"Bücher sind wie Kinder – Wenn man sie gehen lässt, muss man sie so akzeptieren, wie sie geworden sind."
Tannöd ist zwar nicht in erster Linie Jugendliteratur, dennoch ist das Erstlingswerk von der Regensburgerin und Wahl-New-Yorkerin Andrea Maria Schenkel nach zahlreichen Auszeichnungen, wie z.B. dem Deutschen Krimipreis, zum Standardwerk der Deutschlektüre an vielen Schulen in der Mittelstufe geworden und wird auch in der Freizeit von heranwachsenden Krimifans gelesen. Michael Stierstorfer traf sie im Rahmen einer Lesung für Schülerinnen und Schüler am Gymnasium Schrobenhausen (bei München). Die international erfolgreiche und mehrfach mit hochrangigen Preisen dotierte Autorin (mit dem gerade erwähnten Deutschen Krimi-Preis [sogar zweimal hintereinander!], der Corine und dem Friedrich-Glauser-Preis) ist vielen auch durch ihre sogenannten Heimatkrimis Finsterau, Kalteis und Bunker ein Begriff.
Ihr weltweiter Bestseller Tannöd wurde vor einiger Zeit ins Amerikanische übersetzt (The Murder Farm). Dieses greift den bis heute unaufgeklärten Mordfall von Hinterkaifeck (bei Waidhofen nähe Schrobenhausen) multiperspektivisch auf und siedelt die "Mörderfarm" in einem bigott-hinterwäldlerischem Setting an. Darin wird die bayerische Idylle Schritt für Schritt dekonstruiert. Schenkel greift hierbei die besonders bizarre historische Erkenntnis auf, dass der Mörder der Familie Gruber/Gabriel – im Roman Familie Danner genannt – auch Tage nach dem Mord noch die Stalltiere versorgt hat, um Spuren zu verwischen. In ihrem zweiten ebenfalls prämierten Werk Kalteis geht es um einen gesellschaftsfähigen und eigentlich gut integrierten Familienvater, der ein Doppelleben als Frauenmörder führt, und eine Vorliebe für zierliche Frauenfiguren als Opfer entwickelt. Schließlich thematisiert ihr Kriminalroman Finsterau eine Frau namens Afra, welche in einem bayerischen "Hinterwäldlerdorf" zusammen mit ihrem unehelichen Sohn angeblich von ihrem bigotten Vater erschlagen wurde.