktverbund. In: Handbuch der Kinder- und Jugendliteratur. Hrsg. von Tobias Kurwinkel und Philipp Schmerheim. Stuttgart: J. B. Metzler, 2020. S. 14-19. (Im Druck)
  • Marshall, Konrad: The Gruffalo author Julia Donaldson reveals where ideas bubble up from. https://www.smh.com.au/entertainment/books/the-gruffalo-author-julia-donaldson-reveals-where-ideas-bubble-up-from-20150224-13m0uk.html (21.09.2019).
  • Ostrop, Jule: Literarisches Lernen mit dem Grüffelo. In: Praxis Grundschule 33 (2010) H. 6. S. 9-12.
  • Scheffler, Axel: Der Grüffelo feiert seinen 20. Geburtstag. https://www.beltz.de/kinder_jugendbuch/themenwelten/der_grueffelo.html (29.07.2019).
  • Schmitt, Peter-Philipp: Wie Grüffelo das Laufen lernte. https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/menschen/ludwigsburger-filmemacher-wie-grueffelo-das-laufen-lernte-1594761/die-figur-hat-erfolg-in-1598902.html (22.09.2019).
  • Tydecks, Johanna: Mit Scherzen und Schrecken - Zur filmischen Adaption des Grüffelo. In: BilderBücher. Band 2: Praxis. Hrsg. von Julia Knopf und Ulf Abraham. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren, 2014. S. 100-111.
  • Wegmann, Ute: Als die Vögel fliegen lernten. In BilderBücher. Band 1: Theorie. Hrsg. von Julia Knopf und Ulf Abraham. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren, 2014. S. 97-105.
  • Wolf, Bettina: Und es gibt ihn doch, den Grüffelo! https://www.stadtlandkind.info/und-es-gibt-ihn-doch-den-grueffelo/ (14.09.2019).
  • Yu, Chen-Wei: Childhood, Identity Politics, and Linguistic Negotiation in the Traditional Chinese Translation of the Picture Book The Gruffalo in Taiwan. Jeunesse: Young People, Texts, Cultures 3 (2011) H. 2. S. 30-45.